Strohballen statt Beton – Mönche bauen nachhaltiges Gästehaus

Kassel 06.04.2021 Gastbeitrag von Ursula Wöll Der Klimawandel ist allgegenwärtig und wirksame Maßnahmen werden diskutiert. Neben einer Energieerzeugung mit Windkraft und Sonnenenergie und einer Verkehrswende hat das Bauen einen gewichtigen Anteil an einer umweltfreundlichen oder …

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Es kommt Bewegung in das winterstarre Marburg

UniStMarburg140201 (yb) In der letzten Januarwoche hat es nicht wenige Anzeichen dafür gegeben, dass in Marburg und im Landkreis allmählich etwas Bewegung und Beschleunigung in Gang gekommen ist. Dafür ist es an der Zeit, wobei die Phase der Unterbesetzung in der Stadt wegen wochenlangen Ausfalls des Oberbürgermeisters (Rekonvaleszenz nach Herzinfarkt) ja nun auch vorbei ist. Ausschusssitzungen und Stadtverordnetenversammlung haben sicherlich dazu beigetragen, dass beginnende Diskussion und politische Auseinandersetzung das Vorhandensein wichtiger Aufgaben vergegenwärtigen.

Zum Wochenende ist zunächst einmal beim Landkreis eine Zäsur begangen worden. Im Rahmen der Kreistagssitzung wurde nach 18 Dienstjahren Landrat Robert Fischbach verabschiedet und mit Kirstin Fründt erstmals eine Landrätin vereidigt. Mit einer Frau als Landrätin ist dieses politische Amt zugleich von der CDU an die SPD gegangen. So gab es am Freitag gleich zwei Empfänge des Landkreises. Nach der Kreistagssitzung wurde im Kreistag die neue Landrätin begrüßt. Abends war große Abschiedsversammlung zu Ehren von Robert Fischbach im repräsentativen Rahmen des Kongresszentrums der DVAG.

Sie wolle sich bürgernah einbringen, richte dazu eine Bürgersprechstunde ein, verlautbarte die neue Landrätin. Transparenz solle ihr Wirken begleiten, im möglichst einvernehmlichen Miteinander mit den Kommunen. Denen wurde eine Senkung der von ihnen aufzubringenden Kreisumlage in Aussicht gestellt, wenn es denn die Kassenlage des Landkreises zulassen wird. Politisches Programm ist dies nicht und auch die von Fründt angekündigte familienorientientierte Politik im Landkreis sagt noch nicht viel zu dem breiten Aufgabengebiet, das auf die neue Repräsentantin des Landkreises wartet. Es wird eine Zeit nicht zuletzt der Einarbeitung brauchen, bis man erkennen kann ob und welche Änderungen oder veränderte Akzentuierungen sich in Marburg-Biedenkopf erkennen lassen. Jetzt ist auch beim Landkreis das Ergebnis der Wahl vollzogen. Vielleicht wird es ja spannend. Der Landkreis hat einiges mehr zu bieten als Auseinandersetzungen um Windkraftstandorte, Tempo-30-Zonen und deren möglichst engmaschige Überwachung per Radaranlagen.

Dass die mit Getöse (und mit Kosten in Höhe von 100.000 Euro) kurz vor der Wahl vom letzten FDP-Verkehrsminister landesweit angeordneten und aufgestellten Warnschilder „Radarüberwachung“ nun gleich wieder verschwinden, hat der neu zuständige Minister Tarek al Wazir von den Grünen auf den Weg gebracht. Damit ist zumindest dieses „Hessische Schilda“ als FDP-Wahlpopulismus und Streitpunkt mit vielen Kommunen aus der Welt.

Dass ein Abbau des Schlachthofs in Marburg nicht einfach hingenommen wird, war Thema eines dringlichen Prüfauftrags an den Magistrat in der Stadtverordnetensitzung. Wenigstens sieht man in der Stadt Marburg die Bedeutung dieser Einrichtung für eine regionale Versorgung und Orientierung ohne überflüssige und quälende Transportweg für das Schlachtvieh.

In der Marburger Stadtpolitik ist ein Millionenloch zum Thema geworden. Für die Sanierung und den Umbau des Altenheims auf dem Richtsberg sollen 15 Millionen Euro an Investitionen aufzuwenden sein. Das Hochhaus in der Sudetenstraße, betrieben von der Marburger Altenhilfe St. Martin,  hatte bisher 140 Plätze. Zukünftig soll es nur noch 80 Plätze für alte Bewohner geben und dazu Wohnplätze für Studierende, die möglichst in Betreuungsleistungen einbezogen werden sollen. Ein diesbezügliches Konzept wurde für gut befunden. Doch jetzt fehlen die Millionen für den Umbau. Hinzu kommt, dass bei der Marburger Altenhilfe Verluste entstehen.

So zeigt sich, dass im Vollzug der Rot-Grünen Rathauskoalition Probleme anstehen. Ein wenig verwundern können die „plötzlichen“ Nachrichten zu anstehenden Investitionen zu Gunsten des älteren Bevölkerungsteils in Marburg durchaus. Seit Jahren wurde hier zwischen SPD und Grünen gestritten, in Cölbe wurde von der Altenhilfe eine neue Einrichtung für beinahe 10 Millionen Euro in Betrieb genommen. Jetzt fehlt Geld im laufenden Betrieb und es ist unklar wie die anstehenden Investitionen finanziert werden können. Da wartet einiges an Aufgaben, von denen insbesondere die SPD sich gefordert sehen dürfte.

Seitens des Publikums findet nach wie vor eine lebhafte Diskussion um die im Sommer an den Start kommen sollende  „Bimmelbahn“ statt. Das Vorhaben eines Marburger Taxiunternehmens, von diesem selbst als „Altstadtbahn“ bezeichnet, wird in Frage gestellt. Manche halten es für ein Disneyprojekt mit zweifelhaftem Verkehrswert. Andere machen sich Gedanken um die Funktionalität angesichts einer Routenführung, die abwärts über die Universitätsstraße durch die Innenstadt vorbei an der E-Kirche wieder zum Steinweg geplant ist. Das mit Tempo 25 km/h tuckernde Gefährt könnte in der Tat zur regelmäßigen Schlangenbildung in der Innenstadt führen.

Aus der total überfüllten und unterfinanzierten Philipps-Universität sind jetzt zumindest erste Proteste über die Studienbedingungen laut geworden. 900 Studierende und gerade einmal drei Professoren. Unmögliche, überfüllte und unterausgestattete Räume und Lehrveranstaltungen treiben Studierende der Philosophie und auch die Bediensteten um. Sie haben Krach geschlagen und fordern kurzfristige und wirksame Verbesserungen. Als Folge soll es einen Aufnahmestopp im kommenden Sommersemester geben, danach wohl einen lokalen Numerus Clausus  für das Fach. Für die unglücklich jetzt dort Studierenden bringt dies nicht viel. Doch immerhin erkennen offenbar auch vom  Turboabitur gestählte junge Studierende im Studium nach Bolognaregeln, dass sie sich um ihre Studienbedingungen auch selbst kümmern müssen.

Der Januar ist vergangen und einige Themen und Probleme bei der Stadt, im Landkreis und bei der Universität liegen auf Tisch. Es bleibt zu wünschen, dass der Umgang damit nicht so grau und drückend mit leichtem Niederschlag gerät, wie das Wetter am ersten Februartag.