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Ein vermeidbarer Feuerwehreinsatz und eine zerstrittene Hausgemeinschaft

Marburg 11.9.2011 (yb) Am Sonntagnachmittag wurde die Marburger Feuerwehr zu vielen Liegenschaften gerufen, um nach heftigem Gewitterregen mit Wasser vollgelaufene Keller leer zu pumpen. So traf gegen 15.00 Uhr auch ein Fahrzeug mit drei Feuerwehrleuten auf einem Grundstück an der Umgehungsstraße in Cappel ein, wo vom Bewohnerparkplatz Wasser in einem tiefer gelegenen Teil des Grundstücks strömte und dort in eine Kellerwohnung, die nach Information der Redaktion sich nicht in der ursprünglichen Bauplanung befunden hat, einzudringen drohte. In diese Kellerwohung ist in den vergangenen Jahren mehrfach bei Starkregen Oberflächenwasser eingedrungen. In der Folge kam es zu Besitzerwechsel, zuletzt soll die Wohnung für 60.000 Euro verkauft resp. erworben worden sein, um danach erneut einen Wasserschaden zu erleiden und einen Versicherungsfall auszulösen.

Bauliche Maßnahmen im Straßenbereich mit Regenwassereinlauf

Nach den extremen Niederschlägen im südlichen Stadtgebiet von Marburg, besonders im Bereich von Cappel, war es wieder einmal so weit. Zum vierten Mal seit dem Jahr 2000 strömten und fluteten Wassermassen den unteren Grundstücksteil. Hausbewohner eilten in die Kellerwohnung um zu helfen. An deren Terrassentür staute und drückte das Wasser in einer bedrohlichen Höhe von etwa 80 cm. Geistesgegenwärtig wurden die Sicherungen ausgeschaltet, während mehrere Personen mit Tüchern eindringendes Wasser aufnahmen, um Wasserschäden zu vermeiden, was dank des Einsatzes vieler Helfer wohl gelungen ist.   Nur wenige Minuten nach Eintreffen gegen 15.00 Uhr hatte die Feuerwehr draußen im Garten bereits ihre Pumpe in Gang gesetzt. Von dort wurde das Wasser aus dem überschwemmten Gartenteil vor der Kellerwohnung direkt auf die am Grundstück vorbeiführende Umgehungsstraße gepumt. Wie sich einmal mehr herausstellte, funktioniert die im unteren Gartenteil mit Schacht und Einlauf gebaute Wasserableitung nicht.

Neu gebaute Bordsteinkante zur Wasserführung bei Regen mit Wassereinlauf oberhalb der Liegenschaft.

Vor wenigen Wochen ist etwa 40 Meter oberhalb der Liegenschaft eine Baumaßnahme im Straßenbereich mit neuer Bordsteinkante und Regenwassereinlauf abgeschlossen worden. Damit soll verhindert werden, dass Regenwasser auf der Straße in das tiefer gelegene Grundstück mit dem Mehrfamilienhaus fließen kann. Wie sich bei einem Ortstermin der Redaktion von das Marburger. kurz vor 18.00 Uhr zeigte, funktioniert diese Schutzmaßnahme ohne Probleme. Der Regenwassereinlauf kann zufließendes Oberflächenwasser auch bei stärkerem Regen aufnehmen. Nun kamen am 11. September 2011 über Cappel und angrenzenden Gebieten ungewöhnlich große

Kanalratte am Straßenrand in Cappel nach Regenflut.

Wassermassen vom Himmel – weitaus mehr als bei normalem Regenwetter und selbst bei starkem Regen. Von dieser Situation sind nach Angaben des Pressesprechers des Landkreises etwa 100 Grundstücke oder Häuser betroffen worden.
Damit ist die Marburger Feuerwehr an diesem Septembersonntag zu ungewöhnlich vielen Einsätzen gerufen worden, überwiegend um mit Wasser mehr oder weniger vollgelaufene Keller leer zu pumpen. So ließen sich bis zum Anbruch der Dunkelheit Fahrzeugbewegungen roter Feuerwehrfahrzeuge beobachten.

Gleich um die Ecke: Selbsthilfe mit einer Sandsackbarriere

Bei einem Rundgang in Cappel am Spätnachmittag zeigten sich an verschiedenen Orten Spuren der nachmittäglichen sindflutartigen Regenfälle. Mit Laub und Blättern verstopfte Regenwassereinläufe und sogar kleine Sandanspülungen waren allerwegen unübersehbar. Ein Hausbesitzer in der Ronhäuser Straße hatte zum Schutze seines Hofes sogar eine Sandsackbarriere errichtet.

Nach rund zweistündigem Einsatz sind die drei Feuerwehrleute mit Fahrzeug abgerückt, zu einem nächsten Einsatz, wie einer der drei behelmten Männer sagte. In den Mehrfamilienhaus kehrte am Abend langsam wieder Ruhe ein. Mit vereinten Kräften im Einsatz war die Kellerwohnung dieses Mal ohne Schäden glimpflich davon gekommen. Im Gespräch unter Bewohnern wurde erneut die Frage des Baus einer Schutzmauer oder eines kleinen Erdwalles – allerdings höchst kontrovers – erörtert.

Unter Einsatz geringer Mittel könnte damit eine Überflutung des tiefer gelegenen Grunstückteils verhindert werden, gab ein Hausbewohner zu bedenken. Im Gespräch wurde dann jedoch schnell klar, dass einige Wohnungseigentümer dies ablehnen und sich stattdessen lieber an die Stadt Marburg halten wollen. Bedenken kamen lediglich hinsichtlich möglicher Versicherungsfälle auf.

So besteht geringe Aussicht, dass, ähnlich der Sandsackbarriere an einem gerade mal 200 Meter entfernten Nachbargrundstück, eine Geländemodellierung vorgenommen wird, oder alternativ eine kleine Schutzmauer gebaut wird. Damit würde zuverlässig verhindert, dass die Kellerwohnung zukünftig von Wasser geflutet werden kann.

Eine Wanne mit feuchten Tüchern in der Hand, stimmte die Ehefrau des Besitzers der Kellerwohnung einem Mitbewohner zu, als dieser sagte „wäre dieser Starkregen 24 Stunden später, mithin am Montag gekommen, wenn alle Bewohner außer Haus an der Arbeit sind, hätte bei Überflutung sogar ein Brand wegen Kurzschluss entstehen können.“

Dann allerdings wäre die Feuerwehr zum Löschen und nicht zum Abpumpen alarmiert worden. So wird sich erst noch zeigen müssen, ob die bislang heillos zerstrittenen Wohnungseigentümer sich dazu entschließen werden endlich wirksame Eigenmaßnahmen zu ergreifen. Dazu freilich müssen sich einige besinnnen und aufhören mit dem Finger auf die Stadt Marburg zu zeigen. Deren Baumaßnahme kann die absaufende Kellerwohnung (zum ‚Schnäppchenpreis‘ von 60.000 Euro) nicht vor solchen Wetterunbilden wie dem ungewöhnlichen Starkregen am 11. September 2011 bewahren. Und wenn Marburger Feuerwehrleute erneut alarmiert werden (müssten), wäre es mal wieder zu spät.
Alle Fotografien Hartwig Bambey copyright 2011.