Alter Botanischer Garten: Gartenfreunde kämpfen weiter gegen Südeingang

„Baustopp jetzt“ und „Gartendenkmal erhalten“ war auf den Protestblättern zu lesen, die von Freunden des Alten Botanischen Gartens bei einer Demo gegen den den geplanten Südeingang vor einigen Wochen als dringende Forderungen formuliert wurden. Bildquelle Freundeskreis Alter Botanischer Garten – Foto nn

07.06.2026 (pm/red) Mit einem Entwurf für einen überfraktionellen Dringlichkeitsantrag zur letzten Sitzung des Marburger Stadtparlaments vor der Sommerpause wenden sich der Freundeskreis Alter Botanischer Garten und der NABU Marburg an die Stadtverordneten. Ziel ist es, den politischen Druck gegen den geplanten Südeingang zum Alten Botanischen Garten aufrechtzuerhalten und als kommunalpolitisches Mandat zu verbreitern.

Damit setzen die engagierten Gartenfreunde nunmehr verstärkt auf politische Unterstützung. In ihrem Anschreiben an Magistrat und Fraktionen bitten sie die Parlamentarier, sich dafür einzusetzen, dass Oberbürgermeister und Universitätsleitung erneut das Gespräch aufnehmen um die vorgetragenen Bedenken gegen den geplanten Südeingang ernsthaft zu erörtern.

Dem Schreiben beigefügt wurden nach Angaben des Freundeskreises mehrere zentrale Dokumente, darunter die offizielle Eintragung des Alten Botanischen Gartens in das Denkmalbuch des Landes Hessen, Unterlagen zu seinem Status als Bestandteil des Landschaftsschutzgebietes der Stadt Marburg sowie frühere Stellungnahmen verschiedener Parteien und Initiativen.

Baustopp – hier und jetzt! Artenschutz sichern! Gartendenkmal erhalten!

Rückhalt erhielt der Vorstand des Freundeskreises auf der Jahreshauptversammlung am 27. Mai 2026, die im Alten Botanischen Garten stattfand. Die Mitglieder bekräftigten ihre Unterstützung für den weiteren Einsatz gegen den geplanten Südeingang.

Auch die neu gewählten Ortsbeiräte Campusviertel und Altstadt haben sich nach Angaben des Freundeskreises hinter die Anliegen der Naturschützer und Gartenfreunde gestellt und lehnen den geplanten Südeingang ab. Für den 8. Juni hat die Fraktion DIE LINKE eine Ortsbesichtigung angekündigt, um insbesondere neu gewählte Fraktionsmitglieder über die Situation vor Ort zu informieren.

Darüber hinaus suchen die Initiativen Unterstützung bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Daniela Vogt, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Ortskuratoriums der Stiftung, hat ihre Unterstützung bereits zugesagt.

Gesprächsangebot und Einladung an Wissenschaftsminister

Die Gartenfreunde wenden sich zudem an den Hessischen Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Timon Gremmels. In einem Schreiben bitten sie um ein persönliches Gespräch in Wiesbaden oder direkt im Alten Botanischen Garten in Marburg.

Darin verweisen sie auf ihr langjähriges Engagement für den Erhalt des denkmalgeschützten Gartens. Aus Sicht des Freundeskreises sei der Garten im Zuge der städtebaulichen Entwicklung des Campus Firmanei zunehmend unter Druck geraten. Während die Initiativen den Alten Botanischen Garten als schützenswertes Gartendenkmal betrachten, werde er seitens der Universität zunehmend nur als Grünfläche des Campus Firmanei wahrgenommen.

Zugleich erinnern die Verfasser daran, dass die Petition „Alten Botanischen Garten Marburg – als Gartendenkmal und zum Artenschutz erhalten“ weiterhin beim Petitionsausschuss des Hessischen Landtags anhängig ist. Kritisch sehen sie, dass die Universität, trotz der noch nicht abgeschlossenen Behandlung der Petition am umstrittenen Südeingang festhalte und bereits erste Rodungsarbeiten vorgenommen habe.

„Lasst es wachen und blühen“: Teilnehmer einer  Protestaktion haben im Alten Botanischen Garten vor dem geplanten Südeingang Wildblumen ausgesät. Bildquelle Freundeskreis Alter Botanischer Garten – Foto nn

Unterstützung aus Politik und Gesellschaft Proteste vor Ort

Zuletzt hatten sich am 19. April 2026 rund 40 Gartenfreunde zu einer Protestaktion am geplanten Standort des Südeingangs versammelt. Mit ihrem anhaltenden Engagement wollen die Initiativen nach eigenen Angaben erreichen, dass die Bedeutung des Alten Botanischen Gartens als Natur-, Kultur- und Gartendenkmal bei den weiteren Entscheidungen angemessen berücksichtigt wird.

„Wir, die wir als Vereine 1300 Marburger Bürgerinnen und Bürger als unsere Mitglieder vertreten, hoffen auf eine breite Unterstützung unserer gewählten Interessenvertreterinnen und Vertreter und bitten Sie in der letzten Parlamentssitzung vor der Sommerpause am 26. Juni 2026 ein Zeichen für Denkmalsschutz, Artenschutz und ruhigen Erholungsraum in unserer historischen „grünen Lunge“ zu setzten,“ erklärten die Vorsitzende des Freundeskreises, Bärbel Kaufmann und Hartmut Möller für den NABU-Marburg.