Von der Vormundschaft zum selbstbestimmten Betreuungsverhältnis: Informationen zur Entwicklung des Betreuungsrechts

Marburg 21.11.2017 (pm/red) In einer Gesellschaft mit wachsendem Anteil älterer Menschen erwachsen neue Aufgabenfelder und deren rechtliche Gestaltung. Dazu gehört das Betreuungsrecht für Menschen, die ihre Angelegenheiten nicht mehr (alleine) selbst regeln können. Eine Würdigung …

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Oberstes Einkommens-Prozent spart im Mittel 58.000 Euro pro Jahr – untere Hälfte in den roten Zahlen

Marburg 26.10.2016 (pm/red) Besserverdiener in Deutschland bilden hohe Ersparnisse. Das Prozent der Haushalte mit den höchsten Einkommen sparte zuletzt im Durchschnitt rund 58.000 Euro pro Jahr oder ein gutes Drittel seines Einkommens. Dagegen stehen die Haushalte der unteren Einkommenshälfte im Durchschnitt leicht in den roten Zahlen. Die 30 Prozent mit den niedrigsten Einkommen verschuldeten sich sogar um durchschnittlich gut 600 bis 1200 Euro im Jahr. Das verstärkt die Ungleichheit im Land. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Analyse.

Wer wenig verdient, kann wenig ausgeben und noch weniger sparen. Wer viel verdient, könnte es sich leisten, großzügiger mit dem Geld umzugehen. Doch in Deutschland sparen viele Besserverdiener ihr Geld. Mit steigendem Einkommen und Vermögen steigen auch die Sparquoten, wie die Untersuchung von Dr. Jochen Späth und Dr. Kai Daniel Schmid vom Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung in Tübingen zeigt. Die beiden Ökonomen haben Ersparnisse, Sparquoten und Anteile am gesamten Sparvolumen für verschiedene Klassen von Haushaltsnettoeinkommen und Haushaltsnettovermögen in Deutschland untersucht. Die verwendeten Daten stammen aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) 2003, 2008 und 2013, die Einnahmen und Ausgaben von mehr als 40.000 Haushalten detailliert auflistet.

Die EVS-Welle von 2013 ist die derzeit aktuellste, die nächste Befragungsrunde wird das Statistische Bundesamt erst 2018 durchführen.

Während sich die Menschen in der unteren Hälfte der Einkommensverteilung 2013 im Jahresdurchschnitt um etwa 300 Euro verschuldeten, betrug die Ersparnis von Haushalten des obersten Prozents gut 58.000 Euro. Umgerechnet auf die Sparquote heißt das: Die untere Hälfte verschuldete sich im Durchschnitt mit 1,6 Prozent ihres Einkommens, das oberste Prozent sparte 35 Prozent.

Insgesamt sind Ersparnisse in Deutschland höchst ungleich verteilt: Die untere Hälfte der Einkommensverteilung bildet in Summe gar keine Rücklagen, auf das oberste Zehntel entfallen knapp 60 Prozent aller Ersparnisse eines Jahres. „Über die Zeit zeigt sich, dass die Konzentration von Ersparnissen immer weiter zunimmt“, schreiben die Wissenschaftler.

Was in Bezug auf die Einkommensverteilung gilt, gilt auch für die Vermögensverteilung, wenn auch weniger ausgeprägt. Die Menschen in der unteren Hälfte der Vermögensverteilung sparten 2013 im Durchschnitt 1.500 Euro, das oberste Prozent dagegen etwa 24.000 Euro.

Die großen Unterschiede bezüglich der Sparquoten und -beträge können zu sozialen Ungleichheiten führen, sie verfestigen oder verstärken. Auch wenn die Autoren daraus keine politischen Forderungen ableiten, ist die Studie auch für die aktuelle Debatte um Steuersenkungen relevant: Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass eine finanzielle Entlastung von Reichen wenig bringt – dies dürfte die Sparquote bei den Besserverdienenden noch weiter erhöhen. „Die vielfach geforderten Steuersenkungen drohen so die ohnehin zunehmende Ungleichheit in Deutschland weiter zu verfestigen“, sagt dazu der wissenschaftliche Direktor des IMK, Prof. Dr. Gustav Horn.