Startschuss für Interimsspielstätte des Staatstheaters Kassel

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MIMIKRY von Kerstin Brätsch in der Rotunde des Fridericianum

Raumhohe Wandgestaltung, Vorhänge, und Sitzgruppen – MIMIKRY von Kerstin Brätsch erlebt, wer im Fridericianum die Rotunde betritt. Sternbald-Fotos Hartwig Bambey

05.02.2023 (red) In der Reihe der Interventionen präsentiert das Fridericianum die Arbeit MIMIKRY von Kerstin Brätsch als komplexe, raumgreifende Installation eigens für die Rotunde im Zentrum der Kunsthalle entwickelt. Sie bildet den neuen Rahmen des dort befindlichen Cafés und schließt unmittelbar an jene Cafégestaltungen an, die Brätsch 2019 im Museum of Modern Art in New York sowie 2021 in der LUMA Foundation in Arles realisierte.

Blick von oben in das Rotunden-Café

MIMIKRY reflektiert einen Teil der Erdgeschichte, zugleich in ihren Dimensionen kaum fassbarer Hintergrund menschlichen Daseins. Gesteine, Sedimente und Fossilien werden in Form von Wandtapeten, Fenstervorhängen, lichtdurchlässigen Raumteilern und skulpturalen Tischen zu einem funktionalen Teil des Caféinterieurs.

Zu der Vergangenheit, deren Ablagerungen Brätsch in ihrem Werk mit zeitgenössischen Materialien rekonstruiert, zählen die Urzeiten des Planeten ebenso wie die Werkgeschichte der Künstlerin. Der Titel der Arbeit greift diese Verschränkung auf. Mimikry bezeichnet die Nachahmung optischer, akustischer oder auf den Geruchssinn abzielender Signale von Lebewesen, um andere Lebewesen zugunsten des eigenen Überlebens zu täuschen.

Die Muster, Ornamente und Oberflächenstrukturen der Installation zitieren frühere Arbeiten, die selbst Nachahmung zum Thema haben. Einerseits handelt es sich dabei um die Marmorierungen der Werkgruppe Unstable Talismanic Renderings (seit 2014), die unter anderem Gesteinsformationen vortäuschen. Andererseits sind die polymorphen Tischplatten aus Kunststein, die auf bunt schillernden Beinen ruhen, mit pinselstrichartigen Motiven aus der seit 2017 entstehenden Serie Fossil Psychics (Stucco Marmo) bedruckt.

Im Spiel mit Imitation, Materialien unterschiedlicher Qualität in diversen Herstellungsverfahren „sedimentiert“ Brätsch ihre malerische Praxis und erprobt künstlerische Überlebensstrategien. An der Grenze von Kunst und funktionsorientiertem Design begegnet sie den Betrachtern augenzwinkernd als überaus gegenwärtige Dinosaurierin. So lädt MIMIKRY  nicht allein zum Verweilen ein. Die Arbeit regt an ebenso zu einer ungewohnten Auseinandersetzung mit Zeit und Zeitlichkeit.

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