
01.07.2026 (pm/red) Blütenreiche Wegeränder, Feldraine und Säume sind wichtige Lebensräume für Tiere wie Insekten aber auch Mäuse und Igel. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Marburg-Biedenkopf bittet daher darum, solche Flächen – wenn möglich – in den verbleibenden Sommermonaten Juli, August nicht zu mähen. Kommunen und Eigentümer sowie Bewirtschafter von Flächen können so einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt leisten.
Gerade in den Sommermonaten erfüllen diese Flächen eine herausragende Funktion für den Erhalt der Artenvielfalt: Blühende Säume bieten zahlreichen Wildbienen, Schmetterlingen, Käfern und anderen Insekten Nahrung, Schutz und Fortpflanzungsmöglichkeiten. Wildbienen und Hummeln finden hier ihren Nektar, Schmetterlingsraupen nutzen die hier wachsenden Pflanzen als Futter und Plätze für die Paarung. Käfer wiederum finden dort ideale Verstecke.
Viele Wildbienenarten sind zudem auf ungestörte Bodenbereiche angewiesen, um ihre Nester anzulegen. Auch zahlreiche weitere Bodenorganismen und Kleintiere profitieren von einer zurückhaltenden Pflege. Studien zeigen, dass Insekten und viele Bodenlebewesen auf strukturreiche und ungestörte Randbereiche angewiesen sind und durch häufiges Mähen solcher Flächen erheblich beeinträchtigt werden können. Als Säume werden Randzonen zwischen zwei Lebensräumen bezeichnet, also zum Beispiel ein Zaun- oder Feldrand.
Wegeränder und Säume wichtige Rückzugsräume
Wegeränder und Säume dienen auch als wichtige Rückzugsräume für bodenbrütende Vogelarten wie Braunkehlchen und Feldlerche. Diese können im dichten Saum am Wegesrand ihre Küken geschützt aufziehen und Amphibien und Kleinsäuger wie Feldhasen, Igel und Mäuse nutzen die hohen Gräser und Stauden als Tagesversteck und suchen dort nach Insekten. Besonders in einer intensiv genutzten Landschaft stellen die Säume und Wegränder wertvolle Vernetzungselemente dar.

Sie verbinden Lebensräume miteinander und ermöglichen Tieren die Wanderung zwischen Nahrungs-, Brut- und Überwinterungsgebieten. Eine gute Vernetzung von Lebensräumen gilt als wesentliche Voraussetzung für den langfristigen Erhalt vieler Tier- und Pflanzenarten.
„Jeder nicht gemähte Wegsaum kann derzeit einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten“, betonen Gabriele Spill-Ebert und Vera El-Sawaf von der Unteren Naturschutzbehörde. „Was auf den ersten Blick ungepflegt erscheinen mag, ist in Wirklichkeit ein wertvoller Lebensraum voller Leben.“
Wo Verkehrssicherheit oder andere zwingende Gründe keine Mahd erfordern, sollte daher möglichst auf einen Schnitt verzichtet werden. Falls eine Mahd notwendig ist, empfiehlt die Naturschutzbehörde eine abschnittsweise und zeitlich gestaffelte Pflege. Dadurch bleiben stets Rückzugsräume und Nahrungsquellen für die Tierwelt erhalten. Wildbienen und Hummeln können die blütenreichen Säume noch als Nahrungsquelle nutzen, Schmetterlinge haben die Möglichkeit, diese Saumstrukturen als „Rendezvous-Plätze“ für die Paarung zu nutzen und Käfer finden hier noch ideale Verstecke.
