Startschuss für Interimsspielstätte des Staatstheaters Kassel

08.07.2024 (pm/red) Kassel ist eine der traditionsreichsten Theaterstädte Deutschlands: Schon vor über 400 Jahren wurde unter Landgraf Moritz das Ottoneum als erster fester Theaterbau Deutschlands errichtet. Das Staatsorchester Kassel, hervorgegangen aus der 1502 gegründeten Hofkapelle, …

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Zum Wohnungsproblem in Marburg – Hintergründe und Ausgangslage zu einem lange verschwiegenen Problem für 2013

dbaz1210_0124 WohnungsbauMarburg  7.1.2012 (yb) In der letzten Zeit ist das Thema Wohnungsnot bundesweit auf die Tagesordnung geraten. Für Deutschland insgesamt wird von einem Fehlbestand von mindestens 250.000 Wohnungen ausgegangen. Hinter einer solchen Zahl verbergen sich viele Probleme, die als Mangel von Wohnraum pauschal nicht hinreichend beschrieben sind. „Die gespaltene Stadt“ war der Titel einer Reportage in der gestrigen ‚Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung‘.  Im Untertitel wurde ein Problem genauer benannt. „Arm und Reich driften auseinander in deutschen Großstädten“ gab es dort als Hinweis zu lesen. Dasselbe Thema thematisierte die ‚Süddeutsche Zeitung‘ zwei Tage zuvor am 4. Januar 2013. Unter der Überschrift „Es wird eng“ gab es weiter zu lesen: „Die Mieten steigen rasant, in einigen Ballungsräumen scheint es für Normalsterblich fast aussichtslos ein bezahlbares Heim zu finden. Im Jahr 2013 steht Deutschland vor der Frage: Darf Wohnen zum Luxus werden?“ Solche Berichte können als deutliche Meldungen, ja als Alarmzeichen betrachtet werden. Dabei lassen sich die Phänomene und Probleme unmittelbar auf Marburg übertragen. In der Universitätsstadt an der Lahn mit prosperierender Wirtschaft und jährlich wachsendem Allzeithoch bei der Zahl der Studierenden gibt es eine ausgeprägte Wohnungsnot. Dies wurde noch im Sommer 2012 im Stadtparlament bestritten. In der Julisitzung wurde verweigert wahrzunehmen, dass in Marburg Wohnungsmangel und ein kaum mehr bezahlbares Mietpreisniveau umgeht. Diese politische Verweigerung der Wahrnehmung ausgeprägter Wohnungsprobleme in Marburg – insbesondere bei der SPD – konnte im Herbst durchbrochen werden. Eine Veranstaltung der Lokalen Agendagruppen zur Wohnungsfrage hat solch eklatanter politischer Verweigerung den Boden entzogen. Als eine erste Folge wurde ein deutlicher Nachschlag für den Haushalt 2013 mobilisiert. Mehr als 1,5 Millionen Euro hat Rot-Grün dem Entwurf von Kämmerer und Oberbürgermeister Vaupel hinzugefügt, um finanzielle Handlungsmöglichkeiten seitens der Stadt in der Wohnungsfrage zu eröffnen.

Damit stehen Bewohner und politische Verantwortliche zum Anfang des neuen Jahres vor nicht wenigen Aufgaben. Nach einer mindestens 10 Jahre währenden Politik des Laisser-Faire, die es Privatinvestoren überlassen hat Wohnungsbau als veritable Geldanlage zu betreiben, gilt es ernsthafte Ziele für einen sozial orientierten Wohnungsbau in Marburg zu formulieren. Neben dem Grundanliegen der Schaffung bezahlbaren Wohnraums sind dabei die Wohnbedürfnisse von Älteren und Menschen mit Handicaps ebenso zu bedenken, wie Wohnraum für die weiter wachsende Zahl von Studierenden in Marburg.

