Willingshausen deja vue ? Wursthimmel und Scheunentor serviert von Janosch Feiertag

17.10.2021 (red) Endlich wieder eine Kunstausstellung in Willingshausen, könnte in den Kopf kommen, wer sich in diesem Oktober die Präsentation von Janosch Feiertag in der Kunsthalle anschaut. Besucher/in erwartet eine Ausstellung, die Position bezieht mit …

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Portraitreihe „Mein Dorf in Marburg“ Haddamshausen

Haddamshausen von Feldern, Wald und Wiesen umschlossen. Foto Ole Widekind

02.07.2021 (pm)  Historische Spuren erzählen viele kleine Geschichten von Haddamshausen und verbinden die Vergangenheit mit der Gegenwart des Dorfs. Engagierte Menschen bringen sich in das Dorfleben ein und knüpfen schon seit 1843 Kooperationen „im Allnatal“. Insbesondere das Bürgerhaus lebt durch den Angebotsverbund mit den Außenstadtteilen Cyriaxweimar und Hermershausen. „Mein Dorf in Marburg“ wirft einen Blick auf das Leben in Haddamshausen.

Als Stadtteil von Marburg ist Haddamshausen mit knapp 500 Einwohner*innen einer der kleineren Außenstadtteile. Das Dorf liegt im Südwesten des Marburger Stadtgebiets und grenzt an Weimar (Lahn). Ein uralter Weg zwischen Gladenbach und Marburg kreuzte die Allna. Menschen siedelten sich an dieser Stelle an. Im Jahr 1277 wurde der Ort so erstmals offiziell in Bezug zu historischen Besitzrechten als „Hademeshusen“ erwähnt. Seine ländliche Struktur hat Haddamshausen bis heute beibehalten und vielfältige Wanderwege laden ins Tal der Allna ein. An die Kreuzungslage für die historischen Wirtschaftswege zwischen Gladenbach und Marburg erinnern noch heute der „Gladenbacher Weg“ sowie der „Marktweg“, die von Marburg über den Hasenkopf und Cyriaxweimar weiter nach Haddamshausen führen und auf die markttreibenden Menschen aufmerksam machen, die dort einst Richtung Marburg wanderten.

Ähnliche historische Erzählungen berichten, dass viele – festlich schwarz gekleidete – Mitbürgerinnen durch den Wald auf dem sogenannten „Kirchweg“ entlang zur Mutterkirchengemeinde in Oberweimar unterwegs waren. Diese Erinnerungen stammen aus der Zeit, bevor Haddamshausen ab 1951 seine eigene kleine Dorfkirche erhielt.

Dorfkirche aus 1951 in Fachwerkbauweise. Foto Ole Widekind

Das kleine Fachwerkkirchengebäude am Hang ist bis heute ein besonderer Ort im Dorf. Das einstige Gehöft, auf dem die Dorfkirche steht, war das Eigentum der Familie Schneider/Dörr. Sie vermachten ihr Anwesen samt den Ländereien der Kirche, nachdem ihr Sohn im 1. Weltkrieg gefallen war. In den 1940er-Jahren nahmen die Kirchenbaupläne Form an und wurden durch die Dorfbewohner*innen in Eigenregie umgesetzt. Die Kirche wurde 1953 eingeweiht. Im Jahr 2003 wurde der Kirchturm samt Glocke restauriert und repariert.

Die Entwicklung des Ortes Haddamshausen hat seit jeher auch eine eng verflochtene Geschichte mit den Stadtteilen Cyriaxweimar und Hermershausen: angefangen 1843 mit der Gründung des Schulverbands durch die Gemeinden Haddamshausen und Cyriaxweimar über den 1931 gemeinsam gegründeten Sportverein bis zum Gemeinschaftsbau der Mehrzweckhalle im Jahr 2000 und viele weitere Kooperationen. Nicht zuletzt engagierten sich die drei Ortsbeiräte gemeinschaftlich für den Erhalt der Grundschule, des Kindergartens und der Mehrzweckhalle, die einen wesentlichen Teil der Infrastruktur darstellen.

Mit der Spielvereinigung Grün-Weiß Haddamshausen hat der Stadtteil einen aktiven Sportverein, der von Fußball, Tischtennis und Tennis über Wandern bis zu Seniorengymnastik und Kinderturnen verschiedene Disziplinen anbietet. Mit dem Neubau eines Sportheimes am Sportgelände in Haddamshausen hat der Sportverein außerdem eine Mammutaufgabe in Eigenregie bewältigt, die jetzt auf der Zielgeraden zur Vollendung ist. Auch die Sanierung und Neugestaltung der Grillstation am Bürgerhaus, der Bau von zwei großen Insektenhotels, die Pflege der Ruhebänke in der Gemarkung oder die Pflege einer Streuobstwiese sind weitere Projekte, die durch ehrenamtliches Engagement im Ort umgesetzt werden.

Als Kooperation zwischen Cyriaxweimar und Haddamshausen bestehen die Freiwillige Feuerwehr und der Jugendclub gemeinschaftlich, sowie für viele Jahre der Gesangverein „Harmonie“, der sich jedoch seit 2020 in Auflösung befindet. Ein weiterer kooperativer Arbeitskreis besteht zwischen den Stadtteilen Cyriaxweimar, Hermershausen und Haddamshausen unter dem Motto „Aktives Allnatal“. Seit 2013 organisiert der Arbeitskreis zahlreiche Aktivitäten, wie einen warmen Mittagstisch, ein Erzählcafé, eine Gitarren-, Handarbeits-, Mal-, Spaziergeh- und Backhausgruppe. Diese Angebote sind für Mitbürger*innen jeden Alters, wenngleich die Gruppe der Senior*innen in den drei Stadtteilen diese Angebote am häufigsten nutzte. Auf eine baldige Wiederaufnahme dieser Aktivitäten hoffen die Ortsvorsteher sehr.

