
Landrat Jens Womelsdorf und Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies machten damit den Weg frei für Besucher der Zeiteninsel als Archäologisches Freilichtmuseum im Marburger Land. Am Eröffnungswochenende 18. und 19. Juli 2026 stand dem Team um Zeiteninsel-Koordinatorin Heidi Geschwind, rechts, mit zahlreichen Ehrenamtlichen eine erste Belastungsphase unter Echtzeitbedingungen bevor. Foto Patricia Grähling.
18.07.2026 (yb) Nach vieljährigen Planungs- und Bauzeiten wurde am 17. Juli die Zeiteninsel in Weimar-Argenstein als Archäölogisches Freilichtmuseum im Beisein zahlreicher Gäste aus Politik, Wissenschaft und aus der Region eingeweiht und dem Regelbetrieb mit Besuchern übergeben. Spuren und Fundstücke aus 11.000 Jahren menschlicher Siedlungs- und Kulturgeschichte im Lahntal sind Grundstock dieses neuen Themenmuseums, das mit fünf Zeitstationen von der Mittelsteinzeit (9000 v. Chr.) zur Jungsteinzeit zur Bronzeit (um 1.000 c. Chr.) die Eisenzeit (450 v. Chr.) bis in die Römerzeit (um 0) frühe Geschichte in Baugruppen rekonstruiert und anschaulich werden lässt. Ein multifunktionale Empfangsgebäude geleitet in das mit Wasserkörpern gegliederte Gelände, wo großformatige Infotafeln Orientierung und Einstiege bieten.
Wer die Universitätsstadt Marburg auf dem Lahnradweg Richtung Süden verlässt, erlebt nach Passage der Lahnpforte eine landschaftliche Öffnung hin zur flachen Auenlandschaft des Lahntals und gelangt in das Gebiet der Gemeinde Weimar. Der Radweg erfährt verschiedene Versetzungen, die dem dort seit Jahrzehnten umgehenden Abbau von Lahnkies geschuldet sind. Auf einigen Quadratkilometern früheren Lahnschwemmlands wurde und wird großräumig wandernd Kies im Tagebau abgebaut. Im Zuge der Oberflächenarbeiten zum Abtrag des fruchtbaren Acker- und Wiesenlands über Kieslagerstätten, kam es vermehrt zu archäologischen Funden. Dies hat das Landesamt für Denkmalpflege auf den Plan gerufen. Damit erwuchsen in der Marburger Außenstelle in der Ketzerbach Dr. Andreas Thiedmann dienstliche Tätigkeiten für dem Kiesabbau vorweg gehenden archäologischen Grabungen, Untersuchungen und Sicherungsmaßnahmen. Die anwachsende Zahl und Spezies von Funden aus frühgeschichtliichen Siedlungen in dieser Auenlandschaft zeitigten Folgen.
Nach rund 30 Jahren sind Idee, Planungen und Baulichkeiten auf einem 35.000 qm großen Gelände am Ortsrand von Weimar-Argenstein nunmehr vollendet worden. Zeiteninsel wurde zugleich als Begriff wie als Name gewählt. In Hoheit und mit maßgeblicher investiver Finanzierung des Landes Hessen wurde mit dem Landkreis, der Kommune Weimar/Lahn und der benachbarten Stadt Marburg via Genossenschaftsgründung und Förderverein ein Betreibermodell in weitgehend kommunaler Trägerschaft erfolgreich Schritt für Schritt entwickelt.

Zahlreiche meist mit Schilf gedeckte Holzbauten laden zum Eintreten zugleich in die verschiedenen Epochen der Siedlungsgeschichte im Lahntal, die in ungewöhnlicher Verdichtung nach langjährigen Sichtungen und archäologischen Beschreibungen wissenschaftlich dokumentiert, zugeordnet und numehr besucherorientiert präsentiert werden können. Imposant mutet besonders das Langhaus der Rössener Kultur an, in dem regelmäßig Veranstaltungen Interessierte erwarten.

