27.05.2026 (pm/rd) Die wirtschaftliche Stimmung in Nordhessen und der Region Marburg hat sich deutlich verschlechtert. Dies geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg hervor. Demnach sind die Investitionen, die Beschäftigungserwartungen und das Zukunftsvertrauen massiv eingebrochen.
Der gesamtwirtschaftliche IHK-Klimaindex fällt von 98,4 auf 83,4 Punkte und entfernt sich damit deutlich von der Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Die konjunkturelle Schwäche erreiche inzwischen auch den Arbeitsmarkt. Nur noch 7,4 Prozent der befragten Unternehmen planen zusätzliche Einstellungen, rund 31 Prozent rechnen mit einem Personalabbau.
„Die Wirtschaft ist auch in unserer Region im Krisenmodus“, sagt Dr. Arnd Klein-Zirbes, Hauptgeschäftsführer der IHK Kassel-Marburg. „Wir haben es nicht nur mit einer konjunkturellen Schwäche zu tun. Es handelt sich auch um eine strukturelle Vertrauens-, Investitions- und Wachstumskrise. Viele Unternehmen verlieren spürbar das Vertrauen in die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen am Standort Deutschland.
Seit unserer Herbstumfrage 2024 nennen die Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen durchgehend als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung ihres Unternehmens“ Besonders besorgniserregend seien die Zukunftserwartungen der Unternehmen. Nur noch 8,5 Prozent der Betriebe rechnen mit einer besseren Geschäftsentwicklung. Gleichzeitig steigt der Anteil der Unternehmen mit pessimistischen Erwartungen massiv auf 33,8 Prozent. Viele Betriebe fahren inzwischen auf Sicht, verschieben Investitionen und stellen Einstellungen zurück.
Die Schwäche zieht sich durch nahezu alle Branchen. Besonders drastisch ist die Entwicklung im Baugewerbe. Der Klimaindex stürzt dort von 118,6 auf 60,0 Punkte ab. Aktuell erwartet kein einziges der befragten Bauunternehmen eine bessere Entwicklung. Auch der Großhandel sendet massive Warnsignale. Der Klimaindex fällt auf 64,3 Punkte. Stockende Bauprojekte, eine schwache Nachfrage und ausbleibende Investitionen treffen die Branche unmittelbar.
Im Einzelhandel hat sich die Lage ebenfalls weiter verschärft. Mehr als die Hälfte der Händler rechnet inzwischen mit einer weiteren Verschlechterung der Geschäftslage. Neben Kaufzurückhaltung und hohen Kosten belasten sinkende Frequenzen in den Innenstädten, Erreichbarkeitsprobleme und zunehmender Wettbewerbsdruck die stationären Betriebe. Auch die unternehmensbezogenen Dienstleistungen verlieren deutlich an Dynamik. Vor allem projektbezogene Dienstleister, Marketing- und Beratungsunternehmen sowie Teile der IT-Wirtschaft spüren die zunehmende Zurückhaltung vieler Kunden.
