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Großer Zuspruch: Ombudsstelle „Fair Wohnen“ für Mieter

Die beiden Mieter Mahfooz Hamidi (oben links) und Hundee Chawaqa (oben Mitte) haben das Ombudsangebot in Anspruch genommen, bei dem sich unter anderem Bettina Böttcher-Dutton (von unten links), Elena Afanasyeva, Janina Werth und Silvia Lerch-Denfeld (oben rechts) engagieren. Fotos Freya S. Altmüller

01.02.2022 (pm/red)  Ob Reparaturen, Haustierhaltung oder Müllprobleme: Sechs Ombudspersonen beraten Marburger, wenn es im Mietverhältnis hakt. Sie klären, schlichten bei Konflikten und helfen, einvernehmliche Lösungen zu finden. „Fair wohnen“ hat die Stadt Marburg im Mai 2021 ins Leben gerufen. Das Angebot ist einmalig in Hessen. 39 Mieter haben schon davon Gebrauch gemacht. Ab Frühjahr gibt es eine zusätzliche Sprechstunde am Richtsberg, teilt die Stadtverwaltung mit.

„Mit diesem Unterstützungsangebot setzt sich die Stadt Marburg für faires Wohnen ein. Die Ombudspersonen sind beratend und vermittelnd tätig. Sie fördern so das gute Miteinander in unserer Stadt“, sagt Stadträtin Kirsten Dinnebier. „Auch kleine Hilfestellungen können für die Betroffenen schon einen großen Unterschied machen.“ Sie dankt den sechs Ehrenamtlichen, die das kostenfreie Angebot für Mieter*innen ermöglichen.

Die Ansprechpersonen der Ombudsstelle „Fair Wohnen“ helfen dabei, Anliegen und Sachverhalte zu klären, Konflikte zu schlichten und einvernehmliche Lösungen zu finden und stehen allen ratsuchenden Mieter*innen aus Marburg zur Seite. Die Ehrenamtlichen sind: Elena Afanasyeva, Bettina Böttcher-Dutton, Helmut Fiedler, Arndt Jacob, Silvia Lerch-Denfeld und Janina Werth. Afanasyeva hat erst kürzlich ihren Ehrenamtsvertrag unterschrieben und ist über eine Kooperation mit der Freiwilligenagentur als sechste dazugekommen.

Die Ombudsleute beraten zu ganz unterschiedlichen Anliegen: Reparaturen, Haustierhaltung, Sperrmüllproblematik, Mängel und unzumutbare Wohnsituationen bis hin zu Streitigkeiten und Ruhestörungen in der Nachbarschaft. Bei Letzteren haben die Ombudsleute Mediationsgespräche mit dem Vermieter und Nachbarn organisiert und durchgeführt.

Gemeinsame Gespräche können nicht nur für eine Deeskalation sorgen, sondern auch dabei helfen, eine gemeinsame Lösung zu suchen: „Dabei soll eine Lösung auf der ‚vorrechtlichen‘ Ebene gefunden werden“, erklärt die Ehrenamtliche Silvia Lerch-Denfeld. Rechtliche Auseinandersetzungen sollen vermieden werden. „Aber auch Hilfestellung bei ganz praktischen Schritten ist gefragt, wenn beispielsweise Briefe verfasst werden müssen, bei denen Formulierungshilfen oder die Unterstützung bei technischem Know-how erforderlich sind.“ Auch über rechtliche Hintergründe informieren die Ombudsleute.

Die Ehrenamtliche Bettina Böttcher-Dutton half Hundee Chawaqa. „Meine Kinder hatten eine Allergie gegen den Teppichboden in der Wohnung“, erzählt die Mieterin. Das sorgte für gesundheitliche Probleme, deswegen musste der Bodenbelag ausgetauscht werden. „Die Mieterin war über ihr Anliegen und die bisher ungelösten Fragen, die sich daraus ergaben, sehr aufgewühlt, da sie sehr besorgt war um die Gesundheit ihrer Kinder“, so die Ehrenamtliche Böttcher-Dutton. Chawaga machte sich Sorgen wegen der Kosten und dem Einverständnis der Vermieterin. Die Ombudsfrau nahm Kontakt zu der Vermieterin auf. „Ich selbst war sehr positiv im gemeinsamen Gespräch über das Entgegenkommen der Vermieterin überrascht“, erinnert sich die Ehrenamtliche. Die Vermieterin stimmte dem neuen Fußboden zu und beteiligte sich an den Kosten. Die Familie tauschte den Bodenbelag aus und war mit der Lösung sehr zufrieden.

