
18.05.2026 (pm/red) Florian Hoffmeister ist der Preisträger des diesjährigen Marburger Kamerapreises. Der gebürtige Braunschweiger nahm die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Universitätspräsident Prof. Dr. Thomas Nauss im Cineplex Marburg entgegen.
„Ein Kinobesuch ist immer etwas Besonderes. Kino bringt Menschen zusammen und verbindet sie durch die Erfahrungen, Gedanken und Emotionen, die sie beim Schauen der Filme gemeinsam durchleben. Solche besonderen Momente hat auch unser diesjähriger Preisträger Florian Hoffmeister geschaffen“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies während der Verleihung des 25. Marburger Kamerapreises im Cineplex. Bewegung – sowohl der Figuren als auch der Kamera – sei eines der zentralen Merkmale von Hoffmeister, um die Geschichten in Szene zu setzen. Dabei ging OB Spies auch auf die Anfänge des Films ein.
Für Uni-Präsident Thomas Nauss ist das Kino vor allem der Ort, an dem das gemeinsame Erleben von Filmen ohne Ablenkungen am besten gelinge. Während der Preisverleihung betonte er: „Der Marburger Kamerapreis macht seit 25 Jahren sichtbar, was allzu oft im Hintergrund bleibt: die kreative und künstlerische Kraft der Bildgestaltung als zentrales Element des Films. Dass die Philipps-Universität diesen Preis gemeinsam mit der Universitätsstadt Marburg vergibt, steht zugleich für unseren Anspruch, Wissenschaft, Kunst und gesellschaftlichen Dialog miteinander zu verbinden. Forschung an Universitäten entfaltet ihre Wirkung nicht nur in Laboren oder Hörsälen, sondern auch dort, wo sie kulturelle Prozesse begleitet, einordnet und neue Perspektiven für unsere Gesellschaft eröffnet.“
„Der Preis honoriert die klare und unaufgeregte Kameraführung von Florian Hoffmeister ebenso wie seine ausdrucksstarke Bildgestaltung und das nuancierte Zusammenspiel von Licht, Farbe und Dunkelheit. Bei all seinen Projekten stellt er sich immer wieder aufs Neue ganz in den Dienst der zu erzählenden Geschichte und hat es im Laufe der Jahre dennoch geschafft, sich eine persönliche Handschrift zu erarbeiten“, zitierte Nauss die Begründung des Beirats. Hoffmeister zeichne sich zudem durch die Bandbreite seiner Werke und Genres aus – von Serien und Filmen über Komödie und Thriller bis hin zu Kostümfilmen.
Die Laudatio auf den Preisträger hielt Filmwissenschaftler und Kulturmanager Urs Spörri, ergänzt von einer Videobotschaft der Schauspielerin Jodie Foster und der Regisseurin Issa López. „Florian Hoffmeister will, dass die Kamera hinter dem Film verschwindet. Er denkt wie ein Regisseur und gestaltet Bilder ganz aus der inneren Wirkung einer Szene heraus – genau deshalb wird er von den Stars des Weltkinos so hoch geschätzt“, so Urs Spörri.
Florian Hoffmeister bedankte sich für die Auszeichnung und den herzlichen Empfang: „Es ist mir eine große Ehre, diese Auszeichnung entgegenzunehmen. Diese Form der Auseinandersetzung mit der Bildgestaltung, also wie ein Bild geschaffen wird, ist weltweit einzigartig. Und dass, obwohl wir in einer Zeit leben, in der Inhalte vor allem durch Bilder bestimmt werden, beispielsweise über Social Media. Daher bin ich sehr dankbar dafür, ein Teil dieser Veranstaltungen sein zu dürfen.“ Während seines Besuches in Marburg trug sich Florian Hoffmeister auch in das Goldene Buch der Universitätsstadt ein.
1970 in Braunschweig geboren, sammelte Florian Hoffmeister zunächst durch Praktika als Beleuchter und im Kameraverleih sowie als Material- und Kameraassistent und freier Beleuchter Erfahrungen im Filmbereich. 1994 begann er ein Regie- und Kamerastudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie (DFFB) in Berlin. Sein Regiedebüt hatte Florian Hoffmeister mit dem Kurzfilm „Stimmen der Welt“ (1997), der für den Bundeskurzfilmpreis nominiert wurde. Mit dem DFFB-Abschlussfilm „Paul is dead“ (2000) von Hendrik Handloegten realisierte Hoffmeister seinen ersten Langfilm als hauptverantwortlicher Kameramann. Der Film erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den Grimme Preis und den Studio Hamburg Nachwuchspreis. 2001 arbeitete Hoffmeister als Kameramann unter der Regie von Hannes Stöhr an „Berlin is in Germany“, der mit dem Panorama-Publikumspreis der Berlinale ausgezeichnet wurde.
Einen Wendepunkt in seiner Karriere stellte der Wechsel nach Großbritannien dar. In Zusammenarbeit mit seiner Mentorin Antonia Bird realisierte Hoffmeister den Fernsehfilm „The Hamburg Cell“ (2004), mit dem er sich auch auf der Insel als Director of Photography etablieren konnte. Besonders fruchtbar erwies sich danach die Zusammenarbeit mit Regisseur Terence Davies. So war Hoffmeister Bildgestalter für „The Deep Blue Sea“ (2011) und „A Quiet Passion – Das Leben der Emily Dickinson“ (2016) – Filme, mit denen er international auf sich aufmerksam machte. Daneben trug sein Engagement bei der Golden Globe nominierten Serie „Five Days“ (2007-2010, Creator: Gwyneth Hughes) zur wachsenden Reputation von Hoffmeister bei.
Zu Beginn der 2010er Jahre gelang Hoffmeister ein bedeutender Erfolg in seiner Karriere: Als erster Bildgestalter gewann er für die BBC-Miniserie „Great Expectations – Charles Dickens` große Erwartungen“ (2011-2012, Regie: Brian Kirk) sowohl einen Emmy, einen BAFTA, als auch einen ASC Award. Zudem wurde er 2014 vom Branchenblatt Variety als einer von „10 Cinematographers to Watch“ gelistet.
In den Folgejahren erweiterte sich Hoffmeisters Wirkungsbereich auch auf Hollywood-Produktionen wie „Mortdecai – Der Teilzeitgauner“ (2016, Regie: David Koepp), prominent besetzt mit Johnny Depp und Gwyneth Paltrow, oder die HBO-Serie „True Detective: Night Country“ (2024, Creators: Nic Pizzolatto, Issa López). Gerade diese Phase zeugt von der stilistischen Bandbreite seines Schaffens: vom aufwendigen Kostümfilm über Komödie, Thriller und Horror gestaltet Hoffmeister Bilder in unterschiedlichen Genres.
Für den Spielfilm TÁR (2022, Regie: Todd Field) mit Cate Blanchett in der Hauptrolle wurde Hoffmeister für seine Bildgestaltung erstmals für einen Oscar nominiert. Zuletzt gab es von ihm die Komödie „Die Rosenschlacht“ (2025, Regie: Jay Roach) mit Olivia Colman und Benedict Cumberbatch in den Kinos zu sehen.
