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Kabinettausstellung im Schloss Wilhelmshöhe: Ein Atelier für sich alleine – Künstlerinnen von Rachel Ruysch bis Emy Roeder

Anna Dorothea Therbusch, Johann Christian Samuel Gohl, Selbstbildnis im Hintergrund, um 1764-65. Museumslandschaft Hessen Kassel, Foto Ute Brunzel

14.07.2021 (pm) Mit der Kabinettausstellung »Ein Atelier für sich alleine – Künstlerinnen von Rachel Ruysch bis Emy Roeder« im Schloss Wilhelmshöhe zeigt die Museumslandschaft Hessen Kassel vom 16. Juli 2021 bis 16. Januar 2022 erstmals eine Überblickspräsentation Alter Meisterinnen der Gemäldegalerie sowie Moderner Künstlerinnen aus der Neuen Galerie. Die kleine Sonderausstellung verbindet die Werke versierter Malerinnen aus dem 17. Jahrhundert, wie Rachel Ruysch, mit Künstlerinnen des 18. und 19. Jahrhunderts bis hin zu einem beeindruckenden Altersbildnis der Bildhauerin Emy Roeder aus dem Jahr 1958.

»Eine Frau braucht Geld und ein Zimmer für sich allein, wenn sie Bücher schreiben möchte«, formulierte Virginia Woolf in ihrem Essay von 1929 und machte damit die Determinanten einer erfolgreich künstlerisch, in diesem Falle literarisch, tätigen Frau deutlich. Der »Raum für sich alleine« kann mehrdeutig verstanden werden und soll aber in jeder Hinsicht zur unbeschränkten kreativen Entfaltung beitragen.

Caroline von Embde, Selbstbildnis, 1855. Museumslandschaft Hessen Kassel

Ganz im Sinne dieser Idee kommen im Schloss Wilhelmshöhe in »einem Kabinett für sich alleine« Künstlerinnen aus unterschiedlichen Epochen zusammen. Die ausgewählten Werke zeigen exemplarisch die Bandbreite des weiblichen Kunstschaffens vom späten 17. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. So können verschiedene Motive, Medien und Epochen vergleichend einander gegenübergestellt werden.

Katharina Karolina Luja, Selbstbildnis, um 1828. Museumslandschaft Hessen Kassel

Künstlerinnen mussten sich zu jeder Zeit anderen – oder weitaus mehr – Problemen stellen als ihre männlichen Kollegen: Waren sie zwar in der Frühen Neuzeit als »Wunder« auf dem Kunstmarkt heiß begehrt, mussten sie immer auch bedenken, ihren Ruf als ehrbare Frau Aufrecht zu erhalten. Diese Dualität von professioneller Zurschaustellung und feiner weiblicher Zurückhaltung hat die Künstlerinnen zu verschiedensten klugen Erfindungen verleitet.

Auch das Kopieren war hierbei ein strategisches Tätigkeitsfeld: Je besser die Kopie war, desto näher konnte man sich an den kopierten Meister und in dessen Nachfolge rücken. Somit waren die Kopien eine Art Aushängeschild des künstlerischen Könnens und lieferten den Künstlerinnen die Möglichkeit, die Ebenbürtigkeit zu beweisen. Daneben galten Stillleben als eine traditionell weibliche Gattung.

Paula Modersohn-Becker, Rote Georginen, um 1902. Museumslandschaft Hessen Kassel

Die Historienmalerei, als höchste Malereiform, war den Männer vorbehalten und auch das Aktstudium, was für die handlungsreichen Darstellungen notwendig war, wurde den Künstlerinnen untersagt. Im Bereich der Stillleben waren es vor allem Früchte, Blumen oder auch Vögel, die eindrucksvoll und detailliert naturalistisch abgebildet wurden.

Mit der zunehmenden Emanzipation der Frau, insbesondere in den 1920er Jahren, entwickelte sich auch ein neues Frauenbild im künstlerischen Sinne: Statt feiner Zurückhaltung stand nun vollends die selbstbewusste, charakteristische Eigenpräsentation im Fokus, die durch unkonventionelle Mode ausgedrückt werden konnte. So liefern die ausgestellten Werke geradezu eine Illustration der Geschichte der Frauenbewegung.

Kabinettausstellung Schloss Wilhelmshöhe
Ein Atelier für sich alleine – Künstlerinnen von Rachel Ruysch bis Emy Roeder
16. Juli 2021 – 16. Januar 2022
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