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Argumente zum Erhalt der Ausbildungsplätze im Botanischen Garten – übermittelt von einer Berufsschullehrerin aus Kirchhain

Pflanzenmarkt im Botanischen Garten 2012 – eine erfolgreiche Veranstaltung des Hessischen Gärtnerverbandes. Foto Hartwig Bambey

Marburg 29.11.2012 (red) Mit Interesse habe sie „die letzten Artikel in das Marburger. gelesen und von den neueren Entwicklungen zum Denkmalschutz erfahren,“ teilte gestern eine Leserin in einer Mail mit. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet Marion Brix als Berufsschullehrerin im Garten-baubereich der Beruflichen Schulen in Kirchhain mit den Ausbilderinnen und Ausbildern des Botanischen Gartens im Rahmen der Dualen Berufsausbildung zusammen. Sie ist gelernte Gärtnerin, diplomierte Agraringenieurin der Fachrichtung Umweltsicherung und hat sich anschließend für die ‚Berufsschullehrerinlaufbahn‘ entschieden. Sie ist zudem Mitglied des Freundeskreises des Botanischen Gartens. Einige Informationen aus der Mailnachricht von Marion Brix und ihre zusammenfassenden Gedanken werden hier als unerwarteter Gastbeitrag gerne veröffentlicht:
Diesen Sommer haben wir zum ersten Mal keine neuen Auszubildenden des Botanischen Gartens in den Berufsschulunterricht aufnehmen können. Dies kam nicht überraschend, da wir die Entwicklungen verfolgt haben. Dennoch finde ich es bestürzend, dass eine öffentlichen Einrichtung (Universität) mit derartigen Qualitäten und personellen, wie technischem Potential, sich ihrer Ausbildungsverantwortung
entziehen will.

Mir ist es wichtig, diesen Aspekt – Ausbildungsplatz ‚Botanischer Garten‘ ‐ einer der noch wenigen übrig gebliebenen Betriebe, in denen Produktions‐GärtnerInnen in unserer Region ausgebildet werden können – mit in die derzeitige Diskussion einzubringen, da er leider nicht häufig zur Sprache kommt. Für mich ist der Gärtnerberuf nicht nur einer von vielen möglichen Berufen, den junge Leute heutzutage erlernen können. Das Wissen der Gärtnerbranche wird nach meiner Einschätzung in der Zukunft immer wichtiger werden. Es ist der Beruf, in dem junge interessierte Menschen die Grundlagen des Naturhaushaltes erlernen und den verantwortungsvollen Umgang mit den ökologischen Ressourcen und dieses Wissen dann in die berufliche Praxis einbringen und nicht zuletzt Kunden dahingehend
informieren.

Argumente für den Erhalt der Ausbildungsplätze im Botanischen Garten

  • Die Beruflichen Schulen in Kirchhain arbeiten schon seit langem im Rahmen der Dualen Berufsausbildung mit den Ausbilderinnen und Ausbildern des Botanischen Gartens in der gärtnerischen Berufsausbildung konstruktiv zusammen. Viele Auszubildende haben in dieser Konstellation in den letzten Jahren ihre Ausbildung zur Gärtnerin/zum Gärtner in der Fachrichtung ‚Blumen‐ und Zierpflanzenbau‘ erfolgreich absolviert.
  • Die Zusammenarbeit unterstützte nicht zuletzt den gärtnerischen Berufsstand in unserer Region. Zu erwähnen wären hier gemeinsam durchgeführte, auf Bundesebene initiierte, Berufswettbewerbe sowie Informationsveranstaltungen zum Beruf ‚Gärtnerin/Gärtner‘.
  • Die Gartenbauabteilung nutzt regelmäßig den Botanischen Garten als ‚außerschulischen Lernort‘ sowie die Möglichkeiten, welche sich durch das Angebot der ‚Grünen Schule‘ ergeben.
  • Der Botanische Garten hat in den letzten Jahren, als wesentlicher Standort für die gärtnerische Ausbildung in unserer Region, einen immer höheren Stellenwert erlangt. Viele mittelständische Gartenbaubetriebe der Region haben sich, aufgrund des starken Konkurrenzdrucks und der damit verbundenen Verlagerung vom Produktionsbetrieb in einen reinen Verkaufsbetrieb, aus der Ausbildung zurückgezogen. Mit dem Beenden der gärtnerischen Ausbildung im Botanischen Garten würde ein wesentlicher Eckpfeiler für diese interessante Berufstätigkeit weg fallen und der allseits prognostizierte ´Fachkräftemangel´ vorprogrammiert. Das Land Hessen hat sich in seinem ‚Ausbildungspakt‘ verpflichtet eine Vorreiter‐ und Initialfunktion im Rahmen der beruflichen Bildung zu übernehmen. Wir möchten, dass dieses auch weiterhin für die gartenbauliche Ausbildung im Botanischen Garten der Philipps‐Universität Marburg gilt.
  • Der Botanische Garten als Partner im Dualen System hat auch Auswirkungen auf die Gartenbauausbildung am Berufsschulstandort Kirchhain. Mit einem Wegfallen der Auszubildenden aus dem Botanischen Garten, könnte es dazu kommen, dass die Fachrichtung ‚Blumen‐ und Zierpflanzenbau‘ in Zukunft an andere Berufsschulstandorte verlagert würde. Hiermit wären weitere Fahrwege für die Auszubildenden verbunden.
  • Die Folge davon könnte sein, dass der Ausbildungsberuf ‚Gärtnerin/Gärtner‘ im Produktionsbereich als Möglichkeit der Berufsfindung für junge Menschen und als Umschulungsmöglichkeit für Ältere in unserer Region gänzlich verschwinden würde.
  • Der Botanische Garten bietet, aufgrund seiner personellen und technischen Voraussetzungen sehr gute Bedingungen auch benachteiligten jungen Menschen eine Ausbildung zu ermöglichen. Hierfür böte sich als weiteren Ausbildungsschwerpunkt die Ausbildung zur Gartenbauhelferin/ zum Gartenbauhelfer an.

Jede Menge Botanisches und Besucherinteresse vieltausendköpfig beim Pflanzenmarkt.

Diese Veröffentlichung folgt der Hoffnung, dass es doch noch Wege gibt, den Botanischen
Garten auch als Lern‐ und Ausbildungsort zu erhalten. Die Ausbilderinnen und Ausbilder
und alle engagierten Mitarbeiter des Botanischen Gartens hätten es verdient.

Studienrätin Marion Brix, Kirchhain,

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