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Kassel 25.02.2021 Gastbeitrag von E. D. Schulze | J. Rock | F. Kroiher | V. Egenolf | N. Wellbrock | R. Irslinger | A. Bolte | H. Spellmann Ein Team von Wissenschaftlern aus dem Max-Planck-Institut …

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Verkauf Lokschuppen ruft Widerstand hervor – Offener Brief einer Stadtverordneten an OB Spies

Der Rundbau des vormaligen Lokschuppen ist Kulturdenkmal. die Stadt Marburg will ihn verkaufen und dort Wohnbebauung zulassen. Foto R.Kieselbach

Der Rundbau des vormaligen Lokschuppen ist Kulturdenkmal. Die Stadt Marburg will ihn verkaufen und dort Wohnbebauung zulassen. Foto R.Kieselbach

Marburg 20.10.2016 (red) Der Wind bläst Oberbürgermeister Spies ins Gesicht, und das anhaltend. In der letzten Stadtverordnetensitzung musste die geplante Erhöhung der Gebühren für Kitas nach Widerstand von Eltern bis hinein in die Sitzung der Stadtverordneten verschoben werden. Es soll nunmehr ein bißchen weniger erhöht werden. In der Sitzung des Marburger Parlaments am 14. Oktober  wurde eine Magistratsvorlage mehrheitlich beschlossen, mit der ein Verkauf des Lokschuppens auf dem Waggonhallengelände am Ortenberg eingeleitet werden soll. Gegen dieses Vorhaben und seine Begleitumstände gab es deutliche Gegenstimmen. Dr. Michael Weber von der Piratenpartei hatte eine Alternativvorlage eingebracht, in der eine Wohnbebauung ausgeschlossen werden sollte. Auch von Seiten der Marburger Linken gab es deutlich Kritik daran, dass (nur) ein solcher Kaufinteressent zum Zuge kommen soll, der eine Wirtschaftlichkeit samt Finanzierung bieten kann. Ein Schelm, der Böses dabei dächte. Tatsache ist jedenfalls, dass die Firma S+S Immobilien ein Kaufangebot längst vorgelegt hat. Kaufpreisgebot 1 Euro (in Worten ein Euro).
Das Geschehen und seine Umstände haben die Stadtverordnete Tanja Bauder (Marburger Linke) veranlasst einen Offenen Brief zu dieser Angelegenheit an den Oberbürgermeister und weitere Personen  zu schreiben.
das Marburger. veröffentlicht nachstehend den Offenen Brief:

Offener Brief zum  Lokschuppen
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Thomas Spies,
sehr geehrter Herr Franz Kahle,
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der Stadtverordnetenversammlung,
Sehr geehrte Frau Marion Breu, sehr geehrter Herr Matze Schmidt,
Sehr geehrter Herr Peter Metz,
Sehr geehrter Fritz-Joachim Hüther,

aufgrund der heutigen Berichterstattung in der Oberhessischen Presse, aber vor allem auch wegen den neuerlichen Ausführungen von Ihnen, Herr Oberbürgermeister Thomas Spies, möchte ich folgende Fakten und Fragen nochmals thematisieren:
Der Denkmalbeirat der Universitätsstadt Marburg begleitet die Entwicklung um das Kulturdenkmal Lokschuppen bereits seit über 10 Jahren kritisch. Er macht sich seither für dessen Erhalt stark – zumal der Lokschuppen das letzte industrielle Kulturdenkmal dieser Art in Marburg ist. Leider sind alle anderen Zeugnisse der Industriegeschichte Marburgs aus dem Stadtbild verschwunden. Selbst der übrig gebliebene Schornstein der Brauerei ist vor ein paar Jahren entfernt worden.
Zur Erinnerung: Die Einsicht in die Notwendigkeit, auf dem Waggonhallenareal ein soziokulturelles Zentrum zu erhalten, gibt es schon lange.

