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Energetische Sanierung in Marburg – was geschieht denn in der Friedrichstraße?

Marburg 18.10.2010 (pm/red) Die Bediensteten der Stadtverwaltung Marburg haben über das Stadtgebiet verteilt in unterschiedlichen Gebäuden ihren Arbeitsplatz. Darin verwirklicht sich durchaus Bürgernähe. So etwa in Gestalt des Stadtbüros in der Frauenbergstraße. Dorthin ist es für die Bewohner vom Richtsberg oder aus Cappel nur ein kurzer Weg. Für immerhin rund 15.000 der gut 80.000 Marburger. Aus diesem historisch bis in die jüngste Vergangenheit gewachsenen dezentralen Ansatz erwachsen jedoch auch Probleme. So ist an und für sich keines der von der Stadtverwaltung genutzten Gebäude dafür diesen Zweck gebaut worden. Schon gar nicht befinden sich die Gebäude auf Höhe der Zeit, was den baulichen Zustand beitrifft. Etwa Isolierung der Außenhaut und damit den Energieverbrauch und die Heizkosten betreffend. So ist die Stadt Marburg selbst gut beraten, die von ihr genutzten Gebäude zu modernisieren. Die Anhebung der energetische Bilanz sollte dabei eine erstrangige Zielstellung sein.
Doch wie geht das und wo?

Großbaustelle und keiner weiß so recht Bescheid

dbax0810-0541-baugrubeDen ganzen Sommer über schon beobachten Nachbarn am Wilhelmsplatz und in der Friedrichstrasse umfangreiche Bautätigkeiten an dem kleinen Hochhaus, in dem vormals das Arbeitsamt beheimatet war. Die dort vorher Beschäftigten des Fachbereiches „Arbeit, Soziales und Wohnen“ sind derzeit in ehemaligen Rathaus in Cappel und die des Fachbereiches „Kinder, Jugend, Familie“ sind Am Plan untergebracht. Ein Bauschild fehlt jeodch dort bislang. Daher ist Interessierten vor Ort keinesfalls klar, wer dort eigentlich warum und was baut. Dem soll abgeholfen werden.

Ein problematischer energetischer Zustand war die eine Ausgangslage für die Stadt Marburg, um dort tätig zu werden. Zudem hatte die Liegenschaft strukturelle Mängel. Der Eingangsbereich war wenig einladend und gemessen an der Publikumsfrequenz viel zu eng. Der Aufzug hatte Abmessungen, die den Standards für die barrierefreie Erreichbarkeit öffentlicher Gebäude keinesfalls entsprochen haben. Das Nebengebäude war mit einem Höhenversatz an das Hauptgebäude angeschlossen worden. Zudem gab es keine öffentlichen Toiletten. Gründe genug also, dort als Nutzer und Bauherr tätig zu werden. Die Baumaßnahme gliedert sich in zwei Bauabschnitte. Zunächst stand an der Abriss Seitenflügels. Ein neuer Seitentrakt wird jetzt gebaut. Dazu kommt als Zweites die Sanierung des Hauptgebäudes.

Standard Passivhaus und neue Heizungstechnik

Geplant ist der Neubau des Seitenflügel im Passivhausstandard. Auch die Sanierung des Hauptgebäudes mit Passivhauskomponenten, wie Dämmung der Fassade, Lüftungsanlage und neue Fenster, wird umgesetzt unter Nutzung der Sonnenenergie, um niedrigere Energiekosten zu erzielen. Dafür werden Photovoltaik-Panele an Dach- und Wandflächen am neuen Nebengebäude und auf dem Dach des Hauptgebäudes installiert. Die Beheizung der Gebäudeteile leistet eine neue Pelletanalage. Diese wird im Keller des Hauptgebäudes eingebaut.

Neue zeitgemässe Zuwegungen

Die Erschließung des Gebäudes wird behindertengerecht. Sie findet statt über einen ebenerdigen Zugang im Erdgeschoss. Die Wege im Gebäude nach oben werden genauso behindertengerecht. Dafür kommt ein neuer Glasaufzug, der alle Geschosse miteinander verbindet. Das Hauptgebäude bleibt in seiner Bausubstanz weitgehend erhalten. Bis auf einen geöffneten Eingangsbereich an der Ecke Universitätsstrasse / Friedrichstrasse gibt es keine wesentlichen Eingriffe.