Haddamshausen gehört des Weiteren zu den Ortsteilen von Marburg, deren Feuerwehren gemeinsam im September 2018 die Kinderfeuerwehr West „Löschifanten“ ins Leben gerufen hat. Eine Arbeitsgemeinschaft Theater bringt zudem das Darstellende Spiel ins Dorfleben und vor Corona in das Bürgerhaus, während für die jüngeren Bewohner*innen der Verein „Kinder im Allnatal“ als Förderverein für Kindergarten und Grundschule besteht. Besonders ist auch ein Club in Allnatal, der sich voll und ganz dem Bart widmet. Bärte als Vereinsangelegenheit hat sich nämlich seit mittlerweile 41 Jahren der „Bartclub Haddamshausen/Hermershausen – BCHH“ auf die Fahne geschrieben.

Ortsvorsteher Heinz-Konrad Debus sagt zu diesem blühenden Engagement: „Wer bereit ist, etwas zu geben, kann den Zusammenhalt stärken, die Gesellschaft beleben und das Miteinander der Menschen in unserer Heimat fördern.“ Unter dem Motto „Engagiert vor Ort – Zuhören, beraten, kümmern“, engagiere sich der Ortsvorsteher gerne für seinen Heimatstadtteil Haddamshausen, und zwar so wie er ehrenamtliches Engagement in seiner Jugendzeit kennengelernt habe.

Das Bürgerhaus von Haddamshausen wurde 1974 aus Mitteln der Brandschutzsteuer als Kombination aus Feuerwehrgerätehaus im Erdgeschoss und einem Gemeinschaftsraum im Obergeschoss gebaut. 1985 erfolgte die Erweiterung des Feuerwehr-Gerätehauses im Erdgeschoss und damit verbunden auch die Erweiterung des Gemeinschaftsraumes. Dieser große Saal bietet circa 100 Personen bestuhlt Platz. Neben dem Saal verfügt das Bürgerhaus über eine Küche und Sanitäranlagen. Als Ort der Begegnung soll es perspektivisch wieder verstärkt ins Zentrum rücken. Die erhöhte Vermarktung für Familienfeiern durch eine Verbesserung der Attraktivität der Räumlichkeiten und Nutzung als Seminarraum für Gewerbe- und Bildungsstandort Marburg ist in der Planung. Vor Corona trafen sich vor allem der Gesangsverein, die Theater-AG und zuletzt die Gruppe „StepDance“ aus Marburg dort.

Der Angebotsverbund mit den angrenzenden Allnatal-Stadtteilen Cyriaxweimar und Hermershausen bietet in jedem Dorf einen anderen Schwerpunkt. In Cyriaxweimar bietet die Mehrzweckhalle, aufgrund des größeren Raumangebots, vielfältige Sport-, Kultur-, und Privat-Veranstaltungen. Zusätzlich soll es eine Außenanlage für mehrere Generationen geben. In Hermershausen ist der Fokus auf gemeinsamem Kochen und Essen in das großangelegte „Entwicklungskonzept für die Bürgerhäuser in den Außenstadtteilen“ aufgenommen worden.

Hingegen ist Haddamshausen als Bürgerhaus mit „Wohnzimmer-Atmosphäre“ für kleinteilige Veranstaltungen in gemütlichem Rahmen bekannt. Im Abschlussbericht des Entwicklungskonzeptes wird bei der Bewertung für das Bürgerhaus Haddamshausen ein baulich, technisch und energetisch sanierungsbedürftiger Zustand festgestellt. Hinzu kommt eine notwendige Innenraumsanierung inklusive Küche und die Erneuerung der Sanitäranlagen. Außerdem fehlen Barrierefreiheit und ein Behinderten-WC. Im inzwischen von den städtischen Gremien beschlossenen Entwicklungskonzept wird daher der Rückbau des bestehenden Bürgerhauses mit einem kleinen, angepassten Neubau empfohlen. Aufgrund der überörtlichen Bedeutung im Allnataler-Angebotsverbund sind die Maßnahmen zwischen 2024 bis 2029 eingeplant.

Hintergrund

Marburg ist Universität, Marburg ist Stadt – und Marburg ist Dorf. Rund 12.000 der EinwohnerInnen Marburgs leben in den dörflichen Außenstadtteilen. Die Bürgerhäuser sind dort oftmals Orte des Miteinanders. Deshalb will die Stadt in den kommenden Jahren auf der Basis eines großangelegten Entwicklungskonzepts die Bürgerhäuser in den jeweiligen Stadtteilen bedarfsgerecht sanieren, teilweise auch abreißen und neu bauen. Eine gemeinsam mit Vertretern aller Außenstadtteile erstellte Prioritätenliste teilt die Vorhaben grob ein, zunächst bis 2029.  Das Gesamtvolumen der Investitionen wird sich auf circa 15 Millionen Euro belaufen. Der Impuls für das Entwicklungskonzept kam durch die Beteiligung der Stadt Marburg am Dorfentwicklungsprogramm des Landes Hessen.