Die Bestimmungsmerkmale für einen dergestalt wirksamen Wohnungsbau sind vielfältig und nicht gerade einfach zu definieren. In die Diskussion gebracht wurde angesichts fehlender Finanzausstattung von Bund und Land für ‚Sozialen Wohnungsbau‘ das Mittel einer Sozialquote. Dafür existieren gesetzliche Grundlagen, die andernorts erfolgreich eingesetzt werden. Schaffung barrierefreien Wohnraums, ob für Ältere oder Menschen mit Handicaps, ist eine vordringliche Aufgabe. Zum Neubau zusätzlichen Wohnraums kommen Aufgaben energetischer Sanierung im Wohnungsbestand hinzu, nicht alleine um die Heizkosten bezahlbar zu halten. In der Kernstadt von Marburg gibt es zudem derzeit einen Mangel an Flächen für Wohnungsneubau, dem sich die Stadtpolitik auch erst zuwenden müsste. Damit sind bereits bei weitem hinreichende Kriterien für eine wirklichen Schwerpunktsetzung städtischen Handelns und konkreter Maßnahmenentwicklung in Marburg benannt.

Doch davon sind Magistrat und Rot-Grüne Parlamentsmehrheit noch deutlich entfernt. Im Bauamt hat man alle Hände voll zu tun um die aufwendige Modernisierung und Erweiterung der Stadthalle in den kommenden Jahren in den Griff zu nehmen. Rund 27 Millionen sind dafür als Teilsumme derzeit Planungsgrundlage und strapazieren den Investitionshaushalt der kommenden Jahre. So ist es nicht abwegig zu artikulieren, dass es auch in diesem Jahr wesentlich darauf ankommen wird, dass aus der Stadtgesellschaft weiter wirksame Impulse und Forderungen zum Wohnungsproblem in Marburg kommen müssen. Jedenfalls, wenn wirkliche Bewegung in Marburg entstehen soll und tatsächliche Maßnahmen in ganzer Breite ergriffen werden sollen. Ansonsten droht schnell  ein erneutes Kleinreden und Etikettenschwindel.

Dafür steht nun einmal die Schaffung neuen (und teuren) Wohnraums in der Uferstraße. Dass zugleich nur wenige hundert Meter entfernt preiswerter Wohnraum in Gestalt des Schwesternwohnheims abgebrochen und damit vernichtet wird, hat man im Zuge großsprecherischer Campusplanungen allzu gerne unter den Teppich gekehrt. Nur so ist zu verstehen, dass in Marburg – vorneweg Oberbürgermeister Vaupel – kolportiert werden konnte, in der Uferstraße im vormaligen EAM-Gebäude würde neuer Wohnraum entstehen. Die dort entstehenden rund 50 Wohneinheiten reichen bei Licht betrachtet nicht einmal als Ersatz für die 80 Wohneinheiten des jetzigen Schwesternwohnheims am Alten Botanischen Garten. Der Bau tatsächlicher Ersatzwohnraums als Schwesternwohnheim soll dem Vernehmen nach demnächst überhaupt erst angegangen werden. Bauträger noch unbekannt!

dbaz1210_0127 BauarbeiterEs gibt also viel zu tun in Marburg, für viele Akteure und vorneweg ihren Oberbürgermeister. „Im Jahr 2013 stehen wichtige Entscheidungen für die Stadt an, z.B. bezüglich unserer Bewerbung um Aufnahme in die Unesco-Welterbeliste. Für dieses Projekt und für weitere Aufgaben hoffe ich auf Ihre Unterstützung und aktive Mitarbeit“, hat Oberbürgermeister Egon Vaupel formuliert. Da sich der Oberbürgermeister längst der Mitarbeit bezahlter Kräfte für seine Weltkulturerbeavancen versichert hat, sind Bürgerinnen und Bürger nicht schlecht beraten ihrem Stadtoberhaupt bei den anderen und wichtigen Themen – vorweg bei der Wohnungsnot in Marburg – die erwünschte Unterstützung und aktive Mitarbeit zuteil werden zu lassen.

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