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Wird ein alter Hof zum neuen Zuhause für Senioren? – Landkreis fördert Machbarkeitsstudie in Weimar-Niederwalgern

Landrätin Kirsten Fründt, Bildmitte, übergab den Förderbescheid des Landkreises an Andre Hoß, der gemeinsam mit seinem Bruder Daniel, ganz links, den Hof der Familie in Niederwalgern zu einem Wohnprojekt für Ältere umgestalten möchte. Vater Wolfgang, Weimars Bürgermeister Peter Eidam und Katharina Albrecht vom Fachdienst Altenhilfe, hintere Reihe, von links nach rechts, freuen sich über die Pläne der beiden Brüder. Foto Nadja Schwarzwäller

Kassel 09.04.2021 (pm) Seit 2015 gibt es im Landkreis Marburg-Biedenkopf das Förderprogramm „Lokale Bausteine für ein gutes Leben im Alter“. Inzwischen existieren vier Fördermodule – eines davon hat die Verbindung von Ortskernbelebung und Altenhilfe zum Ziel. Investoren und privaten Trägern soll es mit Hilfe von Machbarkeitsstudien ermöglicht werden, prüfen zu lassen, ob zum Beispiel bestehende Gebäude umgenutzt werden können. Genau das planen Daniel und Andre Hoß in Weimar-Niederwalgern. Der Landkreis fördert das Projekt mit 10.000 Euro. Den entsprechenden Förderbescheid hat Landrätin Kirsten Fründt vor Ort übergeben.

Altengerechtes Wohnen oder eine Tagespflege – wie in vielen anderen kleineren Orten sucht man auch in Niederwalgern ein solches Angebot vergebens. Das möchten Daniel und Andre Hoß gerne ändern. Die beiden Brüder hatten die Idee, den Dreiseithof der Familie zu einer Einrichtung für ältere Menschen umzubauen. Ob und in welchem Umfang das möglich ist, soll nun eine Machbarkeitsstudie ermitteln. Ein Drittel der Kosten von 15.000 Euro trägt die Familie selbst, 10.000 Euro kommen aus dem Förderprogramm „Lokale Bausteine für ein gutes Leben im Alter“ des Landkreises.

„Dieses Förderprogramm lebt auch von den Ideen und Initiativen vor Ort. Der Landkreis ist daher sehr dankbar, dass es Engagierte gibt, die die Bedarfe vor Ort kennen, sich Gedanken machen und dann auch aktiv werden. Deshalb fördern wir auch dieses Projekt“, sagte Landrätin Kirsten Fründt. Sie verwies auch auf die beratende Rolle des Fachdienstes Altenhilfeplanung des Kreises, der mit Rat und Tat und auch als Lotse zur Verfügung stehe.

Gespräche zwischen dem Fachdienst und der Familie haben bereits stattgefunden und die beiden Brüder planen, ihr Projekt mit anderen Maßnahmen und Vorhaben in der Gemeinde abzustimmen und zu vernetzen.

Weimars Bürgermeister Peter Eidam lobte das Engagement der Brüder und freute sich bei der Übergabe des Förderbescheids auf dem Hof der Familie Hoß auch über die Nachricht, dass sie planen, die Traditionsmetzgerei zu erhalten und in die Pläne zu integrieren. Im Rahmen der Machbarkeitsstudie stehen nun zunächst eine Bestandserfassung hinsichtlich der in Frage kommenden Gebäude und die Entwicklung einer ersten Raumplanung auf dem Programm. Auch eine Bedarfsanalyse und die Erarbeitung von entsprechenden nachhaltigen und tragfähigen Finanzierungskonzepten sind geplant.

„Wir sehen den Bedarf vor Ort“, sagte Andre Hoß mit Blick auf den zunehmenden Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung. Von den knapp 1.500 Einwohnern des Ortsteils Niederwalgern sind 278 über 65 Jahre alt, das entspricht einem Anteil von 18,8 Prozent. In dieser Altersgruppe gibt es bereits 27 Single-Haushalte. Häufig leben ältere Menschen wegen veränderter Familienstrukturen allein in zu großen und nicht bedarfsgerechten Ein- oder Mehrfamilienhäusern. Kleine und zentrale Mietwohnungen oder eben Angebote des betreuten Wohnens gibt es in Niederwalgern nicht, die nächstgelegenen Einrichtungen befinden sich in Marburg und im Ebsdorfergrund.

Zum Dreiseithof der Familie Hoß gehört unter anderem das ehemalige Wohnhaus der Großeltern sowie das Gebäude, in dem Vater Wolfgang seine Metzgerei betreibt. Die könnte künftig einen Mittagstisch für die Senioren liefern. Die Ideen von Daniel und Andre Hoß beinhalten sowohl behindertengerechte Wohnmöglichkeiten für Senioren wie auch eine Tagespflege. Sollte sich letzteres nicht umsetzen lassen, möchten sie zumindest gern Räumlichkeiten realisieren, in denen sich die älteren Menschen im Ortsteil treffen können. Die Machbarkeitsstudie soll aufzeigen, für welche Funktionen die Gebäudeteile künftig eventuell genutzt werden können.

2019 und 2020 erhielt die Gemeinde Weimar bereits eine Förderung über das Modul 1 des Programms, das die Entwicklung lokaler Altenhilfekonzepte zum Ziel hat. Durch das Planungsbüro Buchenauer wurden dabei eine Bedarfsermittlung und ein Bürgerbeteiligungsprozess angestoßen. Im Mittelpunkt stand die Umsetzung neuer Wohnformen mit Integration der Aspekte Pflege und Versorgung. Es kamen mehrere Projektansätze sowohl der Kommune wie auch privater Investoren als Ergebnis zustande. Eines davon ist der Ansatz von Daniel und Andre Hoß.

Auch wenn die Brüder betonten, dass sie mit ihrem Vorhaben erst ganz am Anfang stehen und noch einige Jahre bis zum fertigen Projekt vergehen werden – „Es ist ein Anfang und dass jemand sich auf den Weg macht, das ist toll“, erklärte Landrätin Kirsten Fründt. „Es ist unglaublich wertvoll, nicht nur für die Ortskernbelebung, sondern in erster Linie für die Menschen, die später einmal davon profitieren.“ Fründt verwies darauf, dass für viele Ältere die Vereinsamung ein Faktor für einen früheren Tod sei. Ein Projekt zum gemeinschaftlichen Wohnen könne den Menschen vor Ort helfen, länger und besser zu leben.