Böttcher-Dutton ist froh, Ratsuchende auf diese Weise unterstützen zu können: „Für mich beginnt das damit, dass wir uns als Teil einer Gesellschaft sehen, in der die Starken selbstverständlich für die Schwächeren eintreten.“ Dass das dem „guten Zusammenleben“ dient, durfte die Ehrenamtliche auch schon selbst erfahren: Sie wurde von der Familie zu einer äthiopischen Kaffeezeremonie eingeladen.

Der Weg zu einem zufriedenstellenden Ergebnis sei nicht immer leicht. „Man benötigt einen langen Atem oder die sogenannte Hartnäckigkeit, den betroffenen Mieter*innen zu helfen und das zahlt sich am Ende aus“, berichtet die Ehrenamtliche. „Es gibt kein schöneres Geschenk, als wenn man hilfesuchenden Mieter*innen in den unterschiedlichsten Lebenslagen damit wieder ein Stück Respekt zurückgeben kann, den sie oft vermissen.“

Die Ehrenamtliche Elena Afanasyeva wird gemeinsam mit Böttcher-Dutton ab Frühjahr eine neue Sprechstunde am Richtsberg anbieten. „Ich weiß, wie es ist, wenn man eine Sprache noch nicht so gut spricht und Hilfe braucht“, sagt Afanasyeva, die als gebürtige Russin vor fünf Jahren nach Marburg kam. Ihre Russischkenntnisse seien in der Beratung bereits von Nutzen gewesen.

Auch der Mieter Mahfooz Hamidi fand bei der Ombudsstelle Hilfe. Seine Wohnsituation sorgte für große Probleme: Seine Frau war auf der Treppe gestürzt und hatte sich beide Handgelenke gebrochen. Auch die Badewanne war zu unsicher. Bettina Böttcher-Dutton half den beiden, eine Wohnung mit Fahrstuhl und Dusche zu finden, die auch finanzierbar war. „Wir hatten schon zwei Jahre gesucht und haben uns sehr über die Hilfe gefreut“, erzählt Hamidi, der mit seiner Frau inzwischen umgezogen ist.

Das Angebot erlebt großen Zuspruch. „Bisher haben sich 39 Menschen an die Ombudsstelle gewandt, die durchschnittlich zwei bis drei Mal beraten wurden“, erzählt Monique Meier. Die städtische Sozialplanerin hat das Angebot konzipiert und aufgebaut. Die Ehrenamtlichen haben monatlich gemeinsame Treffen, zu denen auch verschiedene Netzwerkpartner*innen eingeladen werden. „Der kollegiale Austausch ist sehr wichtig für die inhaltliche Arbeit und durch Treffen, wie beispielsweise mit dem Mieterverein und der GeWoBau, werden die Ansprechpersonen bekannter“, so Meier.

Peter Schmidt, Leiter des Fachbereiches Soziales und Wohnen, erklärt: „Dieses niederschwellige Angebot ist ein Baustein im Unterstützungssystem und klar abgegrenzt zu einer Rechtsberatung.“ Diese finde im Rahmen des Ombudsangebots nicht statt. „Die Stelle gibt Auskunft über die Rechtslage in Schlichtungsfällen und bei Bedarf wird ein Kontakt zu einem geeigneten Rechtsbeistand vermittelt.“

Die Ombudsstelle hat ein Büro in der Friedrichstraße 36 (Sozial-/Jugendamt). Sie ist Montag, Mittwoch und Donnerstag jeweils von 17 bis 18 Uhr erreichbar, unter (0157) 83 92 71 53 oder per Mail unter fair-wohnen@marburg-stadt.de. Neu ist ab Frühjahr eine zusätzliche wöchentliche Sprechstunde am Richtsberg im Beratungs- und Begegnungszentrum in der Sudetenstraße 24. Grundsätzlich gilt, dass die kostenfreien Termine vorab per Telefon oder E-Mail vereinbart werden müssen.

Mehr Informationen finden sich unter www.marburg.de/fair-wohnen. Dort ist der Flyer für die Ombudsstelle in sechs Sprachen verfügbar (Deutsch, Arabisch, Russisch, Türkisch, Englisch, Dari/Farsi)

 

 

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