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Live-Bericht Bürgerversammlung Nordstadtentwicklung, Campus Firmanei

Marburg 28.10.2010 _19.05 (yb) Der Sitzungssaal der Stadtverordneten ist gut besetzt zur II. Bürger-versammlung für und über die Nordstadt(entwicklung). Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer hat nach Hessischer Gemeindeordnung eingeladen. Erneut ist die Stadtentwicklung Thema in Marburg. (Fotografien Hartwig Bambey)

Nach über zwei Stunden war die I. Bürgerversammlung beendet und für heute vertagt worden. Der Stadtverordnetenvorsther begrüsst und stellt das Podium vor:

Herr Wagner, Büro Stadtverordnetenvorsteher
Herr Haag, Projektbüro
Bauamtsleiter Rausch
Stadtverordnetenvorsteher Löwer
Oberbürgermeister Vaupel
Stadtplaner Kulle

Oberbürgermeister Vaupel begrüsst auch im Namen des erkrankten Bürgermeisters Kahle. Er erläutert das Anliegen für städtisches Handeln Bürgerbeteiligung zu eröffnen. In der Zwischenzeit hat es eine weitere Informationsveranstaltung zur Entwicklung des Waggonhallen-Areals gegeben, vergegenwärtigt Vaupel.

Nordstadt im Wandel

Der gesamte nördliche Bereich von Marburg unterliegt einen deutlichen Strukturwandel, sagt der OB. Die restlichen Kliniken werden bald auf die Lahnberge verlagert. Darauf bezieht sich die Entwicklung des Campus Firmanei, der die zukünftige Universitätsbibliothek und viele Geisteswissenschaftliche Institute in den nördlichen Stadtbereich verlagert. Damit wird ein Ausgleich zum Wegzug der Kliniken geschaffen, der zugleich wichtige Impulse zur Entwicklung des Quartiers zwischen Elisabethkirch und Bahnhof geben soll.

Planung, Platzierung und Umsetzungsprozesse

Stadtplaner Kulle gibt einen einführenden Vortrag, mit zahlreichen Folien auf Leinwand projiziert. Stadtentwicklung in Marburg bedeute zugleich Universitätsentwicklung. Die Stadt Marburg hat in einer Rahmenplanung die universitären Standortscheidungen im Rahmen des Campus Firmanei begleitet.

  • Ehemalige Kinderklinik
  • ehemaliges Brauereigelände und
  • ehemaliges Gelände der Frauenklinik

sind dabei die Standorte. Es geht zugleich um zentrale Standorte und Flächen in der Stadt Marburg. Der Botanische Garten als denkmalgeschütztes Gartendenkmal verlang dabei sensiblen Umgang. Zudem gibt es zahlreiche Baudenkmäler.

  • Schaffung von atraktiven Platzflächen
  • permanente Belebung des Nordstadt-Quartiers
  • integriertes Verkehrskonzept
  • Bestandssicherung Alter Botanischer Garten
  • Modernes Energiekonzept für die Nebauten

waren Rahmenbedingungen für den Planungswettbewerb.

Zielstellung keine neue Belastungen mit Kraftfahrzeugen

Teil des Verkehrskonzeptes ist ein Konzept für das zukünftige Stellplatzangebot. Demzufolge wird das Parken von KFZ in der Wilhelm-Röpke-Straße mit (noch) fußläufiger Anbindung organisiert. Die Gegebenheiten in Marburg hätten dieses als Lösung zur Folge gehabt, insbesondere um eine weitere Belastung der Innenstadt mit Parksuchverkehren zu verhindern. Zugleich sei eine zukünftige Parktiefgarage im Bereich der Stadthalle / Hörsaalgebäude denkbar. Eine relevante Zahl von zusätzlichen Stellplatzflächen hätte im Planungsbereich nicht qualifiziert vorgesehen werden können, erläutert der Stadtplaner.

Zukünftige Verkehrsströme der Nutzer der neuen Iniversitätsbiliothek zu Fuß oder per Fahrrad sollen aus Schutzgründen weitgehend um den Botanischen Garten herum gelenkt werden.  Zur Absicherung und planungsrechtlichen Fassung ist dazu ein Bebauungsplan in Vorbereitung.

