I  HAVE  A  DREAM – Vor 50 Jahren wurde Martin Luther King ermordet


Marburg 3.4.2018 Gastbeitrag von Ursula Wöll. Am 4. April 1968, also vor 50 Jahren, wurde Dr. Martin Luther King ermordet. Ohne ihn ist die Bürgerrechtsbewegung, die Civil Rights Movement, nicht denkbar. Aber auch nicht ohne …

Lesen Sie den gesamten Beitrag »
Philipps-Universität

Stadt Marburg

Verkehr

Kultur

Wohnen

Home » Soziales

Leben retten durch einen Stromstoß direkt ins Herz

Defibrillator (c) Pixabay yourschantz

Marburg 12.3.2018 (red/sr) Bernd Happel hat einen seltenen Gendefekt am Herzen. Seit einigen Jahren trägt er deshalb einen implantierten Defibrillator. Beim Zeitunglesen erfuhr er zufällig von einer Selbsthilfegruppe für „Defi“-Träger. Heute kann er sich die regelmäßigen Treffen mit den Gruppenmitgliedern aus seinem Leben gar nicht mehr wegdenken.
Happel erinnert sich als wäre es gestern: Am 17. Januar 2013 erlitt der damals 48-Jährige beim Tennisspielen einen Herzstillstand. Seine Freunde reagierten blitzschnell, riefen einen Rettungswagen, reanimierten ihn. Im Krankenhaus wurde das Brugada-Syndrom entdeckt, ein seltener Gendefekt. Patienten mit dieser Erkrankung erscheinen gesund, können aber bereit in jungen Jahren einen plötzlichen Herztod erleiden.

Als Risikopatient bekam Happel einen Defibrillator im Miniaturformat implantiert. Dieser funktioniert ähnlich einem Herzschrittmacher und löst bei Bedarf automatisch aus. Durch gezielte Stromstöße kann das medizinische Gerät Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern und Kammerflattern beenden.

Der lebensrettende Stromschlag ist für den Patienten jedoch äußerst schmerzhaft und auch psychisch belastend. Happel erzählt: „Mich begleitet tags wie nachts die Angst, dass der Defi auslösen könnte. Dann bekomme ich einen Schlag, der mich umwirft. Es kann jederzeit passieren: Beim Einkaufen, beim Joggen, auf Reisen oder beim Autofahren. Man trägt immer ein besonderes Gefühl, einen inneren Druck mit sich herum, den nur Betroffene kennen.“

Deshalb sei der Austausch mit anderen Patienten auch so wichtig. Happel beschreibt ihn als „Balsam für die Seele“. Von den positiven Erfahrungen der anderen zu hören, sich immer wieder vor Augen zu führen, wie oft der Defi schon das eigene Leben gerettet hat, der Zusammenhalt in der Gruppe, das Gefühl, nicht alleine zu sein, die Hilfsbereitschaft untereinander: „Dadurch habe ich an neuer Lebensenergie, Qualität und Freude gewonnen“, erklärt Happel.

Bis der Defi zum ersten Mal auslöste, vergingen zwei Jahre: 2015 erlitt Happel einen erneuten Herzstillstand. Dieses Mal war er alleine und keine menschliche Hilfe in der Nähe. Doch der Defibrillator rettete ihm das Leben. Ende 2015 erfuhr er von der Selbsthilfegruppe für Menschen mit implantiertem Defibrillator und deren Angehörige. Seitdem besucht er die Gruppe regelmäßig. Sie trifft sich jeden letzten Dienstag im Monat am Krummbogen 2 in Marburg.

Früher hat Happel die Geschäftsstelle einer großen Krankenkasse geleitet, war privat viel auf Reisen, ist Marathon gelaufen. Mittlerweile hat er einen Gang zurückgeschaltet. Seit 2016 geht er nicht mehr arbeitet, kümmert sich stattdessen um seine Familie und die zwei Enkelkinder. Tennisspielen und Joggen gehören immer noch zu seinen Hobbies, den Marathon lässt er aber lieber bleiben. Bei Reisen muss er darauf achten, dass sich eine kardiologische Klinik in der Nähe befindet. Sollte der Defibrillator im Urlaub auslösen, muss er möglichst schnell ausgelesen und Happel eventuell weiterführend behandelt werden.

Defibrillatoren kommen nicht nur in Krankenhäusern, Rettungsfahrzeugen und als Implantate zum Einsatz. Seit den 90er-Jahren werden auch zunehmend in öffentlichen Gebäuden wie Bahnhöfen oder Flughäfen mobile Defibrillatoren bereitgestellt. Für Happel ist das nicht ausreichend. Er wünscht sich eine flächendeckende Ausstattung mit den lebensrettenden Schockgeräten.

Mindestens genauso wichtig sei Aufklärungsarbeit. „Die wenigsten Menschen wissen, wo sich mobile Defibrillatoren in nächster Umgebung befinden“, beklagt der heute 53-Jährige. Dabei sei der Umgang mit dem medizinischen Gerät sehr viel leichter als beispielsweise eine Herzdruckmassage. „Man nimmt das Gerät von der Wand und befolg einfach die Anweisungen, die direkt auf dem Gerät stehen. Es sind nur wenige Handgriffe, die Leben retten können“, beschreibt Happel.

Von seinen Mitmenschen erhofft Happel sich mehr Hilfsbereitschaft: „Ich wünsche mir, dass die Leute hinschauen und helfen, fragen und aufeinander zugehen, nicht wegschauen und denken: Geht mich ja nichts an, soll sich jemand anders darum kümmern, das ist nicht mein Problem.“ Happel ist fest davon überzeugt, dass durch ein solches Umdenken schon kleine Hilfestellungen Großes bewirken können. Denn ein kleiner Defibrillator kann ein ganzes Leben retten.

Kontakt zur Selbsthilfegruppe

Defibrillator Selbsthilfegruppe Marburg
E-Mail: defi-shg-marburg@gmx.de
www.defibrillator-deutschland.de