Die Brüder Klibansky und Marburg

04.11.2019 | Gastbeitrag von Klaus-Peter Friedrich Im Vergleich mit anderen Universitätsstädten (wie etwa Göttingen) wird im Marburger Stadtbild wenig an allgemein durchaus bekannte Personen erinnert, die hier studierten. Ein Beispiel dafür ist der Historiker Erich Klibansky …

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Arbeitsplatz für Schwerhörige im Cineplex Marburg

Kommunikation auf Augenhöhe trotz Schwerhörigkeit. (v. li.) Marion Closmann, Leiterin Cineplex Marburg, Petra Trampe Beraterin IFD, Katharina Heinrich und Kollegin Monika Reiss. Foto nn

Marburg 20.04.2019 (pm/red) Dass Katharina Heinrich an ihrem Arbeitsplatz die anfallenden Aufgaben erfüllen kann, verdankt sie ihren Hörgeräten, dem verständigen Umgang von Mitarbeitenden und Vorgesetzten sowie einer speziellen Hörbehinderten-Technik. Die gelernte Industriekauffrau und Finanz- und Lohnbuchhalterin ist hochgradig schwerhörig. Sie wünscht sich bei der Arbeit eine wertschätzende Kommunikation auf Augenhöhe. Die hatte sie nicht immer in der Vergangenheit.
Seit Juni letzten Jahres arbeitet sie in der Buchhaltung der Cineplex Marburg GmbH & Co Filmtheater KG. Ein Arbeitsplatz wo viele Informationen zusammen laufen. Der Integrationsfachdienst (IFD) von Arbeit und Bildung e.V. und das Integrationsamt Kassel vermittelten bei der Umsetzung.

Viele dieser Informationen werden telefonisch übermittelt, das ist eine besondere Herausforderung für die gebürtige Wittgensteinerin, die seit sechs Jahren in Marburg lebt. „Nicht jedes Telefon ist geeignet für Menschen mit Hörgeräten“, meint Petra Trampe, Beraterin für Menschen mit Hörbehinderung beim Integrationsfachdienst (IFD). Sie berät Heinrich seit vielen Jahren, hat ihr die Arbeitsstelle im Cineplex vermittelt und ist Ansprechpartnerin, wenn es Fragen oder Probleme gibt.

Damit die junge Frau die Arbeit am Telefon leisten kann, ist neben ihrem Hörgerät eine hörbehindertengerechte Technik des Telefons notwendig. Die Umstellung wurde finanziert vom Integrationsamt in Kassel, das für den Kreis Marburg-Biedenkopf zuständig ist.
„Aber nicht nur die Technik ist wichtig für die Kommunikation, auch die Mitarbeitenden und Vorgesetzten sollten auf bestimmte Dinge achten, damit eine zuverlässige Kommunikation gewährleistet ist“, so Trampe, die bei der Aufklärung und Sensibilisierung hilft.

„Da die Hörgeräte bisher nicht die Fähigkeit unseres Ohres vollständig ersetzen, ist der hörbehinderte Mensch immer darauf angewiesen, zugleich zu dem Hören auch das Mundbild zu sehen, um die Inhalte verstehen zu können. Das bedeutet für die Mitarbeitenden, dass sie deutlich sprechen sollten, ein ruhiges Umfeld auswählen und sich dem hörbehinderten Menschen zuwenden sollten“ erklärt die Beraterin. „Aus Unwissenheit heraus wird oft gedacht, man müsse sehr laut sprechen oder sogar schreiend kommunizieren. Das sollte man auf keinen Fall tun, denn das verzerrt das Gesprochene und wird dann weniger gut verstanden.“

Für Marion Closmann, Geschäftsführerin des Cineplex Marburg ist das alles kein Problem: „Mit der Unterstützung der Technik, den Hilfen und Tipps des IFD und nach einiger Zeit der Gewöhnung ist die Hörbehinderung unserer neuen Kollegin kein Thema mehr in unserem Betriebsalltag. Alles läuft wie immer“, erklärt sie.

An ihrem ruhigen Arbeitsplatz in der Mitte Marburgs ist Katharina Heinrich nun sehr zufrieden: „Endlich wird meine fachliche Kompetenz gefordert. Ich werde nicht als Behinderte behandelt und die Geschäftsleitung traut mir was zu. Das ist für mich eine große Anerkennung.“