
04.03.2026 (pm/red) Das Staatstheater Kassel lädt ein zur Uraufführung des Musiktheater Zornfried am 18. April im INTERIM. Auf Burg Zornfried versammeln sich die Vordenker einer Neuen Rechten: Eine Burgherrin philosophiert völkisch, Männergruppen ertüchtigen kämpferisch ihre Leiber, und ein geheimnisvoller Dichter schmiedet Verse, die von Blut, Weihe und Kitsch triefen.
Das lockt auch Journalistn an, die das großspurig begleiten, dabei jede Distanz verlieren und der Demokratie einen Bärendienst erweisen. Zornfried ist ein Kompositionsauftrag des Staatstheaters Kassel, finanziert von der Ernst von Siemens Musikstiftung.
Musikalische Leitung: Viktor Jugović, Regie: Kerstin Steeb, Bühne: Jade J. Boeckh, Kostüm: Hanne Lenze-Lauch, Licht: Holger Tschersich, Video: Rosa Wernecke, Dramaturgie: Felix Linsmeier, Kornelius Paede
Mit: Aljoscha Langel (Jan Brock), Annabelle Kern (Jenny Zerwien), Maren Engelhardt (Wilhelmine Freifrau von Schierling), Johannes Strauß (Matzek), Filippo Bettoschi (Storm Linné), Staatsorchester Kassel, Statisterie des Staatstheaters
Uraufführung Samstag, 18. April, 19 Uhr, INTERIM
Nächste Vorstellungen: 23. April, 2., 9., 15. Mai sowie 29. Mai im Rahmen des Festivals „Deutschland, Deutschland unter anderem. Musiktheater im Präfaschismus“
Jörg-Uwe Albig hat 2019 mit „Zornfried“ eines „der wichtigsten Bücher des Jahres“ (FAZ) geschrieben. In der Kasseler Uraufführung als Romanadaption, für die Albig auch das Libretto verfasst hat, verwischen bei teilnehmender Beobachtung und beobachteter Teilnahme zunehmend die Grenzen: Wehrsportübungen, Wagner und weihevolle Tafelrunden erfüllen die Aura der ehemaligen preußischen Jägerkaserne rund um das INTERIM.
Der mehrfach ausgezeichnete Komponist Philipp Krebs, der mit „Zornfried“ sein erstes abendfüllendes Musiktheater-Werk vorstellt, hat sich für die Romanadaption auf die Suche nach der grotesken Horrorvision neuer deutscher Tonalität gemacht. Im Untergrund seiner avancierten Klangsprache mit großem Orchester raunt es immer wieder leitmotivisch, nationalromantische Klänge vermischen sich mit biersaurem Volksmusikschlager und Retro-Kitsch – und unter verlockend-augenzwinkernder Leichtigkeit lauert der tiefbraune Abgrund.
