Marburger Stiftung HOFFNUNG13 vergibt Stipendien an junge Musiker in Ukraine
14.01.2026 (pm/red) Seit 2018 fördert die in Marburg ansässige Stiftung Hoffnung13 finanziell Großprojekte u.a. im Irak, Palästina, Bethlehem, Sierra Leone, Nicaragua und Kolumbien. Kindern und Jugendlichen in und aus Krisen- und Kriegsgebieten wurden Angebote mit Musik, Tanz, Theater und Kunst unter fachlicher Anleitung als Wege zur Bewältigung von Traumata angeboten, wird berichtet.
Gefördert werden Kinder aus der Ukraine, für die die Stiftung zwei besondere Förderprogramme bewilligte – nachdem mit ihrer Hilfe bereits seit einigen Jahren ukrainische Kinder an der Marburger Musikschule unterrichtet werden. Nachstehend weiter aus dem dem Siftungsbericht:
Stipendien an Mitglieder des Jugend Sinfonie Orchesters Ukraine
Das Youth Symphony Orchestra of Ukraine wurde 2016 von der Dirigentin Oksana Lyniv nach dem Vorbild des deutschen Bundesjugendorchesters gegründet. Die im ersten Jahr geförderten fünf Musikerinnen und Musiker im Alter zwischen 16- und 21 Jahren wollen trotz traumatischer Erfahrungen ihre Ausbildung fortsetzen – obwohl es derzeit im durch Bomben zerstörten Land wenig Spielgelegenheit gibt und Orchester wie das in Mariupol geschlossen wurden und das Musikstudium oft unterbrochen werden musste.
Der Posaunist Mykhailo: „Ich wünsche mir aufrichtig, dass ukrainische Kultur und Musik weiterwachsen, damit junge Musiker das Gefühl haben, in ihrem eigenen Land gebraucht zu werden, und nicht gezwungen werden, im Ausland nach Chancen zu suchen. Ich studiere und arbeite weiter, weil ich glaube, dass Musik eine Kraft ist, die Menschen selbst in den dunkelsten Zeiten unterstützen kann“.
Die Erzählungen der jungen ukrainischen Musiker zeichnen ein Bild von Resilienz und künstlerischer Hingabe inmitten des Krieges. Obwohl sie aus unterschiedlichen Regionen stammen und verschiedene Instrumente spielen, teilen sie tiefgreifende traumatische Erfahrungen und den festen Entschluss, ihre musikalische Ausbildung fortzusetzen.
Sie berichten von extremen persönlichen Härten, die durch die russische Invasion verursacht wurden: Eine junge Geigerin erlebte einen Raketeneinschlag in ihr Wohnhaus und musste über Monate in Ruinen ohne Heizung oder Wasser leben. Kateryna S. (18, ebenfalls Geige) lebte sechs Monate unter Besatzung in Cherson.
Der junge Posaunist Mykhailo H. (21) verlor seinen Bruder im Krieg; sein Vater ist als Soldat noch in medizinischer Behandlung und erhält kaum finanzielle Unterstützung. Veronika O‘s. (19) Vater dient ebenfalls an der Front.
Alina N. (15, Cello) lebt unter ständigem Beschuss nahe einer Raketenfabrik und ihre Mutter wurde zudem von ihrem Vater mit Schulden zurückgelassen. Fast alle Musiker berichten, dass sie mit geringen Auftrittsverdiensten zum Lebensunterhalt ihrer Familien beitragen, weil ihre Eltern arbeitslos bzw. geringverdienend sind. Sie werden jetzt durch monatliche Stipendien von der Stiftung Hoffnung13 gefördert.
Trotz der widrigen Umstände halten sie an ihrer Ausbildung an verschiedenen Akademien (z. B. in Kiew, Odessa, Dnipro und Lwiw) fest, aber sie haben viele Probleme: Manche Schulungseinrichtung wurde geschlossen, der Bombenhagel bedingt Umzüge in andere Städte und es fehlt auch an eigenen Musikinstrumenten. Für Konzerte und Unterricht müssen sie geliehen werden.
Viele spielen bereits in Orchestern, wie dem Youth Symphony Orchestra of Ukraine (YSOU) unter Oksana Lyniv, oder arbeiten neben dem Studium in anderen Orchestern, um zu überleben. Einige waren auch schon in Deutschland unterwegs. Da viele Musiker und Musikerinnen bisher im Krieg umkamen oder ins Ausland gegangen sind, erwarten die jungen Nachwuchskräfte nach dem Krieg gute berufliche Chancen in der Ukraine.
In der Kunst sehen die Musiker eine Kraft, die Hoffnung spendet: Veronika möchte die ukrainische Kultur auf internationalen Bühnen vertreten, um zu zeigen, dass die Kunst auch im Krieg weiterlebt. „Ich möchte die Menschen mit meinem Geigenspiel begeistern und mit ihm der Welt das Schicksal meiner Heimat erzählen.“
Kateryna entdeckte erst während ihrer Flucht vor den Panzern den Kontrabass als ihre wahre Berufung. Alina strebt danach, eine erstklassige Cellistin zu werden, deren Spiel Menschen inspiriert. Yelyzaveta hat sich zum Ziel gesetzt, die klassische Musik in ihrem Land und darüber hinaus zu bewahren.
Die Stipendien von Hoffnung13 dienen primär dazu, die finanzielle Last zu mindern, damit mehr Zeit für das Üben und die künstlerische Entwicklung bleibt. Sie sollen auch in kleinem Umfang helfen, Grundbedürfnisse der Familien zu decken und Bildungschancen (wie Auslandsstudien oder Meisterklassen) wahrzunehmen.
Diese jungen Menschen sind wie zarte Pflänzchen, die versuchen, durch den Asphalt eines Schlachtfeldes zum Licht zu wachsen: Trotz der Zerstörung um sie herum halten sie an der Schönheit der Musik fest, um sowohl ihre Familien als auch ihre nationale Identität zu stützen.
Ein anderes von der Stiftung mitfinanziertes großes Projekt startete bereits 2025 und will mit Bewegung, Spiel und Kunst Stressabbau und Traumahilfe für kriegsbetroffene Kinder, Jugendliche und Bezugspersonen in Charkiw, Cherson, Saporischschja, Dnipropetrowsk und Transkarpatien bewirken.
Dieses Projekt der Humanitären Hilfe von Libereco und terre des hommes in der Ukraine zielt darauf ab, Kindern, Jugendlichen, Betreuern, Freiwilligen und Fachkräften, die mit Kindern arbeiten, traumainformierte Unterstützung zu bieten. Das Projekt erreicht 650 Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren, 310 Jugendliche im Alter von 13-17 Jahren, 50 junge Erwachsene im Alter von 18-25 Jahren, ihre Familien und Betreuungspersonen sowie Fachkräfte.


