Von Fundstücken in der Lahnaue zum Archäologischen Landesmuseum „Zeiteninsel“

30.08.2026 yb | Gastbeitrag mit Andreas Thiedmann | Am 17. Juli 2026 ist südlich von Marburg die Zeiteninsel in Weimar-Argenstein als Archäölogisches Freilichtmuseum im Beisein zahlreicher Gäste aus Politik, Wissenschaft und aus der Region eingeweiht und dem Regelbetrieb mit Besuchern übergeben worden. Im Interview erläutert Andreas Thiedmann die vieljährigen und Entwicklungsschritte für das neue museale Freilichmuseum zwischen Lahnradweg und der B3a von Gießen kommend.

Seit vielen Jahrzehnten gibt es den Abbau von Kieslagerstätten im Lahntal südlich von Marburg. Was kam zuerst – vorweggehende archäologische Erkundungen oder erste zufällige Funde bei Tagebauarbeiten?
Wann sind Sie als Bezirksarchäologe dazu dienstlich tätig geworden?

ThiedmannDie ersten Funde beim Kiesabbau wurden 1994 von Ralph Urz im Zuge seiner Erkundungen zur Auengeschichte zufällig entdeckt. Erst im Nachhinein wurden damit dann archäologische Beobachtungen von 1991 bronzezeitlicher Befunde am Bahnhof in Verbindung gebracht.  Meine Beschäftigung mit dieser damals neuen Archäologie des Lahntals hat schon vor meinem Eintritt in die Bezirksarchäologie 2003 begonnen. 

Verschiedene Bauwerke finden sich verteilt auf dem Gelände der Zeiteninsel und repräsentieren Epochen dortiger Siedlungsgeschichte und Bauweisen. [M] Sternbald-Fotomontage
Ein Merkmal bei Grabungen und Funden ist deren Zugehörigkeit zu verschiedenen Epochen.  Hat dies besonders zur Idee und Umsetzung des besonderen Konzepts als Zeiteninsel beigetragen?

Thiedmann: Die Vielfalt der im Lahntal präsenten archäologischen Kulturen war von Anfang an ein herausragendes Merkmal des Fundplatzes und hat das Konzept maßgeblich geprägt. 
 
Wann haben Sie Idee und Pläne für die Zeiteninsel begonnen zu entwickeln? War Ihnen dabei bereits vor Augen wie, wo und mit welcher Trägerschaft diese Zeitinsel geschaffen werden könnte?

Thiedmann: Seit etwa 1997 habe ich erste Ideen entwickelt, ohne damit bereits auch einen Ort für die Realisierung oder gar konkrete Vorstellung der organisatorischen Strukturen zu haben. Eigentlich und ursprünglich sollte einmal das Museum neben Saalburg und Glauberg ein Bestandteil im Konzept der Landesarchäoloie für ein (dezentrales) Archäologiemuseum Hessen werden. 
 
Als Zeitraum werden 27 Jahre benannt. Ab wann gibt es das Grundstück und die Grundplanung? Ab wann wurde gebaut und was war dafür notwendig? 

Logo der Zeiteninsel mit Angelhaken nach Fundstück

Thiedmann: Die 27 Jahre laufen seit der Erstellung eines ersten Konzeptpapiers, das ich dem Bürgermeister der Gemeind Weimar vorgelegt habe. Das Grundstück wurde erst später etwa Mitte der 2000er gefunden durch die Zusammenarbeit mit Ralph Schneider, dem Planer der ParAllna-Ausgleichsmaßnahme zum Lückenschluss der B 3a. Deren Bau und damit auch die Herstellung unseres Geländes begann 2010. Das erforderte natürlich eine detaillierte Planung des Geländes und seiner Bepflanzung. 

Eine Genossenschaft als Träger, flankiert von einem Förderverein und Verwirklichung auf der Basis wissenschaftlicher Forschungen sind Merkmale der Zeiteninsel. Wie wurden die kommunalen Partner ins Boot geholt? In 2010 waren Sie bereits mit Tapeziertisch und Flyern unterm Sonnenschirm informierend und werbend am Lahnufer in Marburg anzutreffen.