Archäologie als Menschengeschichte lebendig vermitteln
Weitere rekonstruierte auch kleinere Gebäude mit Feuerstellen und verschiedenen handwerklichen Vorrichtungen erwarten jüngere und ältere Besucher. Als Behausungen aus der Mittelsteinzeit, der Jungsteinzeit, der Bronzezeit, der Eisenzeit und der Römerzeit vergegenwärtigen sie vergangene Lebenswelten. Bei Themenangeboten wie Funkenschlag, Spinnerei, Steinzeitjagd oder Töpfern wird zum Mitmachen eingeladen. Dabei gehören museumspädagogische Angebote für Schulklassen, Gruppenführungen und Kindergeburtstage zum Repertoire dieses oftmals haptischen und Erlebnis orientierten Freilichtmuseums. Nicht alleine am Eröffnungswochenende treten dabei ehrenamtliche Experten – teils von weither angereist – mit in Aktion und leiten an zum Mitmachen.

Im Marburger Land ist damit ein beachtliches Großprojekt nicht zuletzt auf Basis von Kompensationszahlungen für Straßenbau mit umsichtiger Planung und klugem professionellem Management Wirklichkeit geworden. Bei der Einweihung brachten dies Beteiligte und Offizielle in ihren Worten zum Ausdruck.
„Nach 27 Jahren der Projektentwicklung diesen Meilenstein der Eröffnung in den musealen Regelbetrieb erreicht zu haben, stimmt mich, die kommunalen Partner und alle Beteiligten ungemein froh!“, artikulierte Projektbegründer Dr. Andreas Thiedmann.
„Die Zeiteninsel zeigt, wie Menschen über Jahrtausende gelebt, gearbeitet und ihre Umwelt gestaltet haben. Damit macht sie archäologische Forschung für alle erlebbar und bereichert die hessische Museumslandschaft enorm“, so Wissenschafts- und Kulturminister Timon Gremmels.
„Viele archäologische Museen haben sich einer zeitlichen Epoche verschrieben, hier ist das anders und die Zeiteninsel stellt damit an einem authentischen Ort ein besonderes Erlebnis dar, wenn man sogar in fünf Zeitstationen aus der Zeit der Germanen bis hin zu einem Jagdlager vor 11.000 Jahren, Einblicke in damalige Lebensverhältnisse bekommen kann,“ betonte Landrat Jens Womelsdorf.
„Ich bin sicher, die Zeiteninsel wird der neue Lieblingsort für Familien – ein Platz, an dem man Geschichte anfassen und erleben kann. Er macht Vor- und Frühgeschichte sinnlich erfahrbar – und erweitert die Museumslandschaft rund um Marburg um ein besonderes Erlebnis. Ein Ziel ist, dass unsere Schulen die Zeiteninsel regelmäßig als Lernort nutzen, damit Marburger Kinder Geschichte nicht nur im Unterricht hören, sondern auch draußen erleben,“ akzentuierte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies.
„Ich freue mich, dass sich nach jahrelanger Projekt- und Bauzeit nun endlich die Besucherinnen und Besucher auf eine einzigartige Zeitreise begeben können. Die Zeiteninsel wird eine Strahlkraft weit über unsere Region hinaus entfalten,“ zeigte sich Weimars Bürgermeister Markus Herrmann selbstbewußt.
Die Zeiteninsel lässt sich mit PKW über die B3 via Abfahrt Weimar erreichen, Parkplatz nahe Gasthaus Ochsenburg. Vom Bahnhof in Niederweimar sind es 20 Minuten zu Fuß. Umittelbar passiert der Lahnradweg. Bis zum 30. November 2026 gelten als Öffnungszeiten Di bis So – 10 bis 18 Uhr. Online Zeiteninsel.de
Den von der Zeiteninsel mit dem Fahrrad gen Marburg nordwärts Radelnden kommt nach Passage des Kieswerks mit seinen hochgetürmten Bodenschätzen dann in der Lahnpforte zuerst das Marburger Landgrafenschloss in den Blick. Auch dafür exisitieren längst Sanierungs- und neue Nutzungspläne. Im Unterschied dazu hat die Zeiteninsel ein günstiges Zeitfenster erwischt. Ehe es auf dem Schlossberg losgehen kann, werden angesichts defizitärer Kassenlage bei Land und Kommunen wohl längst die 2030er Jahre begonnen haben.

