Gedenkfahrt von Riga-Komitee mit Teilnehmern aus Kassel

Friedhof und Gedenkstätte Riga-Bikernieki in Lettland. Foto Thomas Merk

30.06.2026 (pm/red) 44 Delegierte von 34 Riga-Städten werden Anfang Juli nach Riga fahren. Als Vertreter Kassels, eine der Gründungsstädte des Riga-Komitees, werden Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Martina van den Hövel-Hanemann und die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Ilana Katz, dabei sein, wird informiert.

Schwerpunkte der Fahrt werden das Gedenken an Deportation und Ermordung jüdischer Menschen in Riga vor 85 Jahren sein sowie die Einweihung der Gedenkstätte Riga-Bikernieki vor 25 Jahren. 

Riga, die lettische Hauptstadt am Ostseestrand, hat eine bewegte Geschichte mit düsteren Kapiteln. Der Erinnerung daran hat sich das Riga-Komitee verschrieben – ein einzigartiges europäisches Städtebündnis, dem unter anderem auch Bochum, Brünn, Dresden, Münster und Wien angehören.

In den Wintermonaten 1941/42 wurden über 25.000 jüdische Kinder, Frauen und Männern aus dem Deutschen Reich nach Riga deportiert, die allermeisten von ihnen wurden dort ermordet. Lange war das kaum bekannt. Allein aus Kassel waren am 9. Dezember 1941 über 1000 Jüdinnen und Juden von Kassel nach Riga deportiert worden. Im Mai 2000 schlossen sich 13 deutsche Städte, aus denen die jüdische Bevölkerung nach Riga deportiert worden waren, zu einem erinnerungskulturellen Städtebündnis zusammen.

Damit übernahmen sie die Aufgabe, an ihre ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürger zu erinnern. Wie Kassel ist auch der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Gründungsmitglied des Riga-Komitees. 

34 Delegationen der Mitgliedsstädte aus drei Ländern werden am 2. Juli die Gedenkorte Rumbula und den Bahnhof Skirotova sowie die Überreste des Konzentrationslagers Jungfernhof besuchen. Dort werden sie gemeinsam mit Ilya Lensky, Direktor des Museums der Juden in Lettland, Kinder von Überlebenden treffen.

Am nächsten Tag werden die Delegierten die Gräber- und Gedenkstätte Riga-Bikernieki besuchen – ein authentischer historischer Ort, der niemanden unberührt lässt. Die 55 Massengräber sind durch steinerne Umrandungen erkennbar gemacht. Auf Steintafeln stehen die Namen der Heimatstädte der Toten. Unterschiedlich hohe Granitstelen sollen an die Menschen erinnern, die sich angesichts ihrer Ermordung zusammendrängten.