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Schwedische Wahrheiten: Das skandinavische Land ging in Sachen Corona einen konsequenten Sonderweg, der viel angefeindet wurde – aber er funktioniert

Kassel 19.08.2020 | Gastbeitrag von Patrick Plaga Über die schwedische Corona-Politik werden eine Menge Gerüchte und Unwahrheiten verbreitet. Dazu gehört die Unterstellung, dass dort „alles erlaubt“ sei, bis hin zur verantwortungslosen Massenveranstaltung. Dies ist nicht wahr — ebenso wenig wie es wahr ist, dass Schweden für seinen vorsichtigen Umgang mit den Freiheitsrechten einen extrem hohen Preis bezahlen musste. Die Infiziertenzahlen dort gehen kontinuierlich zurück, was eindrucksvoll ist, selbst wenn es im Vergleich zu den Nachbarländern relativ viele Infizierte gegeben zu haben scheint. Aber als Schreckensbild taugt Schweden in keiner Weise. Das kleine Land mit seinen 10 Millionen Einwohnern fand in den letzten Monaten international außergewöhnliche Beachtung. Was ist geschehen? Warum funktioniert der schwedische Weg? Dazu eine Zusammenfassung aus Stockholm.

Zu Schweden gibt es inzwischen einige Klischees, die zu Routinen festgefahren sind und die offenbar niemand im Medienbetrieb durchbrechen möchte. Mit der Realität im Lande hat das stereotype Zerrbild nichts zu tun, das in beiden Lagern des Corona-Streits in Deutschland zwar verschieden bewertet wird, aber auf weitgehend denselben Annahmen über Faktengrundlagen basiert.
Zuerst einmal muss die Situation in Schweden detailliert dargestellt werden, weil sogenannten „Maßnahmen gegen Corona in Deutschland und den Lockdown-Ländern eine so zentrale Bedeutung beigemessen wird, und ein gängiges Klischee lautet: „Schweden tut nichts gegen Corona.“

Schweden hat am 1. April 2020 einen Katalog von Verfügungen und Empfehlungen erlassen und im Laufe des Monats nachjustiert, die unter anderem beinhalten:
1. Schließung von Oberschulen, Hochschulen und den meisten Bibliotheken,
2. Schließen von Kultur- und Unterhaltungseinrichtungen,
3. Untersagen von Großveranstaltungen über 50 Personen,
4. Höchstzahl von Besuchern in der Gastronomie,
5. Absperrung des Einstiegsbereichs in Bussen,
6. Empfehlung eines Mindestabstandes von 2 Metern im öffentlichen Leben,
7. Aufstellung von Erläuterungen zum Hygieneverhalten,
8. Empfehlung, Arbeit in das Homeoffice zu verlagern,
9. Kontaktreduktion in Altenpflegeheimen.

Als mögliches Risiko stufte Folkhälsomyndigheten (zu deutsch etwa Oberste Volksgesundheitsbehörde) Covid-19 bereits im Februar ein, so dass sie am 26. Februar die Öffentlichkeit erstmals über eine Maßnahmenplanung informierte und Verhaltensempfehlungen ausgab. Parallel ermittelten die schwedischen Behörden die zur Verfügung stehenden Kapazitäten im Gesundheitswesen.
Zu einem Zeitpunkt, als das Robert Koch-Institut durch seine Leitung „keine bis geringe Gefahr“ durch Corona kommunizierte, dann aber von einem Tag auf den anderen in Aktionismus verfiel.

Die Federführung hatte von Anfang an der 64-jährige Staatsepidemiologe Anders Tegnell, Abteilungsleiter für Gesundheitsdaten. Zum festen Mitarbeiterstamm in Sachen Corona gehören neben Tegnell sein Stellvertreter Anders Wallensten und sein pensionierter Vorgänger Johan Giesecke. Alle drei sind Fachärzte für Epidemiologie, Giesecke ist zudem Professor an der medizinischen Hochschule Karolinska Institutet und war in Gremien des Europäischen Zentrums für Seuchenkontrolle (ECDC) und im Steuerungsrat für Infektionskrankheiten der WHO. Benachbarte Behörden arbeiten so eng mit der Volksgesundheitsbehörde zusammen, dass sie stets auf einer gemeinsamen Pressekonferenz informieren.

