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333.000 Euro für archäologisches Forschungsprojekt bei Kirchhain-Niederwald

Überreste der keltischen Brücke. Foto hessenARCHÄOLOGIEMarburg 18.12.2012 (pm/red) Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat das Forschungsprojekt ‚Die mittellaténezeitliche Holzbrücke mit Siedlung bei Kirchhain-Niederwald (Hessen) und ihre Einbettung in die Siedlungslandschaft des Amöneburger Beckens: Interdisziplinäre Untersuchungen zu Umweltbedingungen, wirtschaftlichen Grundlagen und überregionalen Verbindungen während der Latènezeit‘ in Höhe von 333.000 Euro bewilligt. Die Leitung für das zweijährige Forschungsprojekt liegt in den Händen von Dr. Christa Meiborg, hessenARCHÄOLOGIE, Außenstelle Marburg und Dr. Ines Balzer, Leiterin des Forschungszentrums der ‚Keltenwelt‘ am Glauberg.

Forschungsprojekt zur mittleren Latènezeit
Das Amöneburger Becken ist eine gut abgrenzbare Siedlungskammer im nördlichen Mittelhessen, die zu allen prähistorischen Zeiten besiedelt war. Für die jüngere Eisenzeit ist besonders die Höhensiedlung Amöneburg als Zentralort bekannt. Während Früh- wie auch Spätlatènezeit hier gut erfasst sind, gilt dies, wie in vielen Regionen nördlich der Alpen, nicht für die mittlere Latènezeit (3./2. Jh. v. Chr.). Diese Fundlücke wird häufig mit den von antiken Autoren bezeugten keltischen Wanderungen und einem damit verbundenen Siedlungsrückgang erklärt.

Neue archäologische Entdeckungen bei Kirchhain-Niederwald in Sichtweite der Amöneburg legen jedoch nahe, dass diese vermeintliche Besiedlungslücke auf einem bislang ungenügenden Forschungsstand beruht. So wurden dort in einer Kiesgrube zwischen 2009 und 2012 eine mittellatènezeitlichen Brücke und die dazugehörige Siedlung freigelegt.

Die Erhaltungsbedingungen der Holzbefunde waren spektakulär. Unter anderem konnten die Überreste einer im rechtsrheinischen Raum bislang einzigartigen, mindestens 26 m langen hölzernen Jochpfahlbrücke ausgegraben werden. Die Erbauungszeit ließ sich anhand der Altersbestimmung der Bauhölzer aus Eichenholz in das Jahr 211 v. Chr. datieren. Sie wurde zwischen 194–192 v. Chr. noch einmal erneuert. Als Teil eines vorgeschichtlichen Verkehrsweges führte sie wahrscheinlich über ein kleineres Gewässer (Wohra?) inmitten einer sumpfigen Talaue. In ähnlich guter Erhaltung sind Brückenbauwerke aus der Latènezeit nur noch aus der westlichen Schweiz, darunter vom namensgebendem Fundort La Tène bekannt.
Ebenso außergewöhnlich wie die Brücke selbst sind auch die während der Grabungen geborgenen Funde. Sie reichen von über 300 kg hervorragend erhaltenem, keramischem Material, über Glasschmuck, hölzerne Objekte, Kultur- und Nutzpflanzenreste, Tierknochen bis hin zu Viehdungfladen. Eine 2011/2012 planmäßig ausgegrabene Siedlungsstelle erbrachte 77 Gruben und Pfostenstandspuren, die flussabwärts dicht am ehemaligen Gewässer lagen. Durch diese neuen Untersuchungen gelang es, die Ausdehnung der Siedlung nahe der Brücke zu erfassen.

Es bietet sich nun im Amöneburger Becken die erstmalige Gelegenheit, bislang weitgehend unbekannte Siedlungsstrukturen, Umwelt- und Lebensbedingungen, (land-)wirtschaftliche Grundlagen sowie überregionale Kontakte in der Mittellatènezeit aufzuzeigen.