Arbeitszeitgesetz abschaffen – Deregulierung als Schrittmacher zum 12 Stundentag?
18.08.2026 (pm/red) Bundeskanzler Friedrich Merz spricht davon, das Arbeitszeitgesetz abzuschaffen. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung findet sich dazu, dass die Höchstarbeitszeit nicht mehr pro Tag, sondern pro Woche geregelt werden soll.
Dadurch würden Arbeitstage von zeitweilig mehr als 12 Stunden möglich, wird von Forschern des des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) zu Bedenken gegeben.
Als Ziele einer Deregulierung werden unter anderem wirtschaftliche Impulse, mehr Flexibilität und eine Stabilisierung des Arbeitsvolumens trotz demografischen Wandels benannt.
Doch es sei höchst zweifelhaft, dass solche Ziele erreicht werden, analysieren Forscher der Hans-Böckler-Stiftung und anderer Einrichtungen in verschiedenen Untersuchungen.
- Erstens könne eine weitgehende Lockerung der täglichen Erwerbs-Arbeitszeit bestehende gesundheitliche Probleme in der Erwerbsbevölkerung verschärfen, was das Arbeitspotenzial schwächen statt stärken würde.
- Zweitens würde sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter verschlechtern, was insbesondere die Teilnahme von Frauen am Erwerbsleben einschränken würde.
Negative Folgen für Erholung und Gesundheit
Drei Viertel der Beschäftigten rechnen in einer aktuellen Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) mit negativen Folgen für Erholung und Gesundheit, für die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familienleben sowie für die Organisation ihres Alltags, wenn generell Arbeitstage von mehr als zehn Stunden möglich werden.
Zugleich würden die Antworten der mehr als 2.000 Befragten auch zeigen, dass sehr lange und flexible Arbeitszeiten in Deutschland längst verbreitet sind. Die geltende Rechtslage biete Unternehmen bereits hohe Flexibilität.
„Das Arbeitszeitgesetz ist ein wichtiges Arbeitsschutzgesetz“, betont Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI.
„Eine Arbeitszeitderegulierung, die Erkenntnisse von Arbeitsmedizin und Arbeitsforschung ausblendet und an der sozialen Realität vorbeigeht, dürfte wirtschaftlich sogar kontraproduktiv wirken. Denn sie würde gerade jene Entwicklungen bremsen, die in den vergangenen Jahren wesentlich zu Rekordwerten bei Erwerbstätigkeit und Arbeitsvolumen beigetragen haben, und gleichzeitig Probleme bei Gesundheit und Demografie verschärfen“, so Kohlrausch.