Am 1. April wurden Verhaltensempfehlungen und Schließungen, abgestimmt mit der Regierung, in einem Gesamterlass veröffentlicht. Nachdem im Laufe des April 2020 die öffentliche Wahrnehmung der Bedeutung von Covid-19 auf ein Maß angestiegen war, das offenbar nicht erwartet worden war, korrigierte die Gesundheitsbehörde bei der zulässige Teilnehmerzahl an Großveranstaltungen nach und schützte die Bewohner von Altenpflegeheimen in den Augen der Bevölkerung besser.

Im Lockdown-Ausland wurde das eilfertig als Eingeständnis des Scheiterns bejubelt und das baldige Ende des „Sonderwegs“ herbeiprophezeit. In blinder Verkennung der überwiegenden Bewertung innerhalb Schwedens als Beweis für Tegnells Vertrauenswürdigkeit.
Zunächst brachte die schwedische Bevölkerung der Behörde ein Grundvertrauen entgegen, das in Schweden typisch ist. Das Land hat sich durch zwei Jahrhunderte von einer absolutistischen Monarchie zu einer sehr stabilen Demokratie entwickelt, ohne jemals durch eine Diktatur gegangen zu sein. Spürbar wirkt auch immer noch der Geist des sozialdemokratischen „Volksheims“ als einer Gemeinschaft, in der man solidarisch zusammensteht und wie in einer Familie aufeinander Rücksicht nimmt; ein Bild für Staat und Bürger, das der sozialdemokratische Ministerpräsident Per Albin Hansson 1932 prägte. Giesecke und Tegnell sind selbst noch in diesem Sozialismus typisch schwedischer Prägung aufgewachsen.

Den Behörden wird eine gewisse Unabhängigkeit von Regierungsweisungen zugebilligt und eine institutionalisierte Einflussnahme der Pharmalobby gibt es in der Gesundheitsbehörde auch nicht.
Die Schweden standen und stehen immer mit großer Mehrheit hinter dem Handeln der Regierung, die in vollem Vertrauen auf die Fachkenntnis und Unabhängigkeit der zuständigen Behörde entschieden hat. Die rot-grüne Minderheitsregierung des linken Sozialdemokraten Stefan Löfven hat mit Zustimmung der Linkspartei und der konservativen Opposition, nur blockiert von den rechtsradikalen „Schwedendemokraten“, der Volksgesundheitsbehörde Rückendeckung gegeben und jede Forderung, das Ruder zu übernehmen, abgewehrt. Gesundheitsministerin Hallengren wies etwa Forderungen an die Regierung, Masken einzuführen, am 29.07.2020 kurz und knapp ab: „In Schweden überlassen wir solche Entscheidungen Experten.“

Schweden stehen hinter dem eingeschlagenen Kurs

Ob die in Umfragen erhobenen Mehrheiten nun 60, 65 oder noch mehr Prozente betragen oder auch mal darunter fallen, so sind sie doch nur Variationen derselben Realität: Die Bevölkerung steht hinter dem Kurs. Selbst ein gewisses Abfallen der Zustimmung ist kein Beweis für eine Forderung nach mehr Maßnahmen gegen Corona. Sie könnten auch das gerade Gegenteil bedeuten, schließlich könnte vom Mittelweg auch zu weniger Maßnahmen oder zur totalen Normalität abgewichen werden.

Die Zustimmung wird letztlich an einer ganz simplen Beobachtung deutlich: Es gibt in Schweden keine nennenswerten Demonstrationen. Vor den Pressekonferenzen demonstrieren von Zeit zu Zeit ganze fünf Unzufriedene mit und für Masken und für Lockdown. Die einzige beachtete Demonstration in Schweden seit Corona war „Black Lives Matter“.

