
24.03.2026 (pm/red) Am 23. März 1943 wurden 78 Sinti aus Marburg und Umgebung vom Bahnhof aus deportiert. Sie waren zwischen zwei Monaten und 67 Jahre alt. Sie wurden in Viehwaggons in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Nur zwei von ihnen überlebten den nationalsozialistischen Massenmord.
„Gedenktage sind Tage der Erinnerung und des Wissens, was passieren konnte und passieren kann“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei der Gedenkveranstaltung. Wer aus der Geschichte lernen wolle, müsse sich fragen, wie alles begonnen habe. „Es ist wichtig zu erinnern und zu ermahnen“, betonte er. Zugleich machte Spies deutlich, dass das Gedenken keine rein rückblickende Aufgabe sei: „Dass wir heute gedenken, heißt nicht, dass es vorbei ist. Wir müssen wachsam bleiben.“ Es bestehe die Verpflichtung, nicht zu vergessen und alles dafür zu tun, dass sich die Verbrechen nicht wiederholen.
Die meisten von ihnen wurden später Opfer des nationalsozialistischen Völkermords, dem europaweit mehr als 500.000 Sinti und Roma zum Opfer fielen. Ihr Schicksal steht exemplarisch für die systematische Verfolgung und Ermordung von Minderheiten durch das NS-Regime.
Für den Hessischen Landesverband sprach der stellvertretende Geschäftsführer Rinaldo Strauß. Er betonte, dass Gedenken mehr sein müsse als „ein Eintrag im Kalender“. Es gehe darum, die lokale Geschichte der Menschen weiterzuerzählen und sichtbar zu machen. „Gedenken und Widerstand sind kein stilles Ritual“, sagte Strauß.
Von 78 Opfern überlebten nur zwei
Die Kranzniederlegung fand an der Gedenktafel am ehemaligen Landratsamt in der Barfüßerstraße statt. Zuvor wurden die Namen der deportierten Menschen von Antonio Bau verlesen. Es soll eine Erinnerung daran sein, dass sich hinter der Zahl von 78 Opfern individuelle Lebensgeschichten verbergen, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen.