ThiedmannDie Gründung 2009 des Fördervereins war ein wichtiger Schritt, dem Projekt ein Gesicht, eine Struktur zu geben und engagierte Menschen zusammenzuführen. Der persönliche Werbe-Einsatz inzwischen vieler Engagierter war dann insofern erfolgreich, als dass weitere Entscheidungsträger wie OB Egon Vaupel, Landrat Robert Fischbach und v.a. Finanzminister Dr. Schäfer für die Idee gewonnen werden konnten. 

Spatenstich für einen weiteren Bauabschnitt der Zeiteninsel in 2023. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Das Land Hessen hat den Großteil der investiven Kosten zum Bau übernommen. Dazu findet sich der Betrag von sieben Millionen Euro mitgeteilt. Wie sieht es mit den laufenden Kosten für Unterhalt, Betrieb und die Besucher orientierten Angebote wie Führungen, Mitmachkurse und Vorträge aus.?Auf der Webseite der Zeitinsel finden sich vier qualifizierte Mitarbeiterinnen für den Betrieb vorgestellt. 

Thiedmann: Die Baukosten werden i.d.T. Zum größten Teil vom Land Hessen bestritten, aber die kommunalen Partner Landkreis, Stadt MR und Gemeinde Weimar werden mit deutlich mehr als den ursprünglich vereinbarten 10 Prozent beteiligt sein.  
Die lfd. Betriebskosten werden von der Genossenschaft als Betreiber übernommen, wobei die kommunalen Partner maßgebliche Beiträge beisteuern. Unter die Betriebskosten fallen natürlich auch die Personalaufwendungen für die inzwischen mehr als ein Dutzend Mitarbeiter/innen. 

Geschichte zum Anfassen beim Museumtag 2014 auf der Zeiteninsel. Sternbald-Foto

Die Zeiteninsel bietet seit einigen Jahren bereits begleitend zu der baulichen Entstehung viele Termine und Veranstaltungen für Besucher. Dabei engagieren sich zahlreiche Ehrenamtliche in passender Gewandung und mit viel Kenntnis und Können etwa in frühgeschichtlichen Arbeitstechniken. Für den Besuch können Führungen, Projekttage und Aktivmodule wie Funkenschlag, Spinnerei oder Töpferwerkstatt gebucht werden. Sind dabei auch ehrenamtlich Mitarbeiter beteiligt?

Dr. Thiedmann: An unseren musealen Angeboten sind Menschen in vielfältigen Konstellationen und Positionen und Verhältnissen – vom Ehrenamt über Honorar- oder Auftragsentgeltung bis zum regulären Beschäftigungsverhältnis – beteiligt. 
 
Auf der Zeiteninsel kann man kurzweilig einige Stunden an der frischen Luft verbringen. Das macht durchaus hungrig und durstig. Wird es dazu zukünftig Cateringangebote geben? Ist dafür in dem Eröffnungsgebäude bereits eine Küche eingerichtet?

Dr. Thiedmann: Wir werden ein niedrigschwelliges Snackbar-Angebot ausbauen, verweisen für tiefgreifendere kulinarische Bedürfnisse aber auf die ortsansässigen Gastronomiebetriebe Ochsenburg und Cafe Zeitlos. 
 

Das markante Eingangsgebäude zur Zeiteninsel Leistet Kasse, Kiosk, Foyer mit Info, Toiletten, Seminarraum, Verwaltung und weitere Aufgaben. (c) Sternbald Foto 2026

Was fehlt der Zeiteninsel noch und was ist Ihr besonderes Anliegen für dieses ambitionierte Museum – umschwirrt von vielen digitalen Angeboten?

Thiedmann: Neben baulichen Verbesserungen v.a. der Infrastruktur auf dem Gelände werden wir die Angebote für die Besuchenden deutlich ausweiten und vervielfachen: wir wollen unserem Anspruch als analoges Museum zum Anfassen und Mitmachen, ein attraktiver und nachhaltiger Lern- und Erlebnisort für Alle zu sein, unbedingt gerecht werden.

Dr. Andreas Thiedmann war als Archäologe Bediensteter des Landes Hessen mit Dienstort Außenstelle Marburg und ist spiritus rector des nach der Saalburg und Keltenwelt am Glauberg dritten Archäologischen Landesmuseums. Nach Jahren als wissenschaftlicher Projektleiter und wirkt er weiter als kraftvoller Vorstand der Genossenschaft „Zeiteninsel – Archäologisches Freilichtmuseum Marburger Land eG“.