Startschuss für Interimsspielstätte des Staatstheaters Kassel

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Vegetation auf alten Mauern bereichert Artenvielfalt

Bürgermeister Franz Kahle, vorne, stellte zusammen mit Vegetationskundlerin Dr. Elisabeth Zindler-Frank, Marion Kühn, Fachdienstleiterin des Fachdienstes Stadtgrün, Klima und Naturschutz, Barbara Zimmermann, Mitarbeiterin des Fachdienstes, und Claus Neckermann, Schulungsreferent der GästeführerInnen, das Faltblatt vor. Foto Ute Schneidewindt.

Bürgermeister Franz Kahle, vorne, stellte zusammen mit Vegetationskundlerin Dr. Elisabeth Zindler-Frank, Marion Kühn, Fachdienstleiterin des Fachdienstes Stadtgrün, Klima und Naturschutz, Barbara Zimmermann, Mitarbeiterin des Fachdienstes, und Claus Neckermann, Schulungsreferent der GästeführerInnen, das Faltblatt vor. Foto Ute Schneidewindt.

Marburg 140722 (pm/red) Seit Jahrhunderten gehören Mauern zum Bild menschlicher Siedlungen. Besonders eindrucksvoll sind in Marburg das alte Mauerwerk des Schlosses sowie die Mauern der Bauwerke rund um das Schloss. Alte Mauern erzählen vom Lauf der Geschichte, von der Entwicklung der Architektur und der Kultur des Menschen. Deshalb stehen sie berechtigter Weise oftmals unter Denkmalschutz.

Kaum jemand weiß, dass diese alten Mauern auch eine große Bedeutung für den Naturschutz haben, erklärt Bürgermeister Dr. Kahle. Die Ritzen und Fugen in alten Natursteinmauern bilden einen Lebensraum für unscheinbare Spezialisten unter den Pflanzen und Tieren. Meist finden diese Biotope erst dann Beachtung, wenn Menschen sich an ihnen stören. Dabei lohnt es sich durchaus, einmal den Blick auf den erstaunlich vielfältigen Mikrokosmos in den Ritzen zu richten. „Das Leben in den Marburger Mauerritzen wird nicht immer so gewürdigt“, so Bürgermeister Kahle, „dabei befinden sich unter der Mauervegetation ganz außergewöhnliche Pflanzen, die es wert sind, geschützt zu werden.“

Ökologisch betrachtet stellen die alten Mauern und Treppen in unseren Städten und Dörfern von Menschen geschaffene Felsstandorte dar. Durch die Verwitterung des oft kalkhaltigen Mörtels in den Nischen und Fugen bilden sich im Laufe von Jahrzehnten bis Jahrhunderten erstaunliche und beachtenswerte Lebensgemeinschaften. Die Vegetation der Mauern ist daher untrennbar mit der Kulturgeschichte unserer Städte verbunden. „Die heutige Mauervegeation sind ursprüngliche Zierplfanzen, die sich später die Marburger Mauern als zweiten – so genannten Sekundärlebensraum – eroberten“, so Claus Neckermann, Autor und Schulungsreferent für die Gästeführerinnen und Gästeführer.

Pflanzen der Mauerstandorte haben lernen müssen, mit einem Minimum an Wasser und Nährstoffen auszukommen. Zudem müssen sie hohe Temperaturschwankungen ertragen. Nur spezialisierten Arten gelingt es, dort Fuß zu fassen. Meist brauchen sie viele Jahre, um einen größeren, auffallenden Bestand zu entwickeln. Dann beleben sie mit ihren oft farbenfrohen Blüten, wie die des Gelben Lärchensporns oder des violetten Zimbelkrauts, das Bild unserer Mauern.

Um die Bürgerinnen und Bürger, aber auch die Besucherinnen und Besucher der Universitätsstadt Marburg über die Pflanzen dieser besonderen Lebensräume zu informieren, hat die Untere Naturschutzbehörde der Universitätsstadt Marburg ein Faltblatt erstellen lassen, welches gestern  der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Zudem wurde für die Stadtführerinnen und Stadtführer eine Schulung zu diesem Thema angeboten, die auf großes Interesse stieß. Das Faltblatt ist bei der Unteren Naturschutzbehörde in der Ockershäuser Allee 15, dem Umweltbüro in der Oberstadt und bei den Gästeführerinnen und Gästeführern erhältlich.

„Wir hoffen, dass Besucherinnen und Besucher bei ihren Spaziergängen durch die historischen Teile der Stadt die alten Mauern und ihre Bewohner zukünftig mit anderen Augen betrachten“, so Franz Kahle, „denn alte Mauern stellen in unserer sich schnell verändernden Umwelt wichtige Lebensräume dar, die lange Bestand haben. Die sie besiedelnden Pflanzen sind keine störenden „Unkräuter“, die schnell beseitigt werden müssen, sondern Lebensgemeinschaften mit hoher Bedeutung für den Artenschutz sowie die Biodiversität im städtischen Bereich.“

Der Erhalt der alten Mauern unserer Baudenkmäler in der Universitätsstadt Marburg und der Erhalt ihrer Vegetation stellen auch keinen Widerspruch dar. Werden bei einer notwendigen Sanierung einige Regeln beachtet, wie die Verwendung historischer Materialien und ein abschnittsweises Vorgehen, dann können restaurierte Bereiche schnell wieder besiedelt werden. Dann werden sich Besucherinnen und Besucher auch zukünftig nicht nur an unseren historischen Bauwerken in Marburg, sondern auch an der Schönheit ihrer Vegetation erfreuen können. Die Universitätsstadt Marburg sei gerne behilflich, wenn eine Mauersanierung fachgerecht und im Sinne des Naturschutzes durchgeführt werden soll, so der Bürgermeister abschließend.

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