Online-Atlas INKAR wurde aktualisiert und erweitert – bessere Abbildung der Lebensverhältnisse in Deutschland

Marburg 2808.2019 (pm/red) Wo verdienen die Menschen am meisten? Wie unterscheidet sich regional die Lebenserwartung von Neugeborenen? Wo ist der Weg zum Arbeitsplatz für Beschäftigte besonders weit? Und wie gut sind kleine und mittelgroße Zentren …

Lesen Sie den gesamten Beitrag »
Philipps-Universität

Stadt Marburg

Verkehr

Kultur

Wohnen

Home » Wirtschaft

Rezessionsrisiko für die deutsche Wirtschaft weiter ansteigend

Marburg 23.08.2019 (pm/red) Die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland in den nächsten drei Monaten eine Rezession erlebt, hat sich weiter erhöht. Das zeigen die neuesten Werte, die der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung liefert. Für den Zeitraum von August bis Ende Oktober weist der Indikator, der die aktuellsten verfügbaren Daten über die Wirtschaftslage bündelt, ein Rezessionsrisiko von 43 Prozent auf. Im Juli waren es noch 36,6 Prozent.

Das nach dem Ampelsystem arbeitende Frühwarnsystem zeigt damit zwar noch „gelb-rot“ – eine Situation erhöhter konjunktureller Unsicherheit jenseits von 30 Prozent Rezessionsrisiko. Berücksichtige man aber zusätzlich die prognostische Unsicherheit, die anhand der Streuung der für die Gesamtprognose relevanten Einzelgleichungen derzeit in Höhe von knapp 22 Prozent gemessen wird, sei die Schwelle nicht mehr weit entfernt, ab der die IMK Konjunkturampel auf Rot schaltet und damit das Signal für eine Rezession gibt, informiert das IMK. Diese Schwelle liegt bei einer Rezessionswahrscheinlichkeit von 70 Prozent.

Der erneute Anstieg lasse sich vor allem zurückführen auf ein Zusammenspiel schlechterer Produktionszahlen für das Verarbeitende Gewerbe und einer weiteren Eintrübung der Stimmung, gemessen am ifo Geschäftsklimaindex. Die nach den jüngsten Zentralbankentscheidungen mittelfristig günstigen Finanzierungsbedingungen sowie eine Zunahme der Auftragseingänge für das Verarbeitende Gewerbe aus dem Ausland stabilisieren hingegen die Konjunkturaussichten. Bei den Auftragseingängen sei allerdings der aktuelle Wert für den Monat Juni durch Großaufträge aus dem außereuropäischen Ausland positiv verzerrt. Der „Finanzmarktstress“, den das IMK mit einem zusätzlichen Indikator misst, bleibt nahezu unverändert bei einem Wert von 20,9 Prozent nach 22,1 Prozent im Vormonat.

„Deutschlands Konjunktur steht auf der Kippe. Wir hatten – wie die anderen führenden Wirtschaftsforschungsinstitute – bislang damit gerechnet, dass es im zweiten Halbjahr zu einer raschen Erholung der Wirtschaft und insbesondere der Industrie kommen würde. Die Chancen für ein solches Positivszenario sind nun deutlich gesunken“, sagt Prof. Dr. Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK. „Die deutsche Industrie schwächelt bereits seit einem Jahr, vor allem wegen globaler Unsicherheiten. Bislang hat die Inlandskonjunktur – vor allem der starke Konsum und die Baunachfrage – die deutsche Wirtschaft vor einer Rezession bewahrt. Zuletzt aber war der Rückgang der Produktion im verarbeitenden Gewerbe so stark, dass es immer fraglicher wird, ob eine Rezession noch vermieden werden kann.“

In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Der IMK-Konjunkturindikator wird monatlich aktualisiert.