Der Stadtpalner stellt die Zeitplanung vor. Diese hat in 2007 begonnen, sieht in 2011 den Abbruch der Frauenklinik vor. Der Bezug der neuen Universitätsbibliothek ist demnach für 2015 vorgesehen.

Fragen und Diskussionsteil

Die erste Frage zielt auf die in Augen des Fragestellers nur in geringem Umfang anschaulich gewordene Verkehrsplanung.

Der zweite Frager will wissen, wo Busparkplätze nahe zur Elisabeth-Kirche vorgesehen sind.

Ob hinreichend Fahrrad-Parkplätze im Planungsgebiet vorgesehen seien, interessiert den nächsten Frager. Er sieht eine „Explosion von Fußgängern und Farradfahrern“ für den Pilgrimstein oder die Deutschhausstraße, wo PKW-Verkehr derzeit dominiert.

Vermeidung von KFZ-Verkehr als Grundüberlegung

Baudirektor Rausch erläutert, dass etwa die Platzierung eines Parkhauses mit 600 Stellplätzen im Gebiet der Nordstadt nicht vorstellbar sei. Die dann stattfindenden Verkehrsströme würden zur völligen Überlastung führen.

Für Busverkehr und Fahrradverkehr sollen angemessen Fahrspuren geschaffen werden.
Busparkplätze für Touristen zur Elisabeth-Kirche werden erst noch geplant.

OB Vaupel erläutert die Notwendigkeit die relevanten Parkfläche peripher anzulegen. Ansonsten würden Fußgängerverkehr und Radverkehr mit KFZ-Verkehr in Konflikte gerade, die nicht organisierbar wären.

Nachtrag vom 29.10.2010

Es kamen besorgte Fragen zum Schutz des Baumbstandes im Alten botanischen Garten.
Dazu wurde ausgeführt, dass während der Bauarbeiten dies mittels Bohrungen und Messung der Grundwasserstände überwacht werden soll. Zudem werde die Baugrube für den sehr großen Baukörper der neuen Universitäts-Bibliothek nicht als Ganze ausgehoben. Der Schutz des Baumbestandes und anderer Gegebenheiten ist Teil des Planungsprozesses.

Nach Möglichkeiten späterer Flächenausweitung für den Campus Firmanei fragte eine Anliegerin.
Dass die räumlichen Verhältnisse auf dem Gelände der vormaligen Frauenklinik knapp seien, wurde konstatiert. Später wird die Pharmazie auf die Lahnberge verlagert. Dann werden Gebäude und Flächen in der Ketzerbach frei, die bei Platzbedarf einbezogen werden sollen.

Obe es Pläne für eine Gestaltung der Firmaneistraße gebe und an eine Gestaltung des Uferbereiches des dortigen Lahnseitenarms gedacht sei, war Frage.

Deer Gestaltungsbedarf dort ist Teil von Überlegungen und Planungen, deren Ziel es ist, das Wasser wieder erlebbar zu machen.

Transformation der Nordstadt ohne Kollission mit KFZ-Verkehr

Die Mehrzahl der Fragen zielte auf die Verkehrsplanung. Die Menschen wollen wissen, wie es zukünftig funktionieren soll, wenn zukünftig viel mehr Nutzer wie Kongressbesucher, Studierende, Touristen und Bewohner sich die knappen Flächen zwischen Bahnhof und Pilgrimstein teilen müssen.

Politik und Stadtplaner blieben keine Antworten schuldig. Man weiß, dass grosse Aufgaben bis 2015, dem gedachten Zeitpunkt der Fertigstellung der neuen Bibliothek, zu bewältigen sind. Parkplätze werden im Gebiet nicht zusätzlich geschaffen. Die sollen an der Wilhelm-Röpke-Straße entstehen.

Gleichwohl müssen die Verkehre organisiert und „gebaut“ werden. Ob Fußgänger, Radfahrer oder Buslinien. Alle brauchen Raum und Verkehrsflächen. Dass das in Arbeit ist, planerisch, wurde anschaulich.

Mit einem mehr an Informationen und der Erkenntnis, dass Marburg ein großer gebauter Wandel bevorsteht, machten sich die Besucher gegen 21 Uhr auf den Weg nach Hause.