Tag der Architektur:  Reinschnuppern in zwei Marburger Bauprojekte am 29. Juni

21.06.2024 (pm/red) Gleich mit zwei Projekten ist die Stadt Marburg für den bundesweiten Tag der Architektur ausgewählt worden. Am Samstag, 29. Juni, öffnen das Familienzentrum Stadtwald und die erweiterte Grundschule Marbach für alle Besucher ihre …

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Persönlichkeit und Kultur einbringen und behalten

Marburg 7.11.2011 (yb) Im Jahr 2010 hat Marburg und damit die gesamte Republik 130 Neubürger auf dem Weg der Einbürgerung gewonnen. Dass es sich bei und mit diesen 130 frischgebackenen Deutschen Staatsbürgern um einen wirklichen Gewinn handelt, dafür war das Einbürgerungsfest im Rathaus bester Beleg. Etwa 20 der Neubürger waren gekommen und es war einfach – man konnte und brauchte die Menschen einfach nur erleben. Ob zurückhaltend oder vor Freude strahlend, ob unauffällig oder festlich gekleidet, es ließen sich verschiedene Persönlichkeiten, Eigenarten und Umgangsweisen wahrnehmen. Gemeinsam sind diesen neuen Marburger Bürgerinnen und Bürgern ihre positive Einstellung zu dieser Republik, ihrer Kultur und viele Einbringungen aus ihrer Herkunft, Prägung, beruflichen Qualifikationen und offen sympathischen Menschlichkeit. Nach den Worten erst einmal Bilder.

Der Weg des Lebens – Geschichte eines Gemäldes

Oberbürgermeister Egon Vaupel verzichtete in seiner Ansprache auf große Worte zur Staatsbürgerschaft und brauchte vor dem Hintergrund konkreter Leistungen und Angebote zum Miteinander in Marburg keinen Appell  zur Integration verkünden.
Stattdessen erzählte das Stadtoberhaupt die Geschichte des Rathausgemäldes „Der Weg des Lebens“ von Carl Bantzer, welches die Stirnwand des Rathaussaales ziert. Dieses Gemälde wurde von zwei jüdischen Geschäftsleuten bei dem Marburger Maler für das Rathaus in Auftrag gegeben und gestiftet. Nur wenige Jahre nach seiner Aufhängung im Rathaus in 1930 „wurden die beiden Marburger Bürger mit ihren Familien von den Nazischergen aus der Stadt gejagt“ wie Vaupel sagte. In der Judenverfolgung  und deren ersten Höhepunkt 1938 in Gestalt der  November-Pogrome brannte in Marburg die Synagoge und in Deutschland herrschte das unmenschliche Nazi-Regime.

Vaupel wusste die Geschichte der stillenden Mutter in dem Gemälde zu berichten. Nur mühsam war es Carl Bantzer gelungen eine Mutter zu überreden sich dazu als Modell zur Verfügung zu stellen. Bedingung der Mutter war, dass weder sie noch ihr Kinder von Antlitz zu erkennen sein durften. So suchte der Maler eine andere Frau. Es war eine bekannte Marktfrau aus Großseelheim. Er bat sie um ein Portrait.

„So zeigt dieses Gemälde zwei Personen und eigentlich sind es drei Personen“ sagte Vaupel. „Als Gesicht und Antlitz sehen wir eine Marburger Marktfrau, die übrigens kinderlos war. Doch Körper und Kind gehören zu einer ganz anderen Frau und Familie. Es ist mit diesem Gemälde wie oft im Leben, wenn Menschen meinen etwas sehen und zu erkennen glauben und doch den wahren Gehalt nicht wahrnehmen.“

Der Oberbürgermeister wünschte den neuen Marburger Bürgerinnen und Bürgern, dass sie ihre „Persönlichkeit und Kultur behalten mögen und zum Wohle von uns allen hier in Marburg einbringen“.
Dann wurde es Zeit zusammen mit Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer die vorbereiteten Töpfe mit Orchideen an die Marburger Neubürger auszugeben, bei tatkräftiger Assistenz einiger Ratsherren.
Mit der dritten Musikeinlage des Duo Santiago, Katharina Fendl (Flöte) und Johannes Treml (Gitarre), endete der offizielle Teil einer angenehmen Begrüssungsfeier.
Auf alle Versammelten wartete schon ein köstliches syrisches Buffet. Ramzi Aljat mit seinem Restaurant Palmyra hatte eine gelungene Verköstigung bereitet.

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