19.05.2026 (pm/red) Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg appelliert an alle Fraktionen der Marburger Stadtverordnetenversammlung, zügig eine stabile Koalition zu bilden. Angesichts der wirtschaftlichen Lage am Standort Marburg seien verlässliche kommunalpolitische Rahmenbedingungen für die Unternehmen der Region wichtiger denn je, wird mitgeteilt.
Standort im Wandel – Chance und Verantwortung
Die angekündigte Schließung des BioNTech-Werks bis Ende 2027 trifft einen Pharmastandort, der bereits seit Monaten unter Druck steht. Neben BioNTech haben auch CSL Innovation, CSL Behring und Nexelis Stellenabbau angekündigt oder bereits umgesetzt. Mehr als 1.500 Industriearbeitsplätze sind betroffen – mit Folgen für Zulieferer, Dienstleister, Familien und die kommunalen Finanzen gleichermaßen.
Dabei betont Thomas Winzer, stellvertretender Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Marburg, dass Marburg trotz der schwierigen Lage über eine starke Substanz verfüge: spezialisierte Infrastruktur, über Generationen gewachsenes Fachpersonal und eine enge Verbindung zur Philipps-Universität. „Marburg ist nicht zufällig ein Pharmastandort. Diese Stärken lassen sich nicht wegrationalisieren – aber sie brauchen jetzt aktive Begleitung durch Politik und Verwaltung, keine weiteren Jahre des Verwaltens.“
Handlungsfähigkeit beginnt im Rathaus
Die IHK beobachtet die laufenden Koalitionsgespräche aufmerksam – und mit der klaren Erwartung, dass am Ende eine Stadtregierung steht, die unternehmerisches Denken als Grundlage kommunalen Handelns versteht. Für Unternehmen, die Investitions- und Standortentscheidungen treffen, sei eine stabile Stadtregierung mit beschlussfähigem Haushalt ein konkreter Standortfaktor. Udo Diehl, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Marburg, bringt es auf den Punkt: „Unsere Mitgliedsunternehmen brauchen eine Verwaltung, die Vorhaben begleitet statt verzögert. Dafür muss das Rathaus selbst handlungsfähig sein.“
Haushaltslage: Konsolidierung hat Vorrang
Die IHK nimmt die angespannte Finanzlage der Stadt ernst. Eine strukturelle Haushaltslücke von rund 40 Millionen Euro stellt die künftige Koalition vor schwierige Abwägungen. Vor diesem Hintergrund warnt die IHK, weitere Erhöhungen der Gewerbesteuer als Instrument der Haushaltskonsolidierung zu sehen. Oskar Edelmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Leiter der IHK-Geschäftsstelle Marburg, unterstreicht: „Kommunale Haushalte lassen sich dauerhaft nur über Ausgabendisziplin stabilisieren – nicht über neue Belastungen der Betriebe. Die Unternehmen in Marburg brauchen Planungssicherheit.“
IHK als Partner für Stadt und Wirtschaft
Die IHK Kassel-Marburg steht allen Fraktionen und der künftigen Stadtregierung als Gesprächspartner zur Verfügung – bei der Entwicklung eines Standortkonzepts für die Behringwerke, bei Ansiedlungsfragen und im Dialog zwischen Unternehmen und Verwaltung. „Von zentraler Bedeutung ist es für uns, die Wettbewerbsfähigkeit der Region Marburg zu stärken und die Basis für neue Wachstumsimpulse zu legen“, ergänzt der stellvertretende Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Marburg Andreas W. Ditze.
