Dokumentarfilm: Der lange Abschied von der Kohle

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Wer ist André Shephard? – Nachtrag zum 15. Mai, Internationaler Tag der Kriegsdienstverweigerung

André Shephard am Schild des nach ihm benannten Weges in Mannheim. Foto nn

Marburg 21.5.2017 Gastbeitrag von Ursula Wöll André Shepherd feiert am 21. Mai seinen 40. Geburtstag. Er ist ein ehemaliger GI der US-Armee, der 2007 desertierte. Als Mitglied einer Apache-Hubschrauberstaffel wollte er nicht erneut im Irak-Krieg eingesetzt werden. Vor allem unter dem Eindruck der Geschehnisse in Falludscha floh der schwarze Soldat aus seinem US-Stützpunkt in Bayern. Sein Asyl-Antrag wurde bisher von Deutschland abgelehnt (im November vom Verwaltungsgericht München). Und das, obwohl in unserer Verfassung das Recht auf Kriegsdienst-Verweigerung in Artikel 4 des Grundgesetzes verankert ist. Am 15. Mai, dem Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung, wurde nun in Mannheim eine kleine Straße nach André Shepherd benannt. Sie liegt auf dem Konversionsgelände, einem Areal mit ehemaligen US-Kasernen, das momentan zu friedlichen Zwecken umgebaut wird.

Der André-Shepherd-Weg führt an der ehemaligen Turley-Kaserne vorbei, die nach ihrem Umbau 2016 von einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt bezogen wurde (Samuel Turley war einer der ersten farbigen US-Unteroffiziere, die im Kampf gegen die Nazis fielen). Im Turley-Wohnprojekt wohnen auch zwei syrische Flüchtlingsfamilien. Da der 2004 begonnene Irak-Krieg als der Beginn einer Destabilisierung der gesamten Region betrachtet werden kann, schlug eben dieses Wohnprojekt die Namensgebung vor. Konversion soll nicht nur baulich, sondern auch in den Köpfen stattfinden, von kriegerischen hin zu friedlichen Konfliktlösungen.

Unterstützt wurde die Namensgebung vom Verein Connection e.V., in Offenbach, der sich für das weltweite, auch von der UNO anerkannte Recht auf Kriegsdienst-Verweigerung einsetzt. Die Straße namens „André-Shepherd-Weg“  wurde auch von dem Architekten Francis Kéré begrüßt, der den Wettbewerb der Stadt Mannheim zur Konversion des Kasernen-Areals gewann. Sein Entwurf sieht viel Grün zwischen den ökologischen Umbauten vor. Der in Burkina Faso geborene Architekt mit Büro in Berlin hat 2016 mit der Konversion der Kasernen zu Wohn- und Gewerbezwecken begonnen. Berühmt wurde er durch seine Lehmschulen und sozialen Projekte in Westafrika. Für seine Projekte in europäischen Städten erhielt er ebenfalls viele Preise.

Auch André Shepherd hat bereits viele Auszeichnungen für seine Zivilcourage erhalten, nach dem TAZ-Pantherpreis für Zivilcourage zuletzt im Jahr 2015 den Pro-Asyl-Menschenrechtspreis. Der Deserteur war am 15. Mai in Mannheim bei dem Festakt der Namensgebung anwesend. Er hielt eine Rede, die mit einem Bibel-Zitat endete: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.“

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