„Die Crux mit dir“ in der Kunsthalle Willingshausen – Martha Frieda Friedel fokussiert und transzendiert

Kassel 06.05.2021 (red) Es ist eine Crux derzeit, in und mit der Kunsthalle Willingshausen. Den ganzen April bereits hängen dort Bilder einer Ausstellung und keine/r kann sie betrachten. Die 51. Stipendiatin Martha Frieda Friedel haben …

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Radeln ohne Alter: Rikschafahrten für SeniorInnen

Eine Rikschafahrt für Seniorrinnen. Foto Judith Mengel

Kassel 28.04.2021 Gastbeitrag von Ursula Wöll BewohnerInnen von immer mehr Altenheimen können Ausflüge in einer Fahrrad-Rikscha machen. So kommen etwa die SeniorInnen des Hauses am Nordwall in Korbach, des Frankfurter Aja-Textor-Goethe-Heims oder des Wiesbadener Katharinenstifts in diesen Genuss. Obwohl sie in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, sehen sie etwas von der Umgebung ihrer neuen Heimat. Sie spüren wie früher den Wind in den Haaren, während ihre Beine mit einer Decke geschützt sind. Sie können sich mit den ehrenamtlichen ‚PilotInnen‘ der Rikschas anfreunden und vice versa. Also haben auch die FahrerInnen einen Zugewinn, wenn sie als Jüngere die Erfahrungen eines langen Lebens kritisch verarbeiten.

Glück kennt kein Alter
„Wir schenken Seniorinnen und Senioren sowie mobilitätseingeschränkten Personen ZEIT, LEBENSFREUDE, TEILHABE und GEMEINSAMES ERLEBEN“, so wirbt Korbach für die kostenlosen Ausflüge mit der Fahrrad-Rikscha. Die Idee, mittels elektrounterstützten Rikschas die Altengettos zu öffnen, stammt aus Dänemark. Sie fand bald begeisterte Aufnahme hierzulande. In Korbach erwarb die Stadt gemeinsam mit dem SeniorInnenheim das ziemlich teure Gefährt. In Frankfurt war es die private Spende des Ehepaars Michaela und Rudolf Du Mesnil, die dem Aja-Textor-Goethe-Haus in der Hügelstraße zu einer Rikscha verhalf.

Das Wiesbadener Katharinenstift gehört zur EVIM Gemeinnützige Altenhilfe GmbH, die erklärt: „In fast allen unseren 12 Seniorenzentren gibt es eine Senioren-Rikscha, die Angehörige oder Ehrenamtliche zu Ausflügen mit den Bewohnern nutzen.“ Und jüngst, am 31. 3. 2021, gab das Land Brandenburg bekannt, dass es die Anschaffung von Senioren-Rikschas mit bis zu 80 % Zuschuss fördert. So könnte ich fortfahren aufzuzählen, unter www.radelnohnealter.de ist die Situation in den einzelnen Bundesländern aufgelistet.

Die Seniorinnen sind begeistert
Angesichts des Anklangs, den die Rikschas finden, könnte ich mir vorstellen, dass auch die Hessische Landesregierung oder weitere Städte in Hessen ein Rikscha-Projekt fördern, wenn man sie darauf anspräche. Sigrid Holtorf-Hauptmann aus dem Frankfurter Aja-Heim beschreibt ihren Fahrrad-Rikscha-Ausflug als einen „Lichtblick im ereignisarmen Corona-Sommer“. Auch die SeniorInnen aus dem rheinlandpfälzischen Plaidt schwärmen auf einem Video von der herrlichen Abwechslung in ihrem gleichförmigen Alltag. Zu sehen und zu hören sind sie unter www.radelnohnealter.de/plaidt/

Die Aufnahmen wurden vor Corona gemacht, deshalb trägt niemand einen Mundschutz. Wenn man bedenkt, dass die Gehbehinderte in den Heimen durch ihr Alter immer und rund um die Uhr am Ausgehen gehindert sind! Viele Jüngere murren ja schon, wenn sie von 21 bis 5 Uhr zu Hause bleiben müssen. Aber auch die Alten wollen wenigstens ab und zu mal etwas anderes sehen, riechen, hören und fühlen. Wer zuvor in derselben Stadt wohnte, möchte vielleicht vertraute Orte wiedersehen.

Die neuen Eindrücke liefern dann Gesprächsstoff beim gemeinsamen Essen im Heim. Sie halten die Neugier wach und wirken dem Verfall der geistigen und emotionalen Kräfte entgegen. Sie machen schlicht gesagt glücklich. Offenbar aber gilt das auch für die Radpiloten. Denn an ehrenamtlichen RadfahrerInnen scheint es nicht zu fehlen. Kein Wunder, sie treiben Gymnastik ohne dafür zu zahlen und das an der frischen Luft. Und sie erfahren die Freude, die so intensiv entsteht, wenn man anderen eine Freude macht. Kurzum, sie praktizieren eine Spielart jener Solidarität, welche die DGB-Gewerkschaften in diesem Jahr mit ihrem 1. Mai-Motto einfordern.