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Über den Wert der Sozialwirtschaft – Studie von Liga der Freien Wohlfahrtspflege

Annette Wippermann von der Liga Freie Wohlfahrtspflege referierte zur Sozialwirtschaftsstudie, rechts Rainer Dolle, Arbeit und bildung e.V.. Foto nn

Marburg 31.3.2017 (pm/red) Die Sozialwirtschaft kostet nur Geld und produziert nichts. Um dieser gängigen Meinung entgegenzuwirken, hat die Liga der Freien Wohlfahrtspflege eine Studie erstellen lassen. Sie wurde im Rahmen der Liga-Aktionswoche unter dem Motto „Wir sind Gesellschaft“ in 17 Einrichtungen hessenweit vorgestellt – am vergangenen Mittwoch mit dem Verein Arbeit und Bildung e.V. im Marburger Rathaus. Dies nahm Oberbürgermeister Spies zum Anlass, Marburg als das „soziale Herz“ Deutschlands zu würdigen. Nirgends werde der Sozialwirtschaft so viel Bedeutung geschenkt. Dennoch habe sie eine weitgehend unterschätzte Bedeutung.

Welcher Nutzen und welche sozialstaatlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen die Freie Wohlfahrtspflege in Hessen nun tatsächlich hat, veranschaulichte
von der Liga der Wohlfahrtspflege und Rainer Dolle, Geschäftsführer von Arbeit und Bildung e.V.. Wippermann referierte dabei über wesentliche Punkte aus der „Sozialwirtschaftsstudie Hessen“.

Am Beispiel der Flüchtlingshilfe zeigte sich besonders deutlich: Die Wohlfahrtsverbände reagierten am schnellsten, schafften Betreuungsangebote, Sozialarbeit und koordinierten freiwillig Engagierte. Gerade zu Krisenzeiten schaffen die Wohlfahrtsverbände gesellschaftliche Stabilität. Sie sorgen als integrative Kraft aktiv für den Zusammenhalt in der Gesellschaft, haben aber auch ein wirtschaftliches Gewicht“ erläutert Wippermann.

In 7300 Einrichtungen arbeiteten 2015 rund 112.800 Beschäftigte zusammen mit 160.000 Ehrenamtlichen in der Freien Wohlfahrtspflege. Fast 10 mal mehr Beschäftigte erwirtschafteten dreimal so viel Bruttowertschöpfung als im Maschinenbau. „Geredet wird aber vor allem über Opel, und nicht über unsere Altenpflege, Krankenhäuser und Beschäftigungsgesellschaften“ bedauert dabei die Referentin.
Ehrenamtliche spielen in der Sozialwirtschaft eine große Rolle. Jede/r ehrenamtlich Engagierte zum Beispiel in der Altenhilfe bringe einen monetären Mehrwert von 1.300 € pro Jahr.

Die Kosten-Nutzen-Analyse (Social Return on Investment) zeige, dass öffentliche Gelder für die soziale Arbeit sinnvoll investiert werden: am Beispiel der Schuldnerberatung wurde errechnet, dass jeder investierte Euro einen Return im Wert von 6,60 € erbringt.
Die Studie belegt also: Soziale Arbeit lohnt sich auch finanziell. Die Verbände sind nicht nur Dienstleister, Arbeitgeber und Solidaritätsstifter. Sie reinvestieren ihre Mittel in die soziale Arbeit, veranlassen Anschlussaufträge an die Privatwirtschaft und sparen der öffentlichen Hand Geld.

Die heimischen Landtagsabgeordneten (anwesend Handan Özgüven von der SPD, Grußworte durch Finanzminister Schäfer CDU und Angela Dorn Grüne) brachten ihren großen Respekt vor den Leistungen der Sozialbranche zum Ausdruck.

Für Rainer Dolle, Geschäftsführer von Arbeit und Bildung e.V., war zum Abschluss  der Veranstaltung diese Botschaft wichtig: „Die Studie zeigt, dass die Sozialwirtschaft nicht nur Kosten verursacht, sondern neben dem stabilisierenden sozialen und gesellschaftlichen Mehrwert auch einen monetären und wirtschaftlichen Nutzen mit sich bringt. Es wäre schön, wenn politisch Verantwortliche mit den Einrichtungen der Wohlfahrtspflege leichter partnerschaftlich  und gestaltend zusammenarbeiten würden und wir als soziale Einrichtungen mehr Gehör finden.“

Hintergrund
Die Liga der Wohlfahrtspflege ist ein Zusammenschluss der sechs großen Wohlfahrtsverbände in Hessen: AWO, Caritas, Diakonie, Parität, Deutsches Rotes Kreuz und der Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen. Zusammen haben sie mehr als 7.300 Einrichtungen mit und 113.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sowie rund 160.000 ehrenamtlich Engagierte. Die Studie wurde im Rahmen einer hessenweiten Aktionswoche „Wir sind Gesellschaft“ vom 27. – 31.3.2017 in 17 Einrichtungen vorgestellt.
Weitere Infos unter www.liga-hessen.de.