
25.06.2026 (pm/red) Die Kunstvermittlerin Ulrike Schönhagen aus Marburg, der Archäologe Dr. Andreas Thiedmann aus Fronhausen und die Projektgruppe „Heimat auf der Haut“ aus Emsdorf erhalten den Otto-Ubbelohde-Preis 2026. Das hat der Kreisausschuss auf Vorschlag der Jury am 23. Juni 2026 bestätigt. Der sehr begehrte Kulturpreis des Landkreises Marburg-Biedenkopf ist mit jeweils 1.000 Euro dotiert.
Auch nach 40 Jahren sei die Qualität der eingereichten Vorschläge und Bewerbungen ausgesprochen hoch. Die Jury habe sich intensiv mit allen 54 Bewerbungen befasst.

Ulrike Schönhagen
Seit Beginn ihrer Arbeit als Kunstlehrerin an der Blindenstudienanstalt (blista) in Marburg ist es Ulrike Schönhagen ein Anliegen, das Kunstmuseum Marburg aktiv für die Besuchergruppe der blinden und hochgradig sehgeschädigten Menschen zu öffnen. Diesen Menschen auf ganz unterschiedliche und bislang einzigartige Art und Weise einen Zugang zur Kunst zu ermöglichen, ist der Jury besonders positiv aufgefallen. Sie hat Kunst nicht nur zugänglich gemacht, sondern auch erfahrbar. In ihrem großen ehrenamtlichen Engagement am Kunstmuseum Marburg hat die Lehrerin an der Carl-Strehl-Schule im Rahmen von „Kunst für alle“ gemeinsam mit Samira Idrisu und Michael Weitzel Vermittlungsformate entwickelt, die beispielgebend sind.
Dabei sei besonders die Entwicklung von Tastmodellen zu betonen, die Kunstwerke nicht illustrieren, sondern in eigenständige, taktile Erfahrungsräume übersetzen. Kunst wird nicht erklärt, sondern über andere Sinne erschlossen und damit für diese Gruppe von Besuchern neu erfahrbar. Ergänzt wird ihre Arbeit durch viele inklusive Führungen und Formate wie „Spaziergänge zur Kunst“, bei denen sich Vermittlung mit Bewegung, Wahrnehmung und sozialer Begegnung verbindet.
Dr. Andreas Thiedmann
Dr. Andreas Thiedmann engagiert sich seit inzwischen 27 Jahren ehrenamtlich für die Realisierung des „Archäologischen Freilichtmuseums Marburger Land – Zeiteninsel“, das ab 18. Juli 2026 für die breite Öffentlichkeit zugänglich wird. Es ist seinem unermüdlichen Einsatz zu verdanken, dass die Zeiteninsel realisiert wird. Sicherlich haben – wie die Jury feststellte – sehr viele Akteure mitgeholfen, um dieses Ziel zu erreichen – beispielhaft genannt werden vom Vorstand der Genossenschaft Zeiteninsel e.G. Karl Krantz und Dr. Richard Laufner, sowie neben den Beschäftigten der Genossenschaft auch die Bürgermeister der Gemeinde Weimar oder die vielen ehrenamtlich Aktiven. Dr. Thiedmann habe es zusammen mit den kommunalen Partnern für den Betrieb des Museums, der Gemeinde Weimar, der Stadt Marburg und des Landkreises Marburg-Biedenkopf, geschafft, das Land Hessen davon zu überzeugen, den mit großem Abstand größten Teil der Kosten für den Aufbau der Zeiteninsel zu übernehmen.

Er hat nicht nur schon früh das Potenzial der vielen archäologischen Funde bei Argenstein erkannt, sondern er hat in gewisser Weise als Lebenswerk die Umsetzung des Museums trotz vieler Hürden und Widerstände vorangetrieben. Dabei hat er sich nie entmutigen lassen. Als Ideengeber, Fördervereinsvorsitzender und später als Vorsitzender der Genossenschaft Zeiteninsel hat er mit unzähligen ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden und in mehr als nur zahlreichen Sitzungen und Abstimmungen sein großes Ziel verfolgt.
Er ist der Kopf und das Herz der Zeiteninsel. Dass das Freilichtmuseum ein Aushängeschild für die Gemeinde Weimar, die Universitätsstadt Marburg, den Landkreis, Hessen und darüber hinaus werden dürfte, ist zu sehr großen Teilen sein Verdienst.
Projektgruppe „Heimat auf der Haut“ aus Emsdorf
Auch wenn die 725-Jahrfeier des Kirchhainer Stadtteils Emsdorf schon etwas zurückliegt, haben sich die Jury und der Kreisausschuss für die Projektgruppe „Heimat auf der Haut“ als Preisträgerin des diesjährigen Otto-Ubbelohde-Preises entschieden.

Der Grund liegt vor allem in einer gelungenen Darstellung der katholischen Tracht aus Emsdorf. Sowohl die Models als auch die Fotografinnen und Fotografen sowie die Projektinitiatorin kommen alle aus Emsdorf. In liebevoller Arbeit sind mehr als 500 Einzelbilder und Einzelszenen mit unterschiedlichen Trachten und Haarmoden in und um Emsdorf entstanden. Dazu wurde ein 52-seitiger, immerwährender Trachtenkalender herausgebracht.
Die Projektgruppe um elf weibliche Models hatte es sich zum Ziel gesetzt, für das Dorfjubiläum einen Beitrag zu leisten, der bei vielen Menschen in Erinnerung bleibt, Spaß macht, junge Leute für Tradition begeistert, Kreativität mit Brauchtum verbindet und Tradition und Moderne zusammenbringt. Die Gruppe hat mit dieser Fotokampagne aufgezeigt, wie schön die Marburger Katholische Tracht wirken kann. Die Tracht hat sich über die Jahrhunderte weiterentwickelt und stirbt nun aus. Das gelungene Dorfprojekt mit einfühlsamen Namen zeigt jedoch, dass Tracht auch heute noch selbstbewusst getragen und in Szene gesetzt werden kann.
