Defence Hub Nordhessen: „Hervorragende Investitions- und Wachstumschancen“

Von links: Christian Göttlicher (Mitglied des Landtags, CDU), Kassels Oberbürgermeister Dr. Sven Schöller, Staatssekretär Dr. Till Martin Kaesbach (Vorsitzender des Aufsichtsrats der Flughafen GmbH Kassel), Andreas Siebert (Landrat Landkreis Kassel), Regierungspräsident Mark Weinmeister, Dr. Björn Bernhard (Geschäftsführer Rheinmetall Landsysteme GmbH), Dr. Arnd Klein-Zirbes (Hauptgeschäftsführer IHK Kassel-Marburg), Maximilian Bathon (Mitglied des Landtags, CDU), Esther Kalveram (Mitglied des Landtags, SPD), Kai Georg Bachmann (Regionalmanagement Nordhessen GmbH), Mike Mackewitz (Bürgermeister Calden), Jan Pohlmann (Mitglied des Bundestags, CDU) und Lars Ernst (Geschäftsführer Flughafen Kassel GmbH). Foto nn

31.08.2026 (pm/red)  Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg begrüßt die Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding (MoU) zwischen Ministerpräsident Boris Rhein,  Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori und Armin Pappberger, Vorstand Rheinmetall AG,  am Kassel Airport.  Es wird bewertet als außerordentliches positives Zeichen für den Innovations- und Verteidigungsstandort Nordhessen.

Nach dem Fulda-Gap soll kommen der „Defence Hub Nordhessen“

Es soll gehen um und kommen der Aufbau eines sogenannten „Defence Hub Nordhessen“. Rheinmetall beabsichtig nach Angaben der Hessischen Landesregierung dafür in den nächsten Jahren rund 260 Millionen Euro in sein Werk in Kassel und den Kassel Airport zu investieren. Das Land Hessen will diese Investition nach eigenen Angaben mit einem zweistelligen Millionenbetrag unterstützen. Perspektivisch können so über tausend neue Arbeitsplätze in der Region Kassel entstehen, wird verlautbart.
 
Drei wesentliche Elemente tragen demnach  den Defence Hub Nordhessen:
  • Der Ausbau des Kasseler Rheinmetall-Werks
  • Ein neues vom Land Hessen gefördertes Logistik- und Technologie Zentrum von Rheinmetall am Kassel Airport
  • Der Aufbau eines eigenen Drohnentestzentrums von Rheinmetall.
Bereits im August wurde in Calden das Hessische Drohnenkompetenzzentrum (HDKZ) vorgestellt, wird mitgeteilt. Die IHK Kassel-Marburg erkenne in dem neuen Hub hervorragende Investitions- und Wachstumschancen, die weit über die Region Kassel hinausgehen würden, wird mitgeteilt.

Im konstruktiven Miteinander von Politik und Wirtschaft zum Rüstungsgipfel

Verlautbart wird im wortreichen Militär-Wording  „ein konstruktives Miteinander von Politik und Wirtschaft“ als „Ausdruck zukunftsgerichteten politischen Handelns“ wobei die „Landesregierung Rüstungsgipfel“ unverdrossen und geschichtsvergessen organisiert.
 
Der Kassel Airport entwickele sich mit hoher Geschwindigkeit als multifunktionaler Infrastrukturstandort, unterstreicht der IHK-Hauptgeschäftsführer, IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Arnd Klein-Zirbe, zugleich  Mitglied des Aufsichtsrates des Kassel Airport.  Er dankt allen Beteiligten, die den „strategischen Meilenstein Defence Hub Nordhessen“ möglich gemacht haben.
Rheinmetall-Chef Armin Papperger, Ministerpräsident Boris Rhein und Hessens Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident Kaweh Mansoori. Foto nn

Der mit 260 Millioen Euro gebaute Kassel Airport als bisheriger Verlustbringer, von dem sehr wenige Ferienflieger starten, erfährt eine Gegen-Konversion. Dort sind dann Drohnen angesagt, Drohnenabwehr, High-Tec und 1.000 neue Jobs. Die Deindustrialisierung in Deutschland mit jährlichem Verlust von ca. 125.000 besten Industriearbeitsplätzen schreitet ungebrochen voran. Bei Volkswagen alleine drohen 50.000 Arbeitsplätze verloren zu gehen. Im nordhessischen VW-Standort Baunatal arbeiten (noch) rund 17.000 Beschäftigte. Viele blicken bang in die Zukunft.

Redaktionelle Anmerkungen

In 2026 serviert – auch der neue Oberbürgermeister Dr. Sven Schöller – pünktlich zum 1. September, dem weltweiten Antikriegstag, ein beispielloses Rüstungsprogramm für seine documenta-Stadt. 
Währenddessen verhandelt die IG Metall für 900 Beschäftigten im Kasseler Alstom-Werk, wo zivile und nützliche Lokomotiven gebaut werden, mit Vertretern von Rheinmetall. Diese will das Lokomotiven-Werk aufkaufen und zur Panzerproduktion umrüsten.   
Am 22. Oktober lädt die Stadt wie all die Jahre zuvor wieder zum Gedenkveranstaltungen an 1943, als Britische Bomber Kassel in Schutt und Asche gelegt haben und Tausende Bewohner elendig krepiert sind. Nicht wenige Menschen sehen die beispiellose Transformation von Kassel zum Rüstungsschwerpunkt mit wachsenden Sorgen. Leserbriefschreiber in der HNA erinnern an den Untergang Kassels im Zeiten Weltkrieg.

„Deutschland, siehst du das nicht?“  fragt der Fernsehschauspieler Roman Knižka in einem Literaturkonzert am 16. September Bürgerhaus Breidenbach im Marburger Hinterland. Das ist weit weg von Kassel. Weit weg und vergessen scheint auch die Geschichte und Zerstörung Kassels als Rüstungsstandort im Zweiten Weltkrieg. In Marburg, Kassel und vielen anderen deutschen Städten halten Friedensfreunde am 1. September dagegen. Sie gehen mit Friedensfahnen und Warntransparenten auf die Straßen. Übrigens ist in Kassel die Zentrale des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ansässig. Dort hat man nach wie vor viel zu tun mit Umbettungen und Pflege der Friedhöfe und Gedenkstätten für Millionen und Millionen im Krieg 1939 bis 1945 getöteten Soldaten. Nahe gelegenen finden sich die Arolsen Archives, das größte Archiv über Opfer und Überlebende des Nationalsozialismus, welches sich ungebremster Nachfragen erfreut.