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GWH verweigert Bau von Sozialwohnungen in Marburg

Bericht und Überschrift in der Oberhessischen Presse vom 9. März 2019: Die GWH verweigert sich dem Sozialwohnungsbau in Marburg. Repro und Bearbeitung Sternbald-Intermedia.

Marburg 09.03.2019 (yb) Ein Kommentar. Unter der  Überschrift „GWH setzt Wohnungsbau in Marburg aus“ bringt die heutige Samstagsausgabe der ‚Oberhessischen Presse‚  zweifellos die Meldung des Tages, der Woche und wohl auch des Monats. Die „GWH Wohnungsgesellschaft mbH Hessen“ ist seit Jahrzehnten in Marburg als Wohnungsbaugesellschaft tätig und jetzt, in Zeiten großer Wohnungsnot gerade in Marburg, verweigern die Geschäftsführer der früher einmal gemeinnützigen GWH (= Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Hessen, vormals in Gewerkschaftseigentum) den Bau von 120 Sozialwohnungen, wie sich dem Bericht in der ‚Oberhessischen Presse‘ entnehmen lässt. Das ist ein „Dicker Hund“, nein mehr noch. Solches Verhalten kann man nur als handfesten Skandal bezeichnen. Hierbei ist ein kurzer Rückblick auf das Geschehen im Februar 2019 notwendig.

Die GWH wollte Altbestände im Stadtteil Richtsberg energetisch ertüchtigen und modernisieren. Die hohen Kosten sollten unmittelbar auf die mehreren Hundert MieterInnen umgelegt werden. Das rief Protest und Widerstand bei den Betroffenen hervor, dem sich schließlich auch die Gremien der Stadt Marburg angeschlossen haben. Konsequenter und öffentlicher Widerstand, bis hin zur Demonstration, zeitigten Wirkung bei den Verantwortlichen der GWH. Man zog schnell die fragwürdigen Pläne wieder zurück, ohne freilich den Hinweisen zu folgen, dass es bessere technische Alternativen, harmonisch mit den Statuten und Vorgaben für den Stadtteil, geben würde.

Und jetzt kommt eine Retourkutsche, nein viel schlimmer, ein Verweigerung des Neubaus von dringend benötigten neuen Sozialwohnungen in Marburg, für die als Finanzierung 20 Millionen Euro bereit stehen. Dies ist wahrhaftig ein Skandal. Solche Manager braucht es nicht. Sollten sie bei ihrem Boykottbeschluss gegen Marburg bleiben, sind sie zu entlassen, auf den freien Arbeitsmarkt, wo sie sich um neue Anstellungen kümmern können.

Wie weit ist es eigentlich gekommen in dieser Republik? Wie können gut bezahlte Geschäftsführer einer Wohnungsbaugesellschaft den Beschluss fassen – trotz hohem Bedarf und vorhandener Finanzierung – in einer Stadt wie Marburg mal so eben 120 Sozialwohnungen nicht zu bauen? Wie weit sind wir denn, dass sich solche kalten Manager dies überhaupt trauen? Wer übt den hier die Kontrolle aus und schickt die Herrschaften (nicht) sofort in die Wüste?

Es bleibt abzuwarten, wie die politisch Verantwortlichen, Parteien und BürgerInnen in Marburg reagieren werden.

Es gibt diesbezüglich offenbar die Aussage des Oberbürgermeisters, dass dies alles deshalb nicht ganz so drastisch zu bewerten sei, weil die neuen Sozialwohnungen eine ungünstige“Nachverdichtung“ auf dem Richtsberg bedeuten würden. Ja Herrschaftszeiten, wie tickt denn der Marburger Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies?
Hat Herr Spies schon einmal selbst eine Wohnung in Marburg suchen müssen?

Wo in Marburg geht denn überhaupt etwas ohne „Nachverdichtung“? Ob Wohnungsbau, Gewerbeansiedlung oder Verkehrsführung – Marburg ist doch allüberall überfüllt und längst Umweltzone. Kaum wird in dieser Stadt ein Vorhaben publik, formiert sich Protest und Widerstand. Ob nun aus Natur- und Landschaftschutzmotiven, wegen Lärmbelästigung, Einschränkungen der Sicht, wegen Flächenverbrauch oder notwendiger Baumfällungen oder aus welchen Gründen auch immer.

Es bleibt spannend, aber mit hohem Leidensdruck im schönen Marburg. Es brauchte endlich eine Stadtpolitik und Stadtplanung, die diesen Begriffen auch entsprechen. Offenbar fehlt es hier eklatant an geeignetem Personal, wie sowieso in der Geschäftsführung der GWH.