Da widerspreche ich Ihnen, Herr Oberbürgermeister Thomas Spies, nicht. Warum Sie sich aber gerade hier als selbsternannter Freund der Kulturschaffenden hinter schönen Worten verstecken, erschließt sich mir nicht. Ich nehme doch stark an, dass Sie sich auch bereits während Ihrer Tätigkeit als hiesiger Landtagsabgeordneter mit der dringend nötigen Sanierung des Lokschuppens und der kulturellen Förderung des Waggonhallenareals auseinandergesetzt haben. Ich möchte Sie deshalb fragen, warum man nicht konsequent versucht hat, Fördergelder zu akquirieren? Warum hat man Ideen, wie etwa dort ein Stadtmuseum zu integrieren, nicht auch von offizieller Seite begleitet? Warum kommt man dem Wunsch nach mehr Atelierräumen nicht nach? Warum hat man dem Wegzug des Spielemuseums aus der Stadt schon vor Jahren tatenlos zugesehen?
Und die wichtigste Frage: Wenn man vor dem Erwerb des Lokschuppens im November 2009 schon wusste, welch hohen Investitionen für den Erhalt des Lokschuppens nötig sind, warum hat man mit der Deutschen Bahn (DB) keinen anderen Preis ausgehandelt?
Die Ausführungen zum Denkmalschutz sind wunderschön zu lesen. Die Denkmalbeiratsmitglieder und die Denkmalschutzbehörde, sowie sicherlich auch das Landesamt für Denkmalpflege Hessen, haben über Jahre vernünftige Vorschläge erarbeitet! – Warum wurde solange untätig beim schleichenden Verfall zugeschaut?!
Wenn die GeWoBau (Gemeinnützige Wohnungsbau GmbH Marburg/Lahn) in der Lage ist, in hervorragender Weise den Marburger Bahnhof zu restaurieren, dafür bundesweit Beachtung erfährt und Preise gewinnt, dann wäre diese GeWoBau doch sicherlich, gemeinsam mit den Kulturschaffenden vor Ort, auch in der Lage, das letzte verbliebene historische Kulturdenkmal Marburgs zu erhalten!
Seit Anfang dieses Jahres gibt es den Freundeskreis Lokschuppen, welcher ebenfalls ein Konzept erarbeitet hat. Es gibt die Ortenberggemeinde, die ebenfalls seit Jahren Vorschläge einbringen. Auch gibt es auf dem Areal das Waggonhallenkulturzentrum, das Rotkehlchen, das Theater, die Kletterhalle, Radio Unerhört Marburg, den Eltern Kind Verein. Müsste man hier nicht gewährleisten, dass es zu keiner Konkurrenz, zu keiner Verdrängung, kommt? Müsste man nicht vielmehr stolz auf die dort entstandene soziokulturelle Landschaft sein?
Lieber Herr Oberbürgermeister Thomas Spies, bereits in der Stadtverordnetenversammlung fragte ich Sie, ob Sie mir widersprechen wollen, dass der Denkmalschutz aufgehoben wird, sobald sich eine Sanierung nicht mehr unter wirtschaftlichen Verhältnissen abbilden läßt? und führen Sie nicht gerade mit Ihrer Argumentation den Beweis und Ihrer Bereitschaft den Lokschuppen für den symbolischen Preis von  1€ zu verkaufen, dass die Verhältnismäßigkeit von Denkmalschutz und Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben ist?
Ich bin niemand, der sich gern an der Nase herumführen lässt! Wenn im Bauausschuss der Stadtplaner der Universitätsstadt Marburg, Herr Kulle, eindrucksvoll ausführt, durch welch gigantischen Aktenberge man sich durcharbeiten müsse, um einen einigermaßen seriösen Einblick zu gewinnen, der notwendig ist, um ein tragfähiges Nutzungskonzept inklusive Finanzierungsplan erarbeiten zu können, dann muss ich Ihnen sagen, dass bei einer bundesweiten Ausschreibung der gewählte Zeitraum von 4-6 Wochen einfach nicht angemessen ist! Unter diesen Rahmenbedingungen kann nur jemand mitthalten, der über Jahre sich ein Bild machen konnte!

Ich denke hier an die Firma Schreyer und Schreyer, die bereits im Juli über die Oberhessische Presse hat verlauten lassen, dass sich hier hochwertiger Wohnraum lohnen würde  und Rendite im in und Ausland erzielen, für ihn und seine Kunden selbstverständlich, nicht für Marburg und schon gar nicht für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt – Herr Karsten Schreyer verkündet über seine Homepage doch ganz offen sein Geschäftsmodell:  Etwa 30 Prozent dieser Käufer wohnen im Ausland, er habe zum Beispiel Kunden in den USA und Südafrika. Und es gebe Kunden, die gleich 15 Wohnungen als Vermietungsobjekte kaufen!
Wenn es offensichtlich möglich erscheint, Gewinne zu machen, warum denkt man dann nicht ernsthaft darüber nach die GeWoBau damit zu beauftragen, entweder in Form von Verpachtung oder selbst als  Wohnraumbebauer?!
Denn daraus läßt sich ableiten und wirft die Frage auf, wieso der Magistrat der Universitätsstadt Marburg vor dem Hintergrund der bekannten Wohnungsnot, wenn sie jetzt aufgrund des vorgelegten Schreyers Konzeptes eine Wohnbebauung für möglich hält, dies nicht auch für die GeWoBau gilt?!

Lieber Herr Oberbürgermeister, ich biete Ihnen hier in aller Öffentlichkeit eine Wette an: Sind sie bereit gegen mich zu wetten, dass der Zuschlag nicht an die Firma Schreyer und Schreyer geht?

Es grüßt sie freundlich Tanja Bauder-Wöhr