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Bewerbungsfrist für Jürgen-Markus-Preis 2020 bis 15. April

Kassel 23.01.2020 (pm/red) Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen zu fördern ist das Leitmotiv, unter dem 2020 zum fünften Mal der Jürgen-Markus-Preis ausgelobt wird. Bis zum 15. April können sich Menschen bewerben, deren Idee, Projekt oder Initiative hilft, Barrieren abzubauen. „Das Thema Barrierefreiheit hat für die Universitätsstadt Marburg einen ganz hohen Stellenwert“, betonte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei der Pressekonferenz zur Vergabe des Jürgen-Markus-Preises 2020 im Kunstmuseum. „Menschen sind nicht behindert, sie werden behindert – von Verhältnissen, die wir schaffen.“ Auch wenn es ein schwieriges Unterfangen für nicht behinderte Menschen sei, alle möglichen Hindernisse im Blick zu haben, sei die Barrierefreiheit bei allen städtischen Maßnahmen und Projekten einer der Kernansprüche, die immer mitgedacht werden, so Spies.

Diese Haltung in der Stadt habe viele Mütter und Väter, aber sozusagen einen „Übervater“, nämlich Jürgen Markus. Mit seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit und seinem Wirken habe er die Behindertenpolitik in Marburg geprägt, „energiereich, nachdrücklich und unnachgiebig“, erläuterte der OB. Nach dem Tod von Jürgen Markus mit nur 52 Jahren 2010 verlieh die Stadt Marburg erstmals 2012 einen nach ihm benannten Preis, der dazu dienen soll, das Bewusstsein für Barrierefreiheit und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der breiten Bevölkerung zu schärfen. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben und ist mit einem Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro dotiert, das auch an mehrere Preisträger verteilt werden kann.

Im Jahr 2018 wurde der Verein „Freunde des Kunstmuseums“ mit 15.000 Euro aus dem Topf des Jürgen-Markus-Preises gefördert. Was sich seitdem aus dem Gedanken entwickelt hat, das Museum auch für Menschen mit Einschränkungen verschiedenster Art attraktiv und erlebbar zu machen, bekamen Vertreter*innen der Stadt und des Kuratoriums im Rahmen der Pressekonferenz erläutert. Dr. Catharina Graepler und Dr. Bernhard Conrads aus dem Vorstand des Vereins präsentierten unter anderem taktile Pläne, die es Sehbehinderten ermöglichen, sich in den Räumen zu orientieren. Eine Museumsbroschüre in leichter Sprache wurde bereits erarbeitet. Auch der Audioguide soll erweitert und auf Menschen mit Einschränkungen zugeschnitten werden. Zusätzlich gehört ein Materialwagen zu den Ideen, die noch umgesetzt werden sollen. Bereits bestellte reliefartige „Übersetzungen“ zum Ertasten von einzelnen Werken seien zunächst einmal zurückgestellt worden, erklärte Museumsdirektor Dr. Christoph Otterbeck. Es sei festgestellt worden, dass diese nicht bei allen gut ankämen. Stattdessen sei von Sehbehinderten und Blinden der Wunsch geäußert worden, Leinwände und Farbstrukturen anfassen zu können, was bei den Bildern selbst nicht möglich ist.

Diese Erkenntnisse haben sich aus zwei Workshops ergeben, die die „Freunde des Kunstmuseums“ im vergangenen Jahr angeboten haben. „Wir haben uns ExpertInnen in eigener Sache ins Haus geholt“, so Dr. Catharina Graeper. Sowohl Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen wie auch Blinde und Sehbehinderte haben das Museum in diesen Workshops kennengelernt und ihre Erlebnisse und Wünsche kommuniziert. Mit dem Geld des Jürgen-Markus-Preises solle kein Aktionismus betrieben, sondern zielgerichtet gearbeitet werden, sagte Dr. Bernard Conrads. Und das beinhalte eine gründliche Vorbereitung.

„Eine tolle neue Erkenntnis war für uns, dass alle Menschen mit einer Behinderung, gleich welcher Art, vor allem auf eine Sache Wert legen, nämlich Kontakt und eine persönliche Begleitung“, so Conrads. Das Aufsichtspersonal müsse zu „Besuchsbegleiter*innen“ werden. Und das sei ebenso ein Gewinn für nicht behinderte Menschen wie andere Projekte auch. Bernhard Conrads erklärte, nachdem er beim Besuch einer anderen Kunsthalle bewusst den Audioguide in leichter Sprache gewählt habe, würde er den ab jetzt immer nutzen wollen – „das war so viel lebhafter“. Dies bestätigte auch OB Spies: „Maßnahmen zur Inklusion sind keine Wohltätigkeit für Bedürftige, sie sind eine Bereicherung für alle“, stellte er fest. Und ganz in diesem Sinne sollen auch die Projekte für den diesjährigen Jürgen-Markus-Preis ausgerichtet sein.

Informationen zur Bewerbung:

Das Formular zur Bewerbung für den Preis 2020 kann angefordert werden beim Magistrat der Stadt Marburg, Behindertenhilfe, Kerstin Hühnlein, Friedrichstraße 36, 35037 Marburg, (06421) 201-1525, kerstin.huehnlein@marburg-stadt.de, oder heruntergeladen werden unter www.marburg.de/juergen-markus-preis. Die Bewerbungen können als Kurzdarstellung der Maßnahme, Initiative oder des Projektes als Word-Datei auf maximal fünf DIN A4-Seiten bis Mittwoch, 15. April, bei der Behindertenhilfe der Stadt eingereicht werden. Die Preisverleihung findet am Freitag, 11. September, um 15 Uhr im Historischen Saal des Rathauses statt.