Sanitäranlagen für die Besucher, Fluchttreppen, Fassadenisolierung

Im Hauptgebäude werden die sanitären Einrichtungen und die Teeküchen neu gestaltet. die vorhandenen Büroräume werden saniert und zueinander neu organisiert. Vorschriftengemäss wird ein Fluchttreppenhaus an der östlichen Giebelwand neu gebaut. Die Dachkonstruktion bleibt; der Dachraum dient als Reserve- und Lagerfläche. Asbesthaltige Dachhaut wird abgebrochen und durch neue Eindeckung ersetzt. Die Fassade wird zur Wärmedämm-Verbundfassade mit einer Dreifach-Isolierverglasung ausgestattet.

Markantes Seitengebäude bringt viele Neuerungen

Ein größeren Raumausbeute ist Zielstellung für den neuen Seitenflügel, der gerade aus dem Boden wächst. Dorthin werden die öffentlichen Toiletten vom Wilhelmsplatz verlagert. Gebaut wird als Stahlbeton-Skelettkonstruktion mit einem Wärmedämm-Verbundsystem und Dreifach-Isolierverglasung im Passivhaus-Standard, gestalterisch abgestimmt zum Hauptgebäude. An der westlichen Giebelwand entsteht ein zusätzliches Fluchttreppenhaus. Eine Abstaffelung soll das Nebengebäude konturieren und den Übergang zu den Gebäuden in der Friedrichstrasse herstellen. Bei den Außenanlagen entsteht ebenerdig einbehindertengerechter Zugang im Erdgeschoss.

Gestaltungsmassnahmen im Außenbereich

Bei den umfangreichen Baumassnahmen für mehr als 4 Millionen Euro werden zur Universitätsstrasse und zur Friedrichstrasse neue Grünbereiche angelegt. Der Innenhof soll neu gegliedert werden und mit Park- und Grünbereich gestaltet werden.

Damit können die Bediensteten und die Kunden, also die Marburger Bürger, der Fertigstellung in 2011 mit Interesse entgegenblicken. Im historischen Marburg entsteht mit hohem Mitteleinsatz ein gutes Stück gebauter neuer und moderner  Stadtverwaltung. Beide, Bedienstete und Bürger, werden über die dort umgesetzte bauliche Qualität zu urteilen haben. Etwas Zeit bis dahin braucht es allerdings noch.

Ausgangslage

Das Dienstgebäude Friedrichstraße 36 wurde Anfang der Fünfziger Jahre gebaut. Es besteht aus dem siebengeschossigen Hauptgebäude und dem viergeschossigen Seitenflügel, der ursprünglich für Dienstwohnungen konzipiert war. In beiden Gebäuden sind die Fachbereiche Arbeit, Soziales und Wohnen und Kinder, Jugend und Familie untergebracht. Nach fast sechs Jahrzehnten bestand hoher Sanierungsbedarf am Gebäude. Die Heizungsanlage, kombinierte Gas-/Ölversorgung und die Wärmedämmung des Gebäudes waren weit hinter den Stand der Technik zurück gefallen.

Baukosten und Finanzierung

  • Gesamtkosten Abbruch, Neubau, Modernisierung 4.281.106 Euro
  • Sanierung Umbau Hauptgebäude mit Einbau Pelletanlage 2.494.273 Euro
  • Abriss und Neubau Seitenflügel 1.786.833 Euro
  • Rückbau öffentliche Toilettenanlage Wilhelmsplatz 25.000 Euro
  • Zuschuß Energetische Sanierung Hauptgebäude vom Land Hessen 113.000 Euro

Bau bringt Einsparung Heizenergie, CO2, Heizkosten und Moderne in die Stadt

Durch den Umbau mit der energetischen Sanierung wird der Heizwärmebedarf von 430.000 kWh auf 90.000 kWh reduziert. Das ist sehr viel an Einsparung. Mit der Umstellung vom Gas- Ölbetrieb auf Pellets ergeben sich Einsparungen an CO2-Emissionen von 94 Tonnen im Jahr und Heizkosteneinsparungen von etwa 22.000 Euro jährlich. Das ist ebenfalls ein hoher Betrag.

Der Abschluß der Arbeiten und die Fertigstellung des Verwaltugsgebäudes Friedrichstrasse 36 ist für Juli 2011 vorgesehen. Dann hat die Marburger Stadtverwaltung ein auf Stand der Technik befindliches Verwaltungsgebäude mehr im Stadtgebiet. Bedienstete und Bürger können und werden das Ergebniss beurteilen. Die Mitarbeiter im Städtischen Hochbauamt, die diesen Bericht mit Informationen unterstützt haben, werde dem gelassen entgegen blicken. Gelassen der Fertigstellung entgegen schauen wird vermutlich auch aplus architektur aus Gießen, deren Zeichnungen verwendet wurden. Die Fotografien machte Hartwig Bambey.

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