Strohballen statt Beton – Mönche bauen nachhaltiges Gästehaus

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Ein Marburger Kreuz oder Kreuz der Marburger ?

Marburg 19. März (yb) Im Entwurf hat das Regierungspräsidium (RP) Gießen den Lärmaktionsplan für den Bereich Straße fertiggestellt. Dieser Lärmaktionsplan liegt jetzt öffentlich aus, im Rathaus Marburg, wie andernorts bis 15. April. Gelegenheit zur schriftlichen Stellungnahme für die Öffentlichkeit besteht bis zum 29. April. Als ersten und wichtigen „Schritt zur Dokumentation und Bewertung der bestehenden Situation und der Identifizierung von Handlungsschwerpunkten im Regierungsbezirk“ beschreibt Regierungspräsident Dr. Lars Witteck den Lärmaktionsplan für Mittelhessen. Der Lärmaktionsplan bilde die Grundlage für die Weiterentwicklung der Planungen in den nächsten Jahren lautet Einschätzung des Regierungspräsidenten in einer Pressemitteilung. Nach Auswertung eingegangener Stellungnahmen soll dieser Lärmaktionsplan veröffentlicht werden und damit für Behörden und öffentliche Stellen zur verbindlichen Richtlinie werden.

Für Marburg ist die Bundesstraße 3a, von vielen gerne als Stadtautobahn bezeichnet, die Quelle des Lärms, mit dem sich der Lärmaktionsplan beschäftigt. Damit bekommen Stadtpolitik und Bürger in 2010 bereits zum dritten Mal dieses Thema auf den Tisch. Den Anfang hatte im Januar eine Veranstaltung der lokalen Agendagruppe zusammen mit der Initiativgruppe Marburger Stadtbild und Stadtentwicklung (IG MARSS) gemacht. Dabei wurden Möglichkeiten einer Untertunnelung der Stadtautobahn im Kernbereich der Stadt vorgestellt und als machbar beschrieben. Anfang Februar gab es dann die von der IG MARSS getragene abendfüllende Vortragsveranstaltung „Moderne Archtitektur im historischen Marburg“. Die renommierte Architekturkritikerin Ira Mazzoni fand dabei unmissverständliche Worte zu dem „Betonbrett vor dem Bahnhof“. Dem hatte sich die Kasseler Architekturprofessorin Maya Reiner mit den Worten angeschlossen: „Die B 3a muss zurückentwickelt werden“.

Das Marburger Kreuz am Bahnhof – oben die vierspurige aufgeständerte Nord-Süd-Achse der B 3a, darunter die Bahnhofstraße als Verbindung zur Stadt jenseits der Lahn (Foto H.Bambey)

Im Alltagsleben gehört sie dazu. Die Menschen haben sich an das lästige Grundrauschen des anwachsenden Verkehrs wenn schon nicht gewöhnt, müssen sich im Sinne einer alltäglichen Geräuschkulisse jedoch damit abfinden. Anders stellt sich die Situation direkt betroffener Anwohner dar. Nur in Teilbereichen existieren Lärmschutzwände. Strittig zwischen Stadt Marburg und Regierungspräsidium waren in der Vergangenheit Versuche den Lärmpegel mittels Geschwindigkeitsbeschränkung abzusenken. Zukünftig erfährt die „Jahrhunderbausünde“ in Gestalt der vierspurigen B 3a, die vom Erleben und den Auswirkungen alleine zutreffed als Stadtautobahn bezeichnet werden muss, eine noch stärkere Brisanz.
Im Bahnhofsquartier wird nämlich kräftig in die Zukunft der Stadt investiert. Das Bahnhofsgebäude selbst wird saniert. Der Bahnhofsvorplatz ist schon lange in planerischer Arbeit für eine Umgestaltung. Doch dann schiebt sich der monströse Querriegel des aufgeständerten Betonbauwerks dazwischen. Gleich dahinter jenseits der Lahn wird bald die Großbaustelle der Deutschen Vermögensberatung eingerichtet werden. Alleine dort werden 50 Millionen Euro für ein Kongreß- und Weiterbildungszentrum mit Hotel investiert. Im angrenzendem historischen Klinikviertel stehen verschiedene öffentliche Baumaßnahmen an. Es tut sich viel, sehr viel, im Marburger Norden. So wird es spannend sein, zu beobachten, wie sich Stadtpolitik weiter verhält und politioniert. Das Marburger Kreuz am Bahnhof ist ein Kreuz der Marburger und verdiente eine Jahrhundertanstrengung für einen Rückbau, vielleicht am besten unter die Erde.

Doch erreichen lässt sich nur, was vorher als Zielstellung betrachtet, diskutiert und verabschiedet worden ist. So gibt jetzt der Lärmaktionsplan zunächst einmal Veranlassung für weitere Untersuchungen zur Lärmbelastung und mögliche einzelne Maßnahmen zu dessen Eindämmung. Ob dies ausreichen wird und vor allem der Grundsituation der zerschnittenen Kernstadt gerecht werden kann, ist als Frage zu artikulieren. Dies könnte und müsste einfliessen in die Marburger Stellungnahme zum Lärmaktionsplan Mittelhessen.