Die anderen Schweden haben den guten Verhaltensrat gern angenommen und mit einer Disziplin praktiziert, die in Deutschland nach der Beobachtung des Autors zu keinem Zeitpunkt erreicht wurde.
Bilder von tausenden Sonnenbadenden, die sich wie in Berlin ab April 2020 entlang der Kanäle oder Parks dicht an dicht aufreihen, konnte man in Stockholm lange suchen. Das typische Bild eines Stockholmer Parks im Mai waren Singles oder Kleingruppen von Menschen, zwischen denen überall eine Lücke von gut zwei Metern oder noch viel mehr klaffte. War der Park schon voll, suchten sich neu eintreffende Sonnenanbeter lieber einen anderen Park.

Die nicht begründete Überzeugung, Menschen müssten durch Androhung astronomischer Bußgelder zu einem solchen durchaus vernünftigen Verhalten gezwungen werden, wie sie stereotyp aus Deutschland und anderen Lockdown-Ländern kommt, stößt in Schweden eher auf Unverständnis. Der ehemalige Staatsepidemiologe Giesecke riet in Interviews mit ausländischen Medien immer wieder dazu, den Mitmenschen zu vertrauen: „Man muss die Menschen nicht für dumm halten“, sie nähmen guten Rat, wie sie ihr Leben erhalten könnten, dankbar an.

Dass die Verhaltensempfehlungen letztlich mehr Abstand erreichten als die Gesetzeskeule, ist dabei eigentlich durch und durch logisch; doch das wäre ein Kapitel, das erst aufzuschlagen wäre. Nämlich dann, wenn Deutschland sich dafür entschiede, einen solidarischen Weg aus der Coronakrise einzuschlagen.

Statt massiver staatlicher Regelungswut hatte sich in Schweden eher eine Kultur gegenseitiger Rücksichtnahme entwickelt, mit Initiativen von unten. Ein schönes Beispiel dafür sind die in nahezu allen Lebensmittelgeschäften eingeführten Einkaufszeiten für Risikogruppenangehörige. Auch hier gibt es wieder kein wucherndes Nachweis- und Kontrollunwesen. Warum auch?

Als Gast aus einem Lockdownland kann man in Schweden eine allgemeine Ruhe und Friedlichkeit wahrnehmen. Die Schweden sprechen natürlich über Corona, ebenso wie die Menschen im Rest der Welt. Doch finden diese Gespräche in der Regel ohne gegenseitige verbale Totschläger der Art „Verschwörungstheoretiker“, „Covidioten“, „Panikmacher“ oder „Reptilienhirn“ statt. Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, Kritiker des Regierungskurses zu Verschwörungstheoretikern abzustempeln. Die Schweden sehnten sich schließlich genauso nach Führung wie andere Völker der Welt.

Doch Tegnell ist mit gutem Beispiel voran gegangen, in dem er in jedem Interview konsequent bei Aussagen über die Sache geblieben ist und niemals Aussagen über Kontrahenten gemacht hat.
Für die Mehrheit der Schweden ist Corona inzwischen kein vorrangiges Thema mehr. Die Probleme mit der Einreise in andere Länder der Welt haben es im Sommer noch einmal an die Spitze der Problemhierarchien befördert, „inländische“ Sorgen macht es kaum noch. Die sonstigen Themen ihrer Leben von vor der Coronazeit sind wieder nach vorne gerückt.

Testwilligkeit in Relation zur Bedeutung der Krankheit

Sichtbarer Ausdruck auf der Statistikebene ist die Zahl der Tests. Die Zahl der PCR-Tests ist innerhalb von vier Wochen von 81.000 — relativ zur Bevölkerungszahl etwa gleichviel wie in Deutschland — auf 50.000 geradezu abgestürzt. Bei den Antikörpertests ist der Trend derselbe. Dass die Zahlen überhaupt noch in einem so hohen Bereich liegen, dürfte zu einem erheblichen Anteil auf die Tests zurückzuführen sein, die die Urlaubsländer von den Schweden verlangen. So jedenfalls hat Anders Tegnell eine Erklärung für die Höhe der noch vorhandenen Infektionszahlen am 11. August 2020 angedeutet.

Anders als in Lockdownländern, die vor dem Hintergrund nicht mehr messbarer realer Zahlen von Krankheitstoten, sich in „Dunkelziffern“ und anderen Fantasiegespinsten ihrer Angst verlieren, steht die Entwicklung der Testwilligkeit der Ärzte und der Bevölkerung in Schweden in Relation zur Bedeutung der Krankheit.

