AFK Marburg fordert in einem 5-Punkte-Plan entschlossenes Handeln für Wirtschafts- und Pharmastandort Marburg

Der Vorstand des Arbeitskreises für Kommunal- und Wirtschaftsfragen Marburg mit Michael Müller, links, Kerstin von Heemskerck, Jana Schönemann, Jan-Bernd Röllmann, Marion Closmann, Annette Klingelhöfer und Andreas Bartsch. Foto nn

01.06.2026 (pm/red) Bei der diesjährigen Mitgliederversammlung des Arbeitskreises für Kommunal- und Wirtschaftsfragen Marburg (AFK) standen die wirtschaftliche Lage Deutschlands, die Zukunftsfähigkeit des Standorts Marburg sowie die aktuellen Herausforderungen für die heimische Wirtschaft im Mittelpunkt. Der Vorsitzende des AFK Marburg, Jan-Bernd Röllmann, machte in seinem Bericht deutlich, dass sich Deutschland und auch Marburg in einer wirtschaftlich und gesellschaftlich herausfordernden Phase befinden.

„Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt. Viele Unternehmen kämpfen mit hohen Energie-, Bürokratie- und Personalkosten. Gleichzeitig erleben wir eine zunehmende Verunsicherung in Wirtschaft und Gesellschaft. Gerade jetzt brauchen wir Mut, Zuversicht und den klaren politischen Willen, Probleme endlich entschlossen anzugehen“, erklärte Röllmann.
 
Besonders kritisch bewertete der AFK die aktuelle Entwicklung am Pharmastandort Marburg. Der angekündigte Stellenabbau sowie die Schließungen von BioNTech, CSL-Innovation und Nexelis am Behring-Standort seien ein deutliches Warnsignal.
 
„Der Pharmastandort Marburg ist über Jahrzehnte ein zentraler Motor für Beschäftigung, Innovation und Wohlstand gewesen. Die aktuellen Entwicklungen treffen viele Menschen unmittelbar und schwächen zugleich den gesamten Wirtschaftsstandort. Deshalb muss jetzt alles darangesetzt werden, Marburg als attraktiven Industrie-, Forschungs- und Innovationsstandort zu sichern und weiterzuentwickeln“, so Röllmann weiter.
 
Vor diesem Hintergrund verabschiedete der AFK Marburg seinen 5-Punkte-Forderungskatalog an Politik und Verwaltung. Darin fordert der Verband 1. eine stabile und handlungsfähige politische Mehrheit, 2. eine nachhaltige Haushaltspolitik ohne zusätzliche Belastungen für Unternehmen, 3. den Verzicht auf weitere Gewerbesteuererhöhungen, 4. eine aktive Förderung des Wirtschaftsstandorts sowie 5. schnellere und verlässlichere Verwaltungsprozesse.
 
Der stellvertretende Vorsitzende Michael Müller betonte die Bedeutung eines engen Schulterschlusses zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Politik:
„Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten brauchen Unternehmen Verlässlichkeit, Planungssicherheit und eine Verwaltung, die pragmatisch unterstützt. Marburg hat enormes Potenzial — aber wir dürfen unsere wirtschaftliche Substanz nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.“
Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde zudem Kerstin von Heemskerck, Director Corporate Communications & Marketing, vom Behring-Standortbetreiber INNEXIS neu in den Vorstand gewählt.
 
Dem Vorstand gehören nun neben Kerstin von Heemskerck, Jan-Bernd Röllmann – 1. Vorsitzender, Michael Müller – stellv. Vorsitzender, Marion Closmann, Annette Klingelhöfer und Andreas Bartsch an.
Auch organisatorisch blickte der AFK auf ein sehr aktives Veranstaltungsjahr zurück. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen konnte der Verband seine Mitgliederzahl weiter steigern und zählt inzwischen 103 Mitglieder.
 
Zu den Höhepunkten des vergangenen Jahres gehörten unter anderem:
  • die große AFK-Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl,
  • der sicherheitspolitische Vortrags- und Talkabend mit Brigadegeneral Holger Radmann,
  • der Besuch des Hessischen Wirtschaftsministers Kaweh Mansoori,
  • der Kommunalwahl-Talk im Cineplex.
Auch die kommenden Veranstaltungen des AFK Marburg versprechen hochkarätige Impulse für Wirtschaft und Gesellschaft:
Am 25. August folgt ein weiteres Highlight, diesmal mit Unterstützung der DVAG im Dr.-Reinfried-Pohl-Zentrum für Vermögensberatung. Referent und Talkpartner wird der renommierte Politstratege und US-Wahlexperte Julius van de Laar sein.
Ein weiterer Höhepunkt wird der 22. Marburger Wirtschaftstag am 24. November im Cineplex Marburg sein. Als Referentinnen und Talkpartnerinnen werden Sonja Marten, Chefvolkswirtin der DZ Bank, sowie Dr. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Helaba, erwartet.
Abschließend bedankte sich der Vorsitzende ausdrücklich bei seinen Vorstandskolleginnen und -kollegen, der Geschäftsstelle in der Sparkasse Marburg-Biedenkopf sowie den zahlreichen Unterstützern und Partnern des AFK Marburg.
„Gerade in bewegten Zeiten zeigt sich, wie wichtig ein starkes Netzwerk engagierter Unternehmerinnen und Unternehmer für unsere Stadt und Region ist“, resümierte der 1. Vorsitzende.
 
Im Anschluss an die Mitgliederversammlung referierte Jana Schönemann, Leiterin der Stabsstelle Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsförderung und Statistik der Universitätsstadt Marburg über die Aufgabenfelder der Marburger Wirtschaftsförderung sowie die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen der Stadt.
Der Vorsitzende begrüßte Jana Schönemann mit klaren Erwartungen an die Wirtschaftsförderung:
 
„Die wirtschaftlichen Herausforderungen für unsere Stadt sind aktuell riesengroß. Umso wichtiger ist eine Wirtschaftsförderung, die nah an den Unternehmen ist, zuhört, unterstützt und pragmatische Lösungen ermöglicht. Ich appelliere an die Politik, dass es gerade angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen aus Sicht des AFK Marburg das falsche Signal wäre, bei der Wirtschaftsförderung zu sparen. Eine leistungsfähige Wirtschaftsförderung ist kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt. Sie unterstützt Unternehmen bei Investitionen, begleitet Ansiedlungen, stärkt bestehende Betriebe und trägt dazu bei, Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Marburg zu sichern.“
Zugleich betonte er die Bedeutung eines offenen Dialogs zwischen Verwaltung und Wirtschaft:
„Wir wünschen uns weiterhin eine Wirtschaftsförderung mit offenen Türen — offen für Ideen, offen für Probleme, offen für Investitionen und offen für einen konstruktiven Austausch.“