Einsamkeit im Alter: Eine Bratwurst beim Stadtfest mitzuessen, wäre schon schön gewesen

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Deutsche Kolonialgeschichte via Online-Archiv zugänglich

„Buschkirche“ in Ntsumuru, Akpafu-Bezirk, Ntsumuru, Kirche vor 1914. Quelle Staatsarchiv Bremen

Marburg 16.02.2019 (pm/red) Deutschlands koloniale Vergangenheit hat vielfältige Spuren in den Archiven hinterlassen. Das Auswärtige Amt hat sich die Aufarbeitung dieser Spuren zur Aufgabe gemacht. Im Rahmen eines Kooperationsprojekts zwischen dem Fachbereich Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam und dem Auswärtigen Amt wurde ein Online-Portal zur deutschen Kolonialgeschichte veröffentlicht, das als Beta-Version ab sofort unter www.archivfuehrer-kolonialzeit.de abrufbar ist.

Ziel des Projekts ist es, historische Fakten und Überlieferungen aus der Kolonialzeit zusammenzufassen und mit Informationen zu Orten, Akteuren und Ereignissen zu verknüpfen. Eine Datenbank mit Beschreibungen von Dokumenten und Beständen, die erstmals online verzeichnet sind, ist das Kernstück des frei zugänglichen Archiv-Portals. Das Projekt sorgt für mehr Transparenz bei der Darstellung der Überlieferungssituation von Archivalien zur deutschen Kolonialgeschichte.

Das vom Auswärtigem Amt finanzierte Projekt steht seit seinem Start 2017 unter der Leitung von Prof. Dr. Susanne Freund, Professorin für Archivwissenschaften an der FH Potsdam. Der Informations- und Bibliothekswissenschaftler Uwe Jung setzt das Forschungsprojekt als wissenschaftlicher Mitarbeiter gemeinsam mit zwei wissenschaftlichen Hilfskräften um. Ab sofort können unter www.archivfuehrer-kolonialzeit.de über 64.000 Beschreibungen aus rund 300 Einrichtungen nachgeschlagen werden. Davon beziehen sich über 48.000 Beschreibungen auf physische Einheiten wie z. B. Akten oder Bildobjekte. In den kommenden Monaten werden weitere Einträge hinzukommen.

Eine besondere Herausforderung stellen die unterschiedlichen Interessen und Vorkenntnisse der BenutzerInnen dar. Das Portal ist dreisprachig aufgebaut. Besonders Personen aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen deutschen Kolonien sollen einen speziell auf ihre Bedürfnisse ausgerichteten Zugang zu den Informationen erhalten. Deshalb wurde Wert darauf gelegt, die Beschreibungen zu übersetzen und mit historischen geografischen Informationen zu verbinden. Weitere Bereiche des Online-Archivs führen in die alte deutsche Kurrentschrift, die Aktenkunde und in den historischen Kontext ein.

Eine weitere Besonderheit stellt die Einbindung der freien Wissensdatenbank Wikidata in das Projekt dar. Sie ermöglicht die Zusammenarbeit über Sprach- und Themengrenzen hinweg. In einem Ausschnitt der Datenbank können Informationen zu Personen, Organisationen, Ereignissen und Objekten mit Bezug zur deutschen Kolonialgeschichte systematisch gesammelt und miteinander verknüpft werden. Dabei wird es auch möglich sein, die mitunter stark eurozentristischen Beschreibungen von Konzepten durch Alternativen zu ergänzen.

Das Projekt wird laufend weitergeführt und soll voraussichtlich Ende 2019 abgeschlossen werden. Die Schlussversion des Online-Archivs ist bereits für Oktober in Planung.