Rund 105.000 Studierende warten auf Wohnheimplatz bei einem Studierendenwerk

Das Wohnheim Franz Lambert im Studentendorf Marburg. Sternbald-Archivfoto

26.09.2026 (pm/red) 105.016 Studierende stehen auf Wartelisten für einen Wohnheimplatz bei einem Studierendenwerk. Das ist das Ergebnis einer Abfrage des Deutschen Studierendenwerks bei seinen Mitgliedern, den 57 Studierenden- und Studentenwerken in Deutschland. Stichtag war der 15. September 2026.

„Der Kostendruck durch die Miete droht viele Studierende zu erdrücken und sorgt für extrem lange Wartelisten bei den Wohnheimen der Studierendenwerke“ erläutert DSW-Vorstandsvorsitzender Matthias Anbuhl.

 Am Längsten sind diese Listen bei den Studierendenwerken Aachen und München Oberbayern mit 11.170 und 10.812 Studierenden. In einer Aufschlüsselung nach Bundesland warten in Nordrhein-Westfalen und Bayern mit 38.596 bzw. 19.527 besonders viele Studierende auf einen Wohnheimplatz im Studierendenwerk.

In Hessen stehen insgesamt 9.563 Studierende auf Warteloist. Beim Studentenwerk Marburg sind es 400, in Frankfurt am Main 2.684, Kassel 618, Gießen 2.008 und beim Studierendenwerk Darmstadt sind 3.853 gelistet.

„Der Mietendruck auf dem freien Wohnungsmarkt bleibt enorm hoch. Gerade zu Beginn des Wintersemesters strömen zehntausende neuer Erstsemester in die Hochschulstädte und brauchen eine bezahlbare Unterkunft. Der Kostendruck durch die Miete droht viele Studierende zu erdrücken und sorgt für extrem lange Wartelisten bei den Wohnheimen der Studierendenwerke“ kommentiert Matthias Anbuhl, der DSW-Vorstandsvorsitzende.

Es finde eine neue Form der sozialen Auslese statt: Nicht das Talent oder Interesse bestimme, an welcher Hochschule man studiert, sondern die Frage, ob der oder die Betreffende die Miete in der Stadt sich überhaupt leisten könne. Die Bildungsgerechtigkeit in Deutschland werde dadurch de facto ausgehebelt.

196.000 Wohnheimplätzen werden von Studierendenwerken vorgehalten

Die Studierendenwerke stemmen sich mit ihren rund 196.000 Wohnheimplätzen gegen diese Entwicklung. Bei ihnen kostet der Wohnplatz im Bundesdurchschnitt 330 Euro und damit deutlich weniger als die 510 Euro, die Studierende auf dem freien Wohnungsmarkt für ein WG-Zimmer ausgeben müssen. Auf den Gesamtbedarf an studentischen Wohnraum gerechnet, können sie aber nur etwa zehn Prozent der Studierenden mit einer Unterkunft versorgen. Die Folge sind diese extremen Wartelisten und ein enormer sozialer Druck bei den Studierenden.