
10.10.2026 (pm/red) In Hessen als modernem Film- und Kinoland wird auf ein erfolgreiches Jahr zurückgeblickt. Zur Verleihung des 37. Hessischen Film- und Kinopreises hatte Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels gestern Jurymitglieder, Nominierte und Preisträger aus der Film- und Kinobranche im Kino des Deutschen Filminstituts & Filmmuseums Frankfurt begrüßt. Auf eine Gala wurde in diesem Jahr verzichtet, um die Preisgelder und Filmförderung ohne Kürzungen erhalten zu können, teilte das Ministerium mit.
„Heute Abend geht es um die Menschen, die Filme machen, Filme zeigen und um alles, was zwischen der ersten Idee und dem fertigen Film liegt. Herzlichen Glückwunsch an alle Preisträgerinnen und Preisträger“ erläuterte Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels.
Hessen Film & Medien konnte in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen mit vielen Erfolgen unterstreichen. Auf der Berlinale waren sechs geförderte Produktionen vertreten – so viele wie nie zuvor. Bei den Filmfestspielen in Cannes lief erstmals ein von Hessen Film & Medien geförderter Film im Wettbewerb. Es wurde auch viel in Hessen gedreht, zum Beispiel die zweite Staffel der Frankfurter Serie ,Die Zweiflers‘.
Förderungen und Preisgelder für Filme und Kinos bleiben konstant
„Wir fördern neue Stimmen und erfahrene Filmschaffende, wir ermöglichen anspruchsvolle Projekte und unsere Filme werden international gesehen. Gleichzeitig investieren wir weiter in eine lebendige Kinolandschaft. Im nächsten Jahr wollen wir den Hessischen Film- und Kinopreis wieder größer feiern. Er ist bunt, hat viele Partner und Verbündete – nicht nur in der Kunst und Kultur, sondern in der ganzen Gesellschaft“, so Gremmels weiter
Als bester Spielfilm wurde „I’ll be gone in June“ von Katharina Rivilis ausgezeichnet, der bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes seine Premiere feierte. Katharina Rivilis folgt der 16-jährigen Franny, die 2001 als Austauschschülerin nach New Mexico kommt und im Schatten des 11. Septembers nach Nähe, Freiheit und Zugehörigkeit sucht. Das Preisgeld beträgt 15.000 Euro.
Der Preis für den besten Dokumentarfilm ging an „Sieben Kreise der Hölle“ von Andrzej Klamt. Darin verdeutlicht der Regisseur eindrücklich und erschütternd die grausame Realität des Ukraine-Krieges. Die Wahl des Filmtitels spielt auf Dantes Verständnis der Hölle an.. Das Preisgeld beträgt 15.000 Euro.
Nominiert als bester Dokumentarfilm waren außerdem „Haus 4“ von Philipp Schaeffer und „10s Across the Borders (The Beauty of Ballroom)“ von Sze-Wei Chan.
In der Kategorie Bestes Drehbuch siegte „Brennende Haut“ von Behrooz Karamizade und Sanaz Ghotb. Die politischen und gesellschaftlichen Strukturen im Iran bilden den äußeren Konflikt der Geschichte. Maryams Vater wird verhaftet. Um ihre Familie zu retten, versucht Maryam, die zwielichtigen Geschäfte ihres Vaters zu übernehmen. Das Preisgeld beträgt 5.000 Euro.
Nominiert als bestes Drehbuch waren außerdem „Die Bären sind geblieben“ von Nur Muhammed Tarhan und „Prinzessin frisst Löwe“ von Friederike Holtz.
In der Kategorie Bester Kurzfilm siegte „Bleifrei 95“ von Emma Hütt und Tina Muffler. Der Film erzählt von drei Freundinnen Mitte zwanzig, die am Ort ihrer Jugend wieder aufeinandertreffen. Zwischen Tankstellen-Cruising, Autobahnen und der ältesten Lesbenbar der Welt müssen sie ihre Freundschaft neu verhandeln. Das Preisgeld beträgt 5.000 Euro.
Nominiert als bester Kurzfilm waren außerdem „Hinterland“ von Catrine Val und „Strangers with hats“ von Petra Stipetić und Karolin Twiddy.
Als bester Hochschulabschlussfilm wurde „Blut und Wasser“ von Nathalie Linke und Johanna Best (Hochschule Darmstadt) ausgezeichnet. Der Film zeigt das Leben einer jungen Frau, die lebensfroh und unabhängig scheint. Dieses Bild wird jedoch erschüttert, als sie nach einem Notruf zu ihrer Familie fährt. Das Preisgeld beträgt 5.000 Euro.
Nominiert als bester Hochschulabschlussfilm waren außerdem „Nijigen Confinement“ von Zirui Chen (Kunsthochschule Kassel) und „Ob Du dasselbe für mich fühlst“ von Janek Adelhelm (Hochschule Darmstadt).
Der Newcomer-Preis
Der mit 5.000 Euro dotierte Newcomer-Preis, über dessen Vergabe der Kunst- und Kulturminister entscheidet, geht an den Regisseur und Drehbuchautor Joscha Bongard aus Kassel. Damit wird ein Filmemacher ausgezeichnet, der gerade mit großer Geschwindigkeit auch international auf sich aufmerksam macht. Joscha Bongard stehe exemplarisch für das überaus kreative Spektrum des Filmschaffens aus Hessen“, begründeteGremmels seine Entscheidung.
Der Hessische Kinopreis
Der Hessische Kinopreis ist mit insgesamt 215.000 Euro dotiert. Er geht an 21 gewerbliche Kinos und zehn nicht-gewerbliche Kinos. Mit den Hauptpreisen und jeweils 20.000 Euro werden das Kino Traumstern in Lich und das Mal Seh’n Kino in Frankfurt ausgezeichnet.
Der QMS RESPECT Award geht an Karin Hanczewski und Godehard Giese. Sie initiierten 2021 die Coming-out Aktion #ActOut, mit der 185 Schauspielerinnen und Schauspieler sich als schwul, lesbisch, bi, queer, nicht-binär und trans outeten und verschlossene Türen in Sendern und Theatern kritisierten. Mit dem QMS RESPECT Award zeichnet die Queer Media Society (QMS) Personen aus, die sich für queere Sichtbarkeit in der Filmbranche einsetzen.
Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste Adaption
Die Frankfurter Buchmesse vergibt den „Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste Adaption“. In diesem Jahr wird der Film „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“ ausgezeichnet. Regisseur und Drehbuchautor ist Volker Schlöndorff. Die Geschichte basiert auf Jenny Erpenbecks gleichnamigem Roman von 2007. Der Film bewahrtedie Genauigkeit und Haltung der Vorlage – und findet Bilder für das, was zwischen den Zeilen liegt: das Verdrängte, das Mitgeschleppte, das Wiederkehrende“, begründet Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, seine Entscheidung.
Der undotierte Preis zeichnet Literaturadaptionen aus, denen es in besonderer Weise gelingt, einen literarischen Stoff originell, eigenständig und dennoch nah an der Vorlage visuell umzusetzen. Die Auswahl erfolgt als „Director’s Choice“.
Schauspielpreis des Hessischen Rundfunks
Der Hessische Rundfunk verleiht den „Schauspielpreis des Hessischen Rundfunks“. Er geht an das neue Ermittlerduo des HR-Tatorts, Melika Foroutan und Edin Hasanovic, die seit Herbst 2025 in Frankfurt ermitteln. „Bei ihren Ermittlungen scheinen komplexe Erfahrungswelten durch, die im Tatort selten so authentisch erzählt wurden“, heißt es in der Jurybegründung.
