Sommer-Sonntag 2020 im Bergpark Willhelmshöhe

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NATO-Manöver „Defender-Europe 20“ – Wann kommt die Absage?

Kassel 12.03.2020 (red) Angesichts des neuen Coronavirus werden bundesweit größere Veranstaltungen abgesagt. Ob in Halle, Kassel, Marburg, in anderen Städten, bis zum sehr weitgehenden Shut-Down in ganz Italien überschlagen sich die Meldungen zu Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie.   Ab Freitag, 13. März ist allen EU-Bürgern die „Einreise in die USA wegen möglicher Ansteckungsgefahr“ per Dekret durch US-Präsident Donald Trump untersagt worden. Bisher offenbar völlig ungeachtet der Gefahren und Risiken der aktuellen weltweiten Pandemie gehen die Vorbereitungen zum NATO-Manöver „Defender-Europe 20“ in Europa statt. Dabei geht es um riesige Truppenverlegungen nach und in Europa, die in den kommenden Wochen 37.000 NATO-Soldaten in die Nähe der Grenzen zu Russland bewegen sollen. 20.000 Angehörige der US-Army samt Panzer und dazugehörigem Material sollen an die Ostgrenze der NATO ins Baltikum verlegt werden. Bei allen Verlautbarungen zur Besorgtheit und Schutz der Bevölkerung von unseren Politikern konnte bisher noch keine Äußerung zur Absage dieses fragwürdigen Großmanövers vernommen werden.

Abgesehen von der hoch problematischen Ausrichtung dieses Manövers als Maßnahme gegen den alten und neuen „Feind Russland“, läuft dessen Verwirklichung sämtlichen Empfehlungen und Richtlinien der Seucheneindämmung komplett zuwider. Die unnötige Provokation und Machtdemonstration der NATO in Richtung Russland müsste nunmehr alleine schon wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden.

Wie die „Nachdenkseiten“ berichten, gibt es jedoch Hoffnungszeichen: „Das US-Militär hat bereits erste Schritte eingeleitet, Defender-Europe „einzufrieren“. Das darf jedoch noch nicht das letzte Wort sein. Nun ist auch Deutschland gefordert. Wenn die Bundesregierung dieses – bis in den Frühsommer reichende – Manöver nicht sofort absagt, macht sie sich vollkommen unglaubwürdig“ schreibt Jens Berger in einem Artikel von heute.
Darin wird weiter berichtet: „Am vergangenen Freitag trafen sich hochrangige NATO-Militärs mehrerer Mitgliedsstaaten im Europa-Hauptquartier der US-Army in Wiesbaden. Auf der Tagesordnung stand eine Manöverkritik zur ersten Phase der seit Ende Januar stattfindenden NATO-Mission „Defender-Europe 20“… „An diesem Freitag war die Welt der Militärs noch in Ordnung. Zwei Tage später sah die Situation jedoch bereits vollkommen anders aus. Zunächst musste der Chef des italienischen Heeres, General Salvatore Farina, erklären, dass er erkrankt und positiv auf Covid-19 getestet worden sei. Farina war einer der Teilnehmer des NATO-Treffens in Wiesbaden. Gleichzeitig musste das NATO-Hauptquartier in Brüssel vermelden, dass einer seiner Stabsmitarbeiter, der aus einem Italien-Urlaub zurückgekehrt war, ebenfalls positiv auf Covid-19 getestet wurde. Der Mitarbeiter und alle seine Kontaktpersonen innerhalb der NATO seien nun in Quarantäne. Gleiches gilt mittlerweile auch für die hochrangigen Kollegen von Farina. So befinden sich zur Zeit unter anderem Generalleutnant Alfons Mais, der Inspekteur des deutschen Heeres, und General Christopher Cavioli, der oberste Kommandeur der US-Truppen in Europa, wegen des Verdachts auf Covid-19 in Quarantäne.
Im militärischen Slang würde man wohl sagen, das Virus hat die NATO mit einem „Enthauptungsschlag“ ans Home Office gebunden. Und während die Generäle bereits in Quarantäne sind, warten zehntausende Soldaten darauf, sich bei der größten militärischen Massenveranstaltung des Jahres zu infizieren und das Virus weiterzuverbreiten. Das ist unverantwortlich.“

Weiter berichtet Jens Berger, dass erste Staaten haben bereits reagiert hätten. „Zuerst hat Finnland am Wochenende seine Teilnahme am – mit dem Manöver Defender-Europe in Verbindung stehenden – NATO-Manöver „Cold Response“ abgesagt. Zuvor mussten die USA und Südkorea bereits ein für diesen Monat geplantes Militärmanöver auf der koreanischen Halbinsel wegen Covid-19 ausfallen lassen. Gestern sagte dann Norwegen das Manöver „Cold Response“ endgültig ab – die Infektionsgefahr durch Covid-19 war den zuständigen norwegischen Behörden zu groß. Zuvor musste die norwegische Armee schon eine ganze Garnison unter Quarantäne stellen.
Letzten Endes mussten heute sogar die Amerikaner einen Rückzieher verkünden. Man will es nun bei den 5.500 US-Soldaten belassen, die sich zur Zeit bereits in Europa befinden. Das heißt – 14.500 weitere US-Soldaten werden wohl zu Hause bleiben. Defender-Europe ist nach offizieller Sprachregelung „eingefroren“, aber nicht abgesagt.“

So stellt sich für jeden denkenden Menschen die Frage, wann sich Verteidigungsministerin Kamp-Karrenbauer zu Wort meldet und einen Einreisestopp für US-Soldaten verkündet. Wie kann es denn sein, dass Theateraufführungen und Konzerte ausfallen und die Bundesregierung zeitgleich Bundeswehrsoldaten zu unnötigen Großmanövern entsendet?

Das „Netzwerk Friedenkooperative“ hat dazu eine Unterschriftensammlung gestartet. Auf den Seiten der Kooperative finden sich zahlreiche Hintergrundinformationen und eine Übersicht Termine für Demonstrationen und Kundgebungen.