„Kassel als junge Großstadt“  – Ein Bildband zeigt die verschwundene Pracht der Nordhessenmetropole

Kassel 01.12.2019 (yb) Von Kassel ist allgemeinhin bekannt, dass die Stadt zum größten Teil in Zweiten Weltkrieg zerstört worden ist. Im Oktober 1943 wurden die umfangreich vorhandenen Anlagen der Rüstungs- und Kriegsindustrie in Kassel Ziel …

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Auf der Straße bleiben um neue Formen der Demokratie zu suchen und zu finden

Marburg 15.06.2019 Das Marburger. veröffentlicht den Redebeitrag zur Kundgebung am 14. Juni in Marburg als Gastbeitrag von Johannes M. Becker.
Ich spreche zu Ihnen und Euch heute als Hochschullehrer und Friedensforscher, als Mitbegründer und Pressesprecher der BI „Verkehrswende“ und schließlich als Vater und lebensbejahender Zeit-Genosse.
Rüstung und Krieg sind die größten (Umwelt)vernichter und Ressourcen-Verschwender. Ich frage Sie und mich: Können wir es uns leisten, unsere Lebensgrundlagen weiter durch die Verschwendung der kostbarsten Rohstoffe, von der „Ressource“ Mensch zu schweigen, zu vernichten? Und: 1 Arbeitsplatz in der Rüstungsindustrie kostet 135.000, ein/e Lehrer/in kosten 50.000 Euro. Ein Soldat der BW (bei 43 Mrd. Euro Haushalt und 190.000 SoldatInnen) kostet 226.000 Euro.

Das Aufrüstungsziel von 2 % des BIP in Deutschland bedeutet fast eine Verdoppelung der Aufwendungen, die, wie ich gerade geschildert habe, großenteils in den Schornstein gehen und wichtigste Ressourcen vergeuden. Der neue kalte Krieg gegen Russland, der Handelskrieg gegen die VR China machen die Welt nicht sicherer – im Gegenteil! Der Rüstungsexport an Saudi-Arabien, in Krisengebiete wie Israel, Algerien schafft neue Unsicherheit. Den Terrorismus, den unsere Politik heute vorgibt, bekämpfen zu müssen, hat unser System selbst geschaffen, außerdem findet er zu 98 Prozent in den armen Staaten statt. Abgesehen davon, dass uns militärisch niemand bedroht: unsere hochtechno-logisierten Länder sind militärisch nicht zu verteidigen, sondern nur sozial!
Abrüsten statt Aufrüsten heißt die Devise! Und: „Fermez des prisons, ouvrez des écoles“ forderte schon Victor Hugo (1802 – 1885). Bildung ist die beste Investition in eine Soziale Gesellschaft.

Die Verkehrswende steckt, auch und gerade in unserer schönen Stadt!, nach wie vor in den Anfängen – das Denken wird nach wie vor vom Mammon und Statussymbol Auto und Flugzeug bestimmt. Ich frage Sie und mich: Können wir es uns leisten, unsere Lebensgrundlagen weiter durch die Verstopfung unserer Städte durch Automobile und ihren Verkehr, ihren Lärm, ihren Gestank zu zerstören?
* Während um die Schweizer Hauptstadt Bern herum weiträumig Tempo 80 und 60 gilt, werden 10.000e MarburgerInnen durch die lärmige Stadtautobahn genervt, krank gemacht. Hier herrscht nach wie vor T 100 für PKW.
* Während in BaWü in vielen Gemeinden auf der B3 Tempo 30 (!) herrscht, donnern in Marburg nach wie vor Autos mit erlaubten 50, in der nächtlichen Realität mit 70 und 80 Kmh durch die Frankfurter- und die Universitätsstraße.

Der Spritverbrauch der deutschen Autoflotte ist angestiegen! U.a. durch den Irrsinn der SUVs, der viele der NutzerInnen zudem immer rücksichtsloser macht. Können wir es uns leisten, die Ozonschicht der Erde weiter durch den exzessiven Ausbau des Flugverkehrs zu vernichten, vom Lärm und Gestank in den Anrainergegenden der Flughäfen zu schweigen.

Warum ist der innerdeutsche, wie bspw. der innerfranzösische Flugverkehr nicht lange verboten? In den Zeiten von TGV und ICE ein Klacks! Der ÖPNV gehört ausgebaut, Bahnhaltepunkte sind nicht zu schließen, sondern die Bahn muss als Grundversorgungsmittel ausgebaut werden.
Die Zerstörung unserer Umwelt wird zukünftig nicht wie in diesem Jahr 68 Millionen Menschen in die Flucht treiben, sondern ein Mehrfaches. (von den 68 Millionen fliehen übrigens BISLANG nicht einmal 5 % in den reichen Norden und Westen). Ich will keine Migrationsphobie betreiben – mir geht es um etwas anderes: Alle Menschen haben das Recht, am Ort ihrer Wahl, in der Regel in ihrer Heimat, glücklich zu sein und eine Zukunft planen zu dürfen.

Friedenspolitik, eingeschlossen eine nachhaltige Verkehrspolitik und – ebenso wichtig – eine Politik des gerechten wirtschaftlichen Miteinanders auf der Erde, sind die wichtigsten Flucht-Vorbeuge-Politiken. (An Rande gefragt: Was glauben Sie – Wieviel Prozent der 68 Mio. verlassen ihre Heimat freiwillig???)

Wie ändern wir etwas? Mein Vertrauen in die Parteiendemokratie, ja in unser politisches System als Ganzes, ist im Schwinden begriffen, mein Vertrauen auf unsere eigene Kraft, auf die Kraft unserer Füße, unserer Sozialen Bewegungen (Arabellion, Fridays for future, Gelbwesten (über die wir alle viel zu wenig wissen!!!) etc.) hingegen wächst!

Ich frage Sie und mich: Können wir es uns leisten, unsere Lebensgrundlagen weiter durch von Lobbyismus und Parteiengeschacher paralysierte Parlamente zerstören zu lassen? Können wir uns Regierungen leisten, die vor der Macht von Auto- und Energiekonzernen einknicken? Während beim ÖPNV um jeden Bahn- und Bus-Kilometer, um jeden Radwegmeter hart gerungen werden muss.

Wir müssen auf der Straße bleiben. Müssen neue Formen der Demokratie suchen und finden, müssen die Erde wieder zu einem ZUKUNFTsträchtigen Hort für unsere Kinder, aber auch für uns selbst machen.
Wir müssen für Verkehrsberuhigung und -vermeidung genauso kämpfen wie dafür, dass unsere Abgeordneten nicht mehr die Hand heben für Interventions-kriege und Rüstungsexporte. Sehr wohl aber für eine faire Handelspolitik!
Mit unseren Kindern und Jugendlichen an der Seite haben wir die Chance, jetzt mit der Einsicht – auch in Marburg! – in den Klimaschutz als oberste, nicht aufschiebbare Priorität, voranzukommen.
Che Guevara hat gesagt: „Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche.“ Packen wir es an! Bleiben wir in Bewegung! Es geht um unser ALLER Zukunft!