Im aufgeheizten Klima eines Lockdownlandes mag das schwer verständlich sein, aber ein Versuch zur Erklärung soll dennoch unternommen werden.
Die beschlossenen Maßnahmen sind in ihrem Kern ein vorweggenommener Kompromiss zwischen allen — von Anfang an vorhersehbaren — bedeutsamen Interessen und Bedürfnissen, die man zu diesem Zweck grob in drei Gruppen einteilen mag.

Sichtbar und absehbar war, dass ein großer Teil der Menschen große Angst vor der neuen Krankheit haben würde. Einer Krankheit, die vom anderen, vom Mitbürger kommt. Diese Verängstigten brauchen die verlässliche Versicherung der Gemeinschaft, dass ihre Angst ernst genommen wird und man sich um ihren Schutz bemüht. Nur so kann die zersetzende Kraft der Infektionsangst gebrochen werden.
Selbstverständlich war auch, dass gewirtschaftet werden muss. Wirtschaft wurde dabei nicht als Besitztum einiger raffgieriger Kapitalisten verstanden, die vollkommen stillgelegt werden kann. Wirtschaft wird als Lebensgrundlage der Gemeinschaft verstanden.

Dass Wirtschaft weiter läuft und dafür — möglicherweise unperfekter Krankheitsschutz in Kauf genommen wird, war von vornherein eingeplant. Auch wenn auf Erntefeldern Menschen einem Risiko ausgesetzt werden, muss das Gemüse dennoch geerntet werden. Denn es kommt vom Feld, nicht aus dem Supermarkt.
Absehbar war auch, dass zu einschneidende Maßnahmen eine weitere Art von Ängsten wecken könnten. Wenn Menschen, die sich weniger vor der Krankheit fürchten als der Durchschnitt, misstrauisch fragen, ob die Mittel im Kampf gegen den Feind Seuche nicht übermässig sind und andere als medizinische Absichten dahinter vermuten.

Auch ihnen wurde mit klaren Signalen geantwortet. So findet sich zum Beispiel in den „Frequently Asked Questions“ der Volksgesundheitsbehörde auf die Frage danach, ob ein Lockdown erlassen werden könnte, ein klares Nein. Und die Auskunft, dass das Gesetz über übertragbare Krankheiten vergleichbare Maßnahmen in Schweden allenfalls für eine Nachbarschaft, keineswegs aber für ganze Gemeinden oder das Land erlaube.
Das Gesetz erlaubt es nicht. Und dann wird es natürlich auch nicht gemacht. Wie viele Menschen wären von einer so simplen, aber starken, Aussage in Lockdownländern weniger besorgt um ihre Demokratie und Bürgerrechte?

Die Politiker der Lockdownländer haben den oben zuerst genannten Bedürfnissen beziehungsweise Interessen nacheinander den totalen Vorzug gegeben. Am Anfang am lautstarksten waren die Ängstlichen zu vernehmen, vertreten durch alarmistische Virologen und Pharmavertreter, die kompromisslos und totalitär forderten: „Jedes Leben zählt!“ Sie bekamen mit dem Lockdown den totalen Krieg gegen die Krankheit.
Dann meldeten sich die Vertreter des Wirtschaftskapitals, die durch den Lockdown um ihre Gewinne fürchteten, und Menschen, die um ihre Arbeitsplätze bangten: „Man darf für die Krankheit nicht die Wirtschaft opfern.“ Und sie bekamen — ebenso abrupt wie er eingeführt wurde — die Aufhebung des Lockdowns.

Darauf meldeten sich wieder die Ängstlichen zu Wort, die sich nun wieder schutzlos fühlten. Und sie bekamen die Maske. Jenen scheinbar genial einfachen Kompromiss aus Kapitalinteressen und subjektiv wahrgenommenem Krankheitsschutz. Oder, anders ausgedrückt: „als Erinnerung, dass es Corona noch gibt“, will heißen: „ich brauche diese Versicherung, dass auch mein Leben für Euch zählt“.
Die Maske wiederum verstärkte die Ängste der dritten Gruppe, derer, die die massiven Eingriffe des Staates von Anfang an misstrauisch beäugten. In dem Maße, wie sie ignoriert beziehungsweise ausgegrenzt wurden, radikalisierten sie sich, bis hin zu Großdemonstrationen, die die bewegten 80er Jahre wieder in Erinnerung rufen.

