Einsamkeit im Alter: Eine Bratwurst beim Stadtfest mitzuessen, wäre schon schön gewesen

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Ideen für die „Soziale Stadt“ Ockershausen/Stadtwald

In Kleingruppen wurdenviele Ideen, Wünsche und Anregungen gesammelt. Foto Heiko Krause

In Kleingruppen wurden viele Ideen, Wünsche und Anregungen gesammelt. Foto
Heiko Krause

Marburg 25.02.2015 (pm/red) Der Startschuss zum Programm „Soziale Stadt“ im Stadtteil Ockershausen/Stadtwald ist vollzogen. Mehr als 50 Bürgerinnen und Bürger kamen in die Räume der Initiative für Kinder-, Jugend- und Gemeinwesenarbeit (IKJG), um bei der Auftaktveranstaltung ihre Ideen, Wünsche und Erwartungen zusammenzutragen. Auf dieser Grundlage soll von den Akteuren der „Sozialen Stadt“ ein „Integriertes Entwicklungskonzept“ erarbeitet und schrittweise umgesetzt werden.

Die intensive Beteiligung der BewohnerInnen am Entwicklungskonzept ist eine Besonderheit des Programms „Soziale Stadt“. Bürgermeister Dr. Franz Kahle freute sich deshalb sehr über die rege Beteiligung: „Projekte sind am besten angelegt, wenn sie gemeinsam erarbeitet werden“, sagte er. Ortsvorsteher Matthias Simon ergänzte: „Die Neugier auf die Entwicklung ist da. Und wenn man nicht mitmacht, dann ärgert man sich hinterher, nicht mitgewirkt zu haben“.

Kahle verwies darauf, dass die „Soziale Stadt“ am Richtsberg in den vergangenen Jahren hervorragend gelaufen sei. Als abzusehen gewesen sei, dass das Programm dort ausläuft, habe die Stadt bereits 2009 den Antrag für das Waldtal und Ockershausen/Stadtwald gestellt.

Im Dezember 2014 überreichte Umweltministerin Priska Hinz die Bewilligungsbescheide über die Aufnahme der Stadtteile in das Programm. Mit der Bewilligung stellen Bund und Land der Stadt Marburg in der ersten Tranche etwa 2,1 Millionen Euro zur Verfügung, gut 1,56 Millionen für Ockershausen/Stadtwald. Insgesamt rechnet die Stadt für den zehnjährigen Förderzeitraum mit Investitionskosten von rund sechs Millionen Euro für beide Statteile, von denen Bund und Land 57 Prozent tragen.

Ansprechpartner sind die beiden Koordinatoren Jürgen Kaiser vom Fachdienst Stadtplanung sowie Peter Schmittdiel vom Jugendamt, die zum Auftakt im Stadtwald kurz die Projektplanung vorstellten. Ganz wichtig sei die Beteiligungskultur, sagte Kaiser, und die ende nicht mit der Auftaktveranstaltung. Weitere Treffen würden bald folgen, kündigte er an. In die gesamte Entwicklung müssten die Menschen einbezogen werden, denn es gehe um ihren Stadtteil.

Projektgebiete seien der Stadtwald, der alte Ortskern Ockershausen, das Schulzentrum und der Bereich um die Matthäuskirche, erläuterte Kaiser. Wichtig sei auch die Verbindung des oberen und des unteren Bereichs des Stadtteils. Das Programm umfasse neben dem Städtebau auch die Bereiche Bildung, Wirtschaft und Arbeit, Soziales, Kultur, Wohnen und Umwelt.

Nach der Einführung erarbeiteten die Bürgerinnen und Bürger in Kleingruppen ihre Vorstellungen, die in den kommenden Jahren verwirklicht werden sollen und die zum Abschluss kurz vorgestellt wurden. Dabei ging es darum, was den Menschen bereits an ihrem Stadtteil gefällt, aber auch um das, was fehlt und was es zu verbessern gilt. Viele nannten die Natur um den Stadtteil herum, die erhalten werden soll.

Ein wichtiges Thema war der Verkehr. Viele beklagten, dass oft zu schnell gefahren werde. Verkehrsberuhigende Maßnahmen wurden als Lösung genannt. Gewünscht wurde auch eine bessere Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr, sei es durch eine engere Taktung oder durch zusätzliche Haltestellen, damit vor allem ältere oder behinderte Menschen den Bus leichter erreichen können. Ein Vorschlag war auch die Einrichtung eines Bürgertaxis.

Auf der Wunschliste standen mehr Angebote für Familien oder in der Betreuung sowie alternative Wohnprojekte. Festgestellt wurde, dass es bereits eine Vielzahl an Angeboten gebe, viele aber nichts davon wüssten. Eine bessere Vernetzung wurde daher angeregt.

Ein großer Wunsch der Bürger ist eine bessere Infrastruktur mit Ärzten, Apotheken, Poststelle und Einkaufsmöglichkeiten. Kahle erklärte, dass die Planungen für einen Tegut-Markt im Stadtteil fortschreiten. Vorschläge gab es auch zur Verbesserung von Sportangeboten, insbesondere für Jugendliche. Möglichkeiten dazu gebe es im Umfeld der Sporthalle.

Peter Schmittdiel berichtete, dass die „Soziale Stadt“ von weiteren Projekten begleitet wird, beispielsweise durch das Begleitprogramm „Jugend stärken im Quartier“, das Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von zwölf bis 26 Jahren bei der Integration in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt und in der Schule unterstützt. Zu den Fördergebieten gehören der Richtsberg, der Stadtwald und das Gebiet des Waldtals. Das Fördervolumen beträgt jährlich 400.000 Euro, 50 Prozent kommen aus dem Europäischen Sozialfonds, 50 Prozent übernimmt die Stadt. Insgesamt stehen bis 2018 1,6 Millionen Euro zur Verfügung.

Auch für das Programm „Bildung, Wirtschaft und Arbeit im Quartier“ (Biwaq) wird ein Antrag gestellt, um die Qualifizierung und Beschäftigung von Menschen ab 27 Jahren zu fördern. Für die Umsetzung sind rund 250.000 Euro pro Jahr mit einem Eigenanteil von 25.000 Euro vorgesehen. Die Laufzeit beträgt drei Jahre. Fördergebiete wären der Stadtwald und das Waldtal. Zusätzliche Mittel erhofft sich die Stadt durch Projektförderungen des Hessischen Sozialministeriums.
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