Hörbare Stimmen von Jugendlichen – Theaterprojekt stärkt kulturelle Teilhabe

Ein Theaterprojekt von Adolf-Reichwein-Schule, Arbeit und Bildung e.V. und dem Hessischen Landestheater schaffte wertvolle Erfahrungen. Foto nn

11.06.2026 (pm/red) Im Rahmen des Theaterpatenschaftsprojekts des Hessischen Landestheater Marburg setzten sich Schüler der Adolf-Reichwein-Schule Marburg intensiv mit dem Stück „LebenLifeHayat!“ von Arad Dabiri auseinander. Im Zentrum standen Fragen von Zugehörigkeit, Vielfalt und der Bedeutung des Individuums innerhalb einer Gemeinschaft.

Zum Projekt gehörten Vor- und Nachgespräche, ein Probenbesuch und der Besuch der Aufführung. Die schulische Betreuung und Organisation übernahm Magdolna Bezerédy, Schulsozialpädagogin von Arbeit und Bildung e.V. an der Adolf-Reichwein-Schule, die theaterpädagogische Begleitung lag beim HLTM.

Zum Auftakt lernten die Jugendlichen das Stück sowie die Intendantin und Regisseurin Carola Unser-Leichtweiß und die Theaterpädagogin Mia Scarcello kennen. Beim Probenbesuch erhielten die Jugendlichen Einblicke in den Entstehungsprozess der Inszenierung und kamen mit Darstellern und dem Regieteam ins Gespräch. Neben der künstlerischen Arbeit lernten sie auch Theatertraditionen kennen, etwa das Verbot des Klatschens bei Proben und das „Toi Toi Toi“-Ritual. So gestalteten sie für das Ensemble eigene Glücksbringer.

Am Abend des 28. April besuchten die Jugendlichen schließlich die Aufführung. Für viele war es der erste Theaterbesuch. Sie staunten, lachten und zeigten sich berührt.

Im Zentrum des Stücks steht ein Kind, das geopfert werden soll. Das Motiv des Opferns ist dabei zentral und eröffnet Fragen nach Macht, Gemeinschaft und Ausgrenzung. Während der Chor als Gemeinschaft spricht, bleibt das Kind zunächst stumm. Erst als es seine eigene Stimme erhebt, verändert sich die Situation – ein Impuls für Gespräche über den Mut zur Sichtbarkeit.

Schließlich wurden die Jugendlichen selbst Teil der Aufführung: Ihre eingesprochenen Stimmen in verschiedenen Sprachen mit dem Satz „Ich bin alle Kinder der Welt“ waren in einer zentralen Szene zu hören.

Besonders eindrücklich wirkten die beide Darstellenden der Hauptfigur „Aria“:  Faris Saleh mit seiner körperlichen Bühnenpräsenz und seinen arabischen Texten sowie Greta Lou Plenkens mit ihrer Gesangsstimme. Die vielschichtige Darstellung der Figur eröffnete den Jugendlichen Identifikationsmöglichkeiten und erleichterte einen emotionalen Zugang. Die Inszenierung arbeitete auch mit Elementen aus dem deutschsprachigen Rap, unter anderem mit dem Song Lebenlifehayat von Haftbefehl sowie Sommermärchen von Apsilon. Dadurch entstanden direkte Bezüge zur Lebenswelt der Jugendlichen.

Im Nachgespräch wurden Eindrücke und unterschiedliche Interpretationen des Stücks ausgetauscht und die Schüler setzten sich mit dem chorischen Sprechen auseinander: Sie probierten aus, wie es gelingt, als Gruppe gleichzeitig zu sprechen und erlebten dabei unmittelbar die Anforderungen von Konzentration und Abstimmung im Ensemble. In der weiteren Nachbereitung entwickelten die Jugendlichen eigene Ideen zur Fortführung des Stücks.

Die Zusammenarbeit zwischen Adolf-Reichwein-Schule, Arbeit und Bildung e.V. und dem HLTM erwies sich als besonders wertvoll. Sie ermöglichte kulturelle Teilhabe und Lernprozesse weit über den Unterricht hinaus. Theater wurde dabei nicht nur als Aufführung erlebt, sondern als Raum gemeinsamer Reflexion – ein Erfahrungsraum, in dem unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden und junge Menschen erleben, dass ihre eigene Stimme Bedeutung hat.