Liste guter Taten für den Alten Botanischer Garten – Südeingang für Behinderte als Kompromiss?

Viele Hundert Stunden ehrenamtliche Arbeit erbringt der Freundeskreis Alter Botanischer Garten für die Gestaltung und Pflege des Heilpflanzenbeets. Foto nn

03.08.2026 (pm/red) „Ohne den Freundeskreis, der sich 1993 gegründet hat, gäbe es den Alten Botanischen Garten in dieser Form heute so überhaupt nicht.“ So lautet die selbstbewußte Feststellung vom  Vorstand des Freundeskreis Alter Botanischer Garten, zu entnehmen der jüngsten Pressemitteilung des Vereins. Einmal mehr geht es um den sogenannten Südeingang, besser gesagt um den Kampf gegen den Südeingang.
Seit Jahren engagiert sich der Freundeskreis Alter Botanischer Garten e.V. um den Alten Botanischen Garten als „Kleinod inmitten unserer Stadt“ zu erhalten. Dazu gehört eine klare Positionierung gegen einen weiteren Zugang. Darüber hat das Marburger. im Juni ausführlich berichtet.

Nachdem der Neue Botanische Garten 1977 auf den Lahnbergen eröffnet wurde, sind zahlreiche Pflanzen und Bäume dem Alten Botanischen Garten entnommen entnommen worden, wird jetzt in Erinnerung gebracht. Danach fand er wenig bis keine Beachtung und wurde sehr vernachlässigt, finanzielle Mittel zur Sachausstattung und Personal seitens der Universität seien stark zurückgefahren wurden. 
Frau Bott gründete daraufhin 1993 den Freundeskreis und erreichte ein Jahr später, dass der Garten als Kulturdenkmal in die Denkmalliste des Landes Hessen eingetragen wurde. Damit waren die Pläne für ein weiteres Parkhaus an dieser Stelle vom Tisch. Unbedingt erwähnenswert sei der Einsatz der damaligen Gärtner, was auch heute noch zutrifft. Die Verbundenheit und Pflege des Gartens war mehr als nur ihr Job, wird in der aktuellen Pressemitteilung erläutert. 

Die Mitgliederzahl des Freundeskreises konnte in der letzten Zeit von 30 auf 120 Gartenfreundinnen und -freunde erhöht werden. Damit einher gegangen ist ein wachsendes ehrenamtliches Engagement. Dazu hat der Freundeskreis eine Übersicht erstellt. 
• Heilpflanzenbeet: jährliche Arbeitsstunden ca. 500 Stunden Pflanzenschilder jährliche Kosten von 300 – 500 €
• Eine Farnecke nach alten Plänen ist im Aufbau
Informationen – Öffentlichkeitsarbeit
www.alterbotgarten-marburg.de   eigene Webseite mit vielfältigen Informationen, dazu aktuelle Nachrichten, Newsletter
• Erstellung und Verbreitung von Flyern, Touristenbüro und Rathaus Fotoserie in der OP über aktuelle Sehenswürdigkeiten 
• Errichtung und ständige aktuelle Bestückung von Schaukästen
Führungen
• etwa 30 pro Jahr für verschiedene Interessentengruppen
Erholung
• Errichtung von 12 Ruhebänken durch Spenden
• Errichtung der Rundbank am Musizierhaus von Schülern der Adolf-Reichwein-
Schule (Finanzierung Universität)
Pflege und Sauberkeit
• Initiierung des Projekts Sauberkeit durch die Praxis GmbH, 3-mal wöchentliche Leerung der Papierkörbe. Die Kosten hierfür, ca. 3.500 jährlich, wurden bis 2023 von der Stadt Marburg übernommen.
• Behältnisse und Bestückung von Hundekotbeuteln
Kunst
• Kunst im alten Garten: Verweilort Hexenbesen (im Entstehen; Kostenplanung: 15.000 € aus der Vereinskasse
Naturschutz
• Planung und Finanzierung eines Insektenhotels; Kostenrahmen 1.700 €
Kooperationen
• Zusammenarbeit mit der Martin-Luther-Schule
• Erstellung des QR-Pfades, Foto-Ausstellung und ein Klima-Projekt
• Kooperation mit dem Naturschutzbund NABU
• Auf Anfrage: Vogelkundliche Führungen, Betreuung  und Reinigung der Nistkästen, Winterfütterung der Vögel

Nachdem sich der Marburger Behindertenbeirat für eine barrierefreie Zugangsmöglichkeit in Gestalt des Südeingangs ausgesprochen hat, bringen nunmehr der der NABU und der Freundeskreis Alter Botanischer Garten einen Kompromissvorschlag in die Diskussion.

Dieser Kompromiss greift eine Anregung von Clemens Beraus, Referent des Beauftragten der Hessischen Landesregierung für Menschen mit Behinderungen, auf. Beraus, selbst Rollstuhlfahrer, hatte bei der Ortsbesichtigung des Petitionsausschusses vorgeschlagen, an der Südgrenze des Gartens lediglich eine Tür und Schloss mit einem sogenannten EURO-Schlüssel einzubauen. „Ein solcher Zugang wäre ausschließlich für berechtigte Nutzerinnen und Nutzer, insbesondere Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer, zugänglich“, erläutert die jüngste Pressemitteilung.

Ein fragwürdiger Kompromiss mit Euro-Schlüssel

Offenbar sieht man sich beim Freundeskreis erheblich unter Druck einem Kompromisssvorschlag zuzustimmen und damit den Widerstand gegen einen weiteren Zugang (Südeingang) aufzugeben. Da inzwischen der Behindertenbeirat der Stadt Marburg erklärt hat, dass ein EURO-Zugang aus seiner Sicht ausreichend sei, wollen NABU und Freundeskreis das Universitätsbauamt jetzt von dieser Kompromisslösung überzeugen. Anhängig ist dabei noch die Anrufung des Petitionsausschusses des Landtags. Darauf hat Wissenschaftsminister Timon Gremmels in einer Stellungnahme verwiesen.

Im Sommer 2026 sieht es damit nicht gut aus für das gut begründeten Schutzvorhaben des Freundeskreis. Es gibt bereits behindertengerechte Zugänge in das Kulturdenkmal Alter Botanischer Garten. Zu befürchten ist, dass eine kostenaufwändige Planung der Universität Verwirklichung findet. „Eine Umsetzung des EURO-Tor-Modells würde den Passanten-Querverkehr durch den Ruhebereich des Alten Botanischen Gartens deutlich reduzieren“, erklärt Hartmut Möller als einer der Petenten.  Die Gartenfreunde haben sich in der Sache an die Landtagsabgeordneten Sebastian Sack
(SPD) und Katrin Schleenbecker (GRÜNE) gewendet um hoffen auf Unterstützung. 

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Wird der umstrittene Südeingang gebaut, wird in jedem Fall weiterer Zugang und Durchgangsverkehr eröffnet. Auf der Webseite findet sich dazu als Einschätzung nachzulesen, dass der Verein mit einer erheblichen Schädigung des Gartendenkmals und seiner in diesem Bereich ältesten Bäume durch den zu erwartenden starken Fußgängerverkehr rechnet.