Die USA, dieses Herz des neoliberalen Credos „mein Recht vor allen anderen und mit jedem Mittel“, haben diese Auseinandersetzungen an den Rand eines zweiten Bürgerkriegs geführt, in Europa werden sie geordnet im Rahmen angemeldeter Demonstrationen geführt. Doch die zugrunde liegende Dynamik ist überall dieselbe.

Der Schlüssel: Empathie

Das hohe Level der Aggression in den Lockdownländern resultiert — aus der Außenperspektive des letzten Landes im Friedenszustand leicht erkennbar — aus der Kompromisslosigkeit, mit der das eigene Interesse über alle anderen gestellt wird, und sei es auch als einzig wahre wissenschaftliche Wahrheit verpackt.
Den Schweden ist es erspart geblieben, jederzeit darum fürchten zu müssen, dass ihre existentiellen Bedürfnisse in den Mahlsteinen solcher gewaltiger Auseinandersetzungen zerrieben werden.
Zu keinem Zeitpunkt wurde ein einziges Bedürfnis absolutiert. Da die Menschen sahen und sehen, dass ihr jeweiliges wichtigstes Bedürfnis berücksichtigt wurde, waren sie empathisch genug, auch die Bedürfnisse anderer zu erkennen.

Das drückt zum Beispiel das Abstandhalten und die besonderen Öffnungszeiten für Risikogruppen auf der einen Seite aus und der Verzicht auf totale Krankheitsbekämpfung bei Wahrung von Bürgerrechten auf der anderen Seite.

Das schwedische Gesundheitsamt hat diesen Frieden zwischen den Menschen erreicht, indem es im Maßnahmenkatalog die Bedürfnisse aller sorgfältig abgewogen hat. Und die Regierung hat in weiser Bescheidenheit darauf verzichtet, auf die Stürme einzugehen, die die Lobbys entfachten, und stattdessen einen Fels von verlässlicher Stabilität errichtet. In Schweden kann man heute abends zu Bett gehen und muss sich keinen Kopf zerbrechen, was wohl morgen wieder beschlossen und auf einen zurollen wird.

Die Schweden spüren intuitiv, dass sie ihren inneren und gesellschaftlichen Frieden den Planern zu verdanken haben. Dazu tragen übrigens intensiv die vielen ausländischen Journalisten mit ihren Anti-Schweden-Kampagnen bei, die den Zusammenhalt letzten Endes noch gestärkt haben. Wofür ihnen an dieser Stelle gar nicht genug gedankt werden kann. Ihrem Engagement widmet der Autor gerne einen weiteren Artikel.
So ist es nur folgerichtig zu den im Ausland umrätselten Tegnell-Fanclubs und Tegnell-Tattoos gekommen. Sichtbare Ausdrücke der verhältnismäßig großen Lebenszufriedenheit in dieser Krisenzeit.
Am Ende der Coronakrise werden die Lockdownländer mehr oder weniger an Bürgerkriegen vorbei geschlittert, aber auf jeden Fall tief gespalten und erschöpft sein. Schweden hingegen wird stolz auf eine Zeit zurückblicken können, in der sich Gemeinschaftsgeist und Solidarität bewährt haben.

Patrick Plaga, Jahrgang 1976, besitzt einen Bachelor of Science in Counseling Psychology, absolvierte eine psychotherapeutische Ausbildung nach Carl Rogers, ist Erzieher und tätig in der Kinder- und Jugendpsychotherapie, Jugendhilfe und im Rettungsdienst. Seit seiner Auswanderung im Mai 2020 berichtet er aus Schweden auf dem Blog Schwedenreport und arbeitet an einem Sachbuch über Angst.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in „Rubikon das Magazin für die kritische Masse“ und ist dort mit einer CC-Lizenz zur Veröffentlichung publiziert.