
05.08.2026 (wm/red) Der Klimawandel verändert die Verbreitungsgebiete von Schmetterlingen weltweit stärker als bislang bekannt. Eine internationale Studie unter Leitung der Monash University (Melbourne/Australien) hat erstmals Daten zu 1.758 Schmetterlingsarten aus 105 Ländern zusammengeführt und zeigt: Rund jede zehnte bekannte Schmetterlingsart hat ihr Verbreitungsgebiet bereits verändert. In fast 80 Prozent der dokumentierten Fälle stehen diese Verschiebungen mit Klimawandel und Extremwetterereignissen in Verbindung, wird berichtet.
An der im Fachmagazin Nature Ecology & Evolution veröffentlichten Studie war der Marburger Biodiversitätsforscher Dr. Stefan Pinkert beteiligt. Er trug maßgeblich dazu bei, weltweit verstreute Verbreitungsdaten und unterschiedliche taxonomische Informationen zu harmonisieren und zur bisher umfangreichsten Erfassung von Arealverschiebungen bei Insekten zusammenzuführen.
Tausende Beobachtungen über Jahrzehnte erfasst
Für die Studie wertete das 68-köpfige, internationale Forschungsteam mehr als 6.000 dokumentierte Arealverschiebungen aus wissenschaftlichen Publikationen, Museumsdaten und Expertinnen- und Expertenwissen aus. Eine besondere Herausforderung bestand darin, die Daten aus unterschiedlichen Quellen vergleichbar zu machen. Arten wurden in verschiedenen Ländern und Datensätzen oft unter unterschiedlichen wissenschaftlichen Namen geführt. So mussten die Forschenden die rund 113.000 Namen mit rund 19.000 Arten abgleichen.
„Unsere Aufgabe in Marburg bestand darin, die weltweiten Verbreitungsdaten von Schmetterlingen zu harmonisieren und die zugrunde liegende Taxonomie zu vereinheitlichen. Erst dadurch ließ sich aus tausenden Einzelbeobachtungen ein weltweit vergleichbarer Datensatz erstellen“, sagt Stefan Pinkert. „Indem wir jahrzehntelang verstreute Beobachtungen in einer gemeinsamen Datenbasis zusammengeführt haben, können wir erstmals globale Muster der Arealverschiebungen und ihre Ursachen erkennen.“
Schmetterlings als Frühwarnindikatoren für den Klimawandel
„Schmetterlinge sind wichtige Frühwarnindikatoren für den Zustand unserer Ökosysteme. Wenn sich ihre Verbreitungsgebiete so stark verschieben, zeigt das, wie tiefgreifend der Klimawandel bereits in natürliche Lebensgemeinschaften eingreift“, kommentiert der federführende Forscher Dr. Shawan Chowdhury von der Monash Universität im australischen Melbourne. Die Ergebnisse zeigen zugleich große Wissenslücken. Vor allem in tropischen Regionen fehlen bislang ausreichend hochwertige Verbreitungsdaten, obwohl dort der Großteil der weltweiten Schmetterlingsvielfalt vorkommt.
Die Forscher fordern deshalb einen deutlichen Ausbau des Biodiversitätsmonitorings sowie eine stärkere Digitalisierung von Sammlungsbeständen und die Einbindung regionaler Forschung. „Unsere Studie ist ein wichtiger Schritt, um den weltweiten Insektenrückgang besser zu verstehen“, sagt Pinkert. „Sie zeigt aber auch, wie dringend wir insbesondere in den Tropen mehr Daten benötigen. Ohne belastbare Grundlagen werden wir Veränderungen zu spät erkennen und Schutzmaßnahmen nicht wirksam planen können.“
Originalpublikation: https://www.nature.com/articles/s41559